Exotische Haustiere fürs Terrarium

Veröffentlicht am 11. Mai von Lieselotte Wever in Tiere

Reptilien und Spinnen faszinieren vor allem durch ihr ungewöhnliches, teils bizarres Aussehen. Wer sich Terrarienbewohner ins Haus holen möchte, informiert sich am besten vorher gründlich, damit er später nicht mit der Tierhaltung überfordert ist.

Warum Terrarientiere so beliebt sind

Ihrer Faszination erliegt fast jeder. Reptilien beziehungsweise Echsen wirken wie ein Gruß aus ferner Zeit, als die Dinosaurier die Erde beherrschten. So einen Dino oder Drachen im Miniaturformat zu Hause: Das wär’s! Oder Freunde mit einer Schlange beeindrucken oder mit einer Vogelspinne erschrecken. Hunde, Kanarienvögel und Fische sind doch was für Normalos.

Exotische Haustiere fürs Terrarium vereinen mehrere Vorteile in sich: Sie machen keinen Lärm und müssen nicht Gassi gehen. Viele von ihnen kannst Du in die Hand oder auf den Arm nehmen. Sie können problemlos über Stunden oder sogar ein paar Tage allein bleiben.

Es ist kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen für diese Tiere interessieren. Umso wichtiger ist es, sich bereits vor der Anschaffung über ihre Eigenarten und Haltung zu informieren.

Anspruchsvolle Hausgenossen und Haustiere, die nicht jeder hat: Exoten im Terrarium

Es passiert immer wieder: Im Vorgarten oder auf dem Fußweg kriecht eine exotische Schlange und löst Panik aus. Die Feuerwehr wird gerufen und die Schlange landet im Tierheim. Mancher wurde sogar auf dem Balkon oder in seiner Wohnung von einer Vogelspinne überrascht. Es handelt sich in solchen Fällen um exotische Tiere aus privater Haltung.

Einige von ihnen sind ihren Haltern ausgebüxt. Meistens jedoch waren ihre Besitzer mit der Haltung überfordert. Sie haben die Tiere ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen.

Liebäugelst Du mit solchen exotischen Haustieren, informiere Dich unbedingt schon vor der Anschaffung ausführlich über die Tierart und den Umgang mit einem Terrarium. Dir wird schnell auffallen, dass die tiergerechte Haltung von Exoten im Terrarium ein anspruchsvolles Hobby ist. Verfügst Du über das dafür erforderliche Fachwissen, wirst Du viel Freude an Deinen Terrarienbewohnern haben – aber nur dann. Learning by Doing ist hier auf jeden Fall der falsche Ansatz.

Pflegeleichte Tiere für Terrarien-Anfänger

Als angehender Terrarianer beginnst Du am besten mit pflegeleichten Tieren. Wir empfehlen Dir diese Arten:

1. Schildkröten

Die Griechische Landschildkröte wirst Du bereits kennen. Ebenfalls gut geeignet für Einsteiger ist die Spornschildkröte. Beide benötigen neben ihrer Unterkunft im Trockenterrarium zusätzlich Auslauf, vorzugsweise im Freien in einem extra dafür reservierten Bereich. Die Pflege dieser ruhigen Tiere ist unkompliziert.

Schildkröten sind Pflanzenfresser. Du kannst Ihnen teils wild wachsende Pflanzen wie Gänseblümchen, Klee, Brennnesseln, Löwenzahn, Disteln, Breitwegerich, Giersch, Taubnesseln und sogar Gras – frisch oder als Heu – und Kräuter wie Basilikum geben, außerdem Beeren wie Himbeeren und Brombeeren. Karotten und Äpfel sowie weiteres Gemüse und Obst sind ebenfalls beliebt als Schildkrötenfutter, doch solltest Du wegen des Fruchtzuckergehaltes stärker auf Gemüse als auf Obst setzen.

Die einzige Herausforderung ist die jährliche Winterruhe der Schildkröte, die Du aber mit entsprechendem Wissen gut zu Hause durchführen kannst.

Schildkröte: Immer mit der Ruhe!

2. Bartagamen

Zunehmender Beliebtheit bei Terrarien-Einsteigern erfreuen sich Bartagamen. Die vom Charakter her friedlichen Wüstentiere begeistern nicht wie viele der Terrarienbewohner allein durch ihr Aussehen. Bei regelmäßiger ausgiebiger Beschäftigung mit ihnen werden sie zahm und entwickeln eine Bindung an ihren Besitzer.

Da Bartagamen einen halben Meter lang werden können, benötigen sie viel Platz. Ihr Terrarium soll mindestens eine Bodenfläche von 80 cm × 75 cm und eine Höhe von 125 cm haben. Über die Temperaturregulierung in Terrarien erfährst Du etwas später in diesem Artikel mehr.

Die Fütterung von Bartagamen ist einfach. Sie fressen Pflanzen wie geriebene Mohrrüben, Tomatenstückchen oder kleingeschnittenes Grünfutter, zum Beispiel Salatgurke oder Blattsalat. Als Allesfresser benötigen sie außerdem Insekten als Futter.

Aufmerksame Agame

3. Geckos

Zu den pflegeleichten Terrarientieren zählen auch Geckos. Je nach Art sind sie in vielen Größen und Farben erhältlich. Besonders beliebt sind die tagaktiven Taggeckos und die jeweils dämmerungs- und nachtaktiven Leopardengeckos, Faltengeckos, Zwergwüstengeckos und Madagaskar-Geckos.

Geckos hältst Du am besten zu mehreren, mindestens zu zweien. Nach ihrer Anzahl richtet sich die Größe des Terrariums. Es sollte ab 200 cm × 70 cm in der Bodenfläche messen und 100 cm hoch sein. Befinden sich mehrere Männchen in der Gruppe, gib noch etwas zu, da sie auf räumliche Enge leicht mit Aggressionen reagieren.

Obwohl Geckos eine sensible Schuppenhaut haben, sonnen sie sich gern. Deshalb benötigt Dein Terrarium Lampen von hoher Lichtintensität in natürlicher Lichtfarbe. Halogenstrahler und Leuchtstoffröhren spenden zusätzliches Licht zur Vitamin-D-Bildung für einen gesunden Knochenaufbau. Geckos freuen sich über Pflanzen und reichlich Klettergelegenheiten.

Als Futter bekommen Geckos Lebendfutter in Form von Heuschrecken, Grillen, Käfern und weiteren kleinen Insekten. Wegen ihres hohen Mineralbedarfs streust Du noch ein wenig von einer speziellen Vitamin-Kalk-Mischung über ihr Futter.

Bei den äußerst wendigen und flinken Geckos musst Du aufpassen, dass sie Dir nicht aus dem Terrarium entwischen. Geckos werden in Krallengeckos und Lamellengeckos unterschieden. Letztere haben unter ihren Füßen spezielle Härchen und Lamellen, mit denen sie senkrecht die Wände hoch oder sogar kopfüber unter der Decke laufen können. Am Anfang sind Geckos scheu und reagieren blitzschnell auf vermeintliche Gefahren. Manche bleiben so, andere werden mit der Zeit zutraulicher. Geckos lässt Du besser in ihrem Terrarium. Ähnlich wie Fische sind Geckos Tiere zum Beobachten.

Schick: Leopardengecko

 

4. Vogelspinnen

Vor einigen Jahren noch selten, inzwischen aber häufiger in Terrarien anzutreffen sind Vogelspinnen. Das liegt mit an ihrer pflegeleichten Haltung. Wichtig zu wissen: Vogelspinnen sind nachtaktiv und brauchen tagsüber Ruhe. Eine Lufttemperatur zwischen 22-25 °C und 70-80 % Luftfeuchtigkeit im Terrarium sind genau richtig für sie.

Bei Vogelspinnen unterscheidet man zwischen bodenbewohnenden und baumbewohnenden Arten. Auch wenn Vogelspinnen einen geringeren Platzbedarf haben als Echsen, sollte ihr Terrarium nicht zu klein gewählt werden. Junge Vogelspinnen häuten sich noch mehrmals und sind danach jedes Mal ein bisschen größer. Damit sie auf längere Sicht genug Platz haben, sollte ihr Terrarium eine Grundfläche von mindestens 50 cm × 50 cm haben. Bei baumbewohnenden Vogelspinnen muss das Terrarium natürlich auch ausreichend hoch sein für Klettermöglichkeiten. Bodenbewohnende Vogelspinnen setzt Du besser in ein flacheres Terrarium. Für sie ist es nämlich gefährlich, an den Wänden hochzuklettern. Ihr Körper ist dafür nicht gemacht. Stürzen sie ab, können sie sich ein Bein brechen oder am Hinterleib verletzen. Beides endet oft tödlich, da lebenswichtige Körperflüssigkeit austritt. Bei der Höhe des Terrariums musst Du berücksichtigen, dass einige Vogelspinnen gern im Boden graben, manche buddeln sich sogar komplett ein oder graben unterirdische Höhlensysteme. Kalkuliere hier mit 5-10 cm Bodengrund für Deine Vogelspinne.

Pflanzen sind ebenfalls wichtig im Vogelspinnen-Terrarium. Bepflanze es jedoch erst allmählich nach der Eingewöhnungszeit Deiner Spinne. Andernfalls wird sie wahrscheinlich zunächst die Terrarienbepflanzung zerstören. Später wird sie sie akzeptieren. Pflanzen sind wichtig für die Klimaregulation und Bodenfestigkeit im Terrarium.

Vogelspinnen fressen Insekten: Heuschrecken, Grillen, Heimchen oder Schaben. In der freien Natur überwältigen sie zum Fressen zwar auch kleine Vögel und Säugetiere. Als Haustiere genügen ihnen aber Insekten.

Schön flauschig: Vogelspinne

Tiere für Terrarianer mit Vorkenntnissen

Für fortgeschrittene Terrarienfreunde oder solche mit Unterstützung von erfahrenen Terrarianern kommen haltungstechnisch anspruchsvollere Tiere infrage:

1. Leguane

Unter den Leguanen konnte vor allem der Grüne Leguan die Herzen vieler Terrarianer gewinnen. Sie sind nicht immer kräftig grün. Ihre Farbe kann graugrün oder braungrün sein, bei Männchen gelegentlich auch rotorange. Leguane werden deutlich größer als die meisten anderen Terrarienbewohner, was entsprechend mehr Platz für ihre Unterbringung erfordert. Von Schwanz- bis Nasenspitze kann der Grüne Leguan bis 2,20 m lang werden und ein Körpergewicht um 10 kg erreichen. Der Grüne Leguan ist auch unter dem Namen Iguana bekannt.

Grüne Leguane ernähren sich ausschließlich von Pflanzen. Sie bevorzugen Blätter wie Eisbergsalat, Chinakohl, Rettichblätter, Löwenzahn, Breit- und Spitzwegerich, Kapuzinerkresse- und Hibiskusblätter, außerdem Sellerie, Kresse und Vogelmiere. Auch gekochte Kartoffeln, geriebene Mohrrüben, Erbsen, Zucchini, Paprika und Sojakeimlinge sind gut für sie. Wegen der Gefahr von Stoffwechselerkrankungen, insbesondere Gicht, ist bei der Ernährung von Leguanen auf ein ausbalanciertes Verhältnis von Kalzium und Phosphor zu achten. Deshalb stehen Nahrungsmittel wie Bananen, Rhabarber, Mais, Zwiebeln, rohe Kartoffeln, Haferflocken, Reis, Nudeln, Dosenobst, fast alle Kohlarten sowie Körner und Weizenkeime für Leguane auf der Verbotsliste. Wegen ihres hohen Gehaltes der Nierenschäden begünstigenden Oxalsäure sind neben dem bereits aus anderen Gründen ungeeigneten Kohl und Rhabarber auch Spinat, Sauerampfer und Beinwell für Leguane tabu.

Allgemein ist auch Obst aus verschiedenen gesundheitlichen Gründen – unter anderem bezüglich der Darmflora – kein geeignetes Leguanfutter beziehungsweise nur in besonderen Mischungsverhältnissen zu verfüttern. Die relativ komplizierte Ernährung lässt sich mit der ergänzenden Verwendung von fertigem Futter wie sogenannten Iguana-Sticks erleichtern.

Leguane klettern gern, sodass stabile Äste im Terrarium nicht fehlen dürfen, ebenso wenig Sitzplatten sowie Boxen oder Röhren zum Verstecken. Eine besondere Freude machst Du Deinem Grünen Leguan mit einem kleinen Wasserbecken im Terrarium. Leguane sind ausgezeichnete Schwimmer, und wenn Du ihm auch keine Badeanstalt einrichten kannst, kann er doch ein wenig planschen. Als Tropentier mag es ein Leguan natürlich schön warm, das gilt auch für das Wasser im Becken. Grünpflanzen im Terrarium und eine Wohlfühltemperatur zwischen 35 und 37 °C in der Luft sowie 25 und 28 °C im Wasser sind genau richtig. Nachts sollte die Lufttemperatur aber auf ungefähr 20-25 °C abgesenkt werden. Für eine tropische Luftfeuchtigkeit von 80-95 % sorgst Du am besten mit einer Beregnungsanlage oder einem Vernebelungssystem, auch als Fogger bekannt. Wie Echsen allgemein brauchen auch Leguane viel Licht und darüber hinaus eine UV-A- und UV-B-Bestrahlung.

Perfekt getarnt: Grüner Leguan

Du merkst, das Halten eines Grünen Leguans geht nicht ohne umfassende Sachkunde, Zeit und Mühe. Bist Du dazu bereit, wirst Du allerdings viel Freude an Deinem Hausgenossen im Terrarium haben.

Ein Verwandter vom Grünen Leguan beziehungsweise Iguana ist der Fidschi-Leguan. Er wird nur bis zu 80 cm lang und beansprucht deutlich weniger Platz. Seine Haltungsansprüche sind ähnlich wie beim Grünen Leguan, wobei er beim Futter gelegentliche Gaben von Insekten nicht verschmäht. Wenn Du ihm diese mit einer Pinzette anreichst, kannst Du eine Bindung zu ihm aufbauen. Einen Fidschi-Leguan hältst Du besser als Einzeltier, da es im Kontakt mit Artgenossen, insbesondere Männchen, häufig zu Aggressionen kommt. Männliche Fidschi-Leguane lassen sich gar nicht zusammen halten. Ein Weibchen brauchte ausreichend Möglichkeiten zum Verstecken. Du siehst: Es ist kompliziert und unnötig stressig für die Tiere.

Hübsch, aber nicht ganz ohne: Fidschi-Leguan

2. Anolis-Echsen

Falls Du noch überlegst, ob Leguane nicht doch zu groß für die häusliche Haltung bei Dir sind, könnten die Anolis-Echsen etwas für Dich sein. Sie zählen zu den sogenannten Leguanartigen und sind deutlich zierlicher. Ein paar Eigenschaften anderer kleiner Echsen haben sie ebenfalls, die den großen Leguanen fehlen: Die meisten von ihnen können wie die Chamäleons ihre Hautfarbe wechseln und außerdem haben sie wie die Lamellengeckos unter ihren Füßen „Haftsohlen“. Eine weitere Alternative zu den großen Leguanen sind Erdleguane, Stachelleguane und Maskenleguane.

Rotkehl-Anolis: Balz- oder Drohgebärde? Bei dem Pokerface schwer zu sagen

In der Haltung anspruchsvolle Tiere fürs Terrarium

Es gibt Tierarten, die unbedingt nur in die Hände sehr erfahrener Terrarier gehören. Andernfalls wirst Du als Halter statt Freude ernüchternde Überforderung erleben. Dein Tier wird sich nicht wohlfühlen, krank werden und wahrscheinlich früh sterben. Mit wachsender Erfahrung wirst Du Dir eines Tages – wenn Du magst – ein anspruchsvolles Terrarientier halten können.

1. Schlangen

Schlangen zählen zu den Tieren, die nichts für Anfänger in der Terraristik sind. Einige von ihnen sind sogar meldepflichtig, wobei die Schlangenarten in verschiedene Gefährlichkeitsgrade eingestuft sind.

Giftschlangen sollten auf jeden Fall Schlangenexperten vorbehalten bleiben. Würgeschlangen wie beispielsweise die Boa constrictor und die Python gelten unter den Schlangen noch als relativ pflegeleicht. Bei ihnen musst Du allerdings bedenken, dass eine Boa constrictor ausgewachsen gut 2-3 m lang wird und eine Python sogar 6 m erreichen kann. Da empfehlen wir Dir doch eher eine Kornnatter, vorausgesetzt, Du hast Terrarienerfahrung.

Ebenso wie andere Terrarientiere benötigen die wechselwarmen Schlangen ihre bestimmte Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit. Je nach Schlangenart, Größe und Anzahl der Tiere gestalten sich die Abmessungen der Terrarien und die technische Ausstattung.

Bei Schlangen musst Du Dir außerdem darüber im Klaren sein, dass sie Fleisch fressen, und zwar nicht aus der Dose wie Hunde oder Katzen und auch nicht in Form von Hackfleisch oder Gulaschbrocken. Du fütterst sie mit Mäusen, Ratten, Zwergkaninchen oder Küken. Bei einigen Schlangenarten kannst Du tiefgekühlte Tiere nehmen, die zuvor natürlich komplett aufgetaut werden müssen. Andere Arten brauchen Lebendfutter. Auch wenn ausgewachsene Schlangen meistens nur alle 10-14 Tage Futter benötigen: So etwas ist nicht jedermanns Sache und Du kannst nicht erwarten, dass Du Dich daran gewöhnen wirst. Überlege Dir also gut, ob eine Schlange wirklich etwas für Dich ist.

Kornnattern: So lässt sich’s aushalten

2. Chamäleons

Ebenfalls heikel für angehende Terrarienfreunde sind Chamäleons. Unter den Reptilien zählen sie zu den bekanntesten Vertretern, was vor allem an ihrem Aussehen liegt: Die oft ohnehin farbenprächtigen Chamäleons sind berühmt für ihre Fähigkeit, die Farbe wechseln zu können. Hinzu kommt ihr schneckenartig eingekringelter Schwanz, die wie auf einem Kegel sitzenden und unabhängig voneinander beweglichen kleinen Augen sowie die extrem lange, klebrige Zunge zum Fangen von Insekten. Fast erscheint das Tier wie von einem anderen Planeten. So viel Faszination endet für manche dieser Tiere in einer Tragödie, wenn sie durch Fehler von unerfahrenen Haltern erkranken oder vorzeitig sterben.

Chamäleons lieben abwechslungsreiches Futter aus lebenden Insekten wie Mehlwürmern, Heuschrecken, Goldfliegen, Schaben, Wachsmotten und Larven. Du kannst ihnen außerdem im Freien selbst gefangene Insekten wie Grashüpfer, Blattläuse, Asseln, Falter oder Raupen anbieten. Außerdem erhalten Chamäleons Grünfutter und ergänzend im Handel erhältliches gutes Trockenfutter.

Für die Abmessungen eines Chamäleon-Terrariums wird häufig die Größe des Tieres herangezogen: Als Mindestmaß für Länge, Breite und Höhe gilt dabei das jeweils Vierfache, Zweieinhalbfache und Vierfache der Abmessungen des Tieres. Das solltest Du aber nur als Mindestgröße bei Platzmangel sehen, denn je mehr Platz Dein Chamäleon zur Verfügung hat, desto prächtiger wird es sich entwickeln. Bei zwei Tieren muss das Terrarium ohnehin größer sein. Hierzu musst Du unbedingt wissen, dass sich nicht alle Chamäleon-Arten zur Haltung von zwei oder mehr Tieren eignen.

Wenn Du schon Erfahrung in der Haltung von Terrarientieren hast und es nun ein Chamäleon sein soll, nimm nicht ausgerechnet ein Pantherchamäleon oder ein Jemenchamäleon, denn diese beiden Arten erfordern besonders aufwändige, sachkundige Pflege. Übrigens sind auch Chamäleons meldepflichtig, da sie unter das Artenschutzgesetz fallen. Näheres zum Artenschutzgesetz erfährst Du weiter unten im Artikel.

Nur etwas für Terrarier mit Erfahrung: Pantherchamäleon

3. Amphibien

Außer Reptilien kannst Du Amphibien im Terrarium halten. Zu den Amphibien gehören zum Beispiel Frösche, Kröten, Molche und Salamander. Auch Amphibien sind nur etwas für erfahrene Terrarier. Da diese Tiere zu mehreren gehalten werden, hängt die Größe des Terrariums von ihrer Anzahl ab. Amphibien leben im Wasser und auf Land, weshalb sich als Unterkunft für sie ein Aquarium besser eignet. Dort legst Du ihnen neben der Landfläche einen kleinen Teich an.

Das Futter für Amphibien hängt stark von der jeweiligen Art ab. Die Skala reicht von Fruchtfliegen über bestimmte Blattlausarten, Asseln, Springschwänze und Schaben bis zu Regenwürmern und Schnecken.

Frosch und Kröte beim gemeinsamen Chillen

Trinken Vogelspinnen und Reptilien?

Fragst Du Dich gerade, ob Vogelspinnen und Reptilien nichts trinken, weil in den Tierbeschreibungen stets nur etwas über das Futter steht? Doch, sie trinken Wasser, allerdings auf unterschiedliche Weise. Einige trinken aus Wasserschalen, andere aus speziellen Tropftränken.

Einer Vogelspinne stellst Du am besten einen kleinen Wassernapf hin, aus dem sie trinken kann. Das ist besser als ein Trinkschwamm oder sogenanntes Water-Gel, die im Handel angeboten werden.

Bei Reptilien ist das Trinkverhalten unterschiedlich. Statt einer Schale mit Wasser ist für sie oft eine Tropftränke besser geeignet. Die auch als Dripper oder Infusor bezeichneten Tränken ahmen die Wasserversorgungssituation in den Tropen beziehungsweise Regenwäldern nach. So verschmähen zum Beispiel Chamäleons und zahlreiche Leguan-Arten stehendes Wasser. Sie sind instinktiv auf die Aufnahme von fließendem Wasser eingestellt, wie es zum Beispiel in ihrer ursprünglichen Heimat von den Blättern der Bäume tropft. An der Tropftränke kannst Du die Wassertropfenfrequenz regulieren. Es muss sich immer ausreichend Wasser im Behälter befinden.

Wieviel Wärme brauchen Tiere im Terrarium?

Als ursprüngliche Wüsten- und Tropenbewohner mögen es Terrarientiere warm. Reptilien und Spinnen sind wechselwarm, was bedeutet, dass ihre Körpertemperatur von der Umgebungstemperatur abhängt. Bei kühler Temperatur sind die Tiere träge, bei höheren Wärmegraden munter.

Die Raumtemperatur in einem Terrarium soll deutlich über 25 °C liegen, bei Bartagamen zum Beispiel 30-35 °C betragen mit weiteren Temperaturbereichen von mindestens 25 °C in kühleren Zonen sowie rund 50 °C unter Spotstrahlern. Bei anderen Terrarientieren ist es ähnlich. Sie suchen selbstständig ihren momentanen Lieblingstemperaturbereich auf. Die Wärmezufuhr sollte übrigens nicht über Heizmatten erfolgen, sondern stets von oben kommen. Auch UV-Licht – UV-A- und UV-B-Bestrahlung – ist für Tiere im Terrarium wichtig. Unter anderem stärkt es die Abwehrkräfte und regt wichtige Körperfunktionen an.

Vor dem Kauf von Terrarientieren: Sei ehrlich zu Dir selbst

Ihr Aussehen und weitere faszinierende Eigenschaften machen Terrarientiere zu einer Versuchung. Viele unterschätzen den Haltungs- und Pflegeaufwand. Vor der Anschaffung solltest Du Dich gründlich über die Bedürfnisse dieser Lebewesen informieren. Sie sind keine Deko-Objekte oder etwas zum Angeben. Fast alle Terrarientiere geben sich außerdem nicht mit Pflanzenkost zufrieden. Sie fressen Tiere: Insekten, Küken oder kleine Säugetiere. Einige Arten brauchen sogar Lebendfutter. Wenn Dir bereits beim Gedanken daran unbehaglich wird, solltest Du nur pflanzenfressende Tiere in Betracht ziehen.

Terrarientiere sind hauptsächlich etwas für Menschen mit Freude am Beobachten von Tieren. Zwischen einigen Tierarten und ihren Haltern entsteht zwar eine gegenseitige Beziehung. Doch sind solche Verbindungen erheblich distanzierter als die von vielen anderen Haustieren gewohnten Tierfreundschaften.

Eine Bitte an alle Terrarier: Kauft Eure Tiere nur im Fachhandel!

Zeigt Euch als verantwortungsbewusste Tierfreunde und kauft Terrarienbewohner ausschließlich im Fachhandel!

Wo Du Dich für diese Tiere interessierst, hast Du bestimmt schon entdeckt, dass Du Reptilien, Insekten und Spinnen auch online bestellen kannst. Es ist aber immer besser, ein Tier vor dem Kauf persönlich in Augenschein zu nehmen. Und auch wenn es sich bei Reptilien und Vogelspinnen weniger um Tiere zum Kuscheln als zum Beobachten handelt, sind es trotz ihrer fehlenden Mimik doch fühlende Lebewesen, die es verdienen, gut behandelt zu werden.

Vorsicht geboten ist dazu auf Börsen für Reptilien- und Spinnenfreunde. Neben sicher auch seriösen tummeln sich dort viele verantwortungslose Händler, die nur ans Geschäft denken und denen das Wohlergehen ihrer Tiere gleichgültig ist.

Gehe besser zu einem Fachhändler, der sein Geschäft mit Herzblut betreibt und Dich sachkundig berät. Er denkt nicht einzig ans Verkaufen, sondern erkundigt sich nach Deinem Wissensstand zur Terrarienhaltung, um mit Dir gemeinsam ein Tier auszusuchen, mit dem Du nicht überfordert sein wirst. Er wird Dir gegebenenfalls von einem Tier abraten und erklären, weshalb.

Ein Fachhändler weiß zudem Bescheid über Artenschutzabkommen und Meldepflichten bei bestimmten Terrarientieren.

Fachlektüre zur Terrarienhaltung

Bartagamen: Wohlfühl-Garantie für kleine Echsen (GU Tierratgeber)
  • Manfred Au
  • GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
  • Taschenbuch: 64 Seiten
Chamäleons
  • Dominik Kieselbach, Rolf Müller, Ulrike Walbröl
  • Verlag Eugen Ulmer
  • Auflage Nr. 3 (19.01.2017)
Vogelspinnen: Haustiere mit acht Beinen
  • Tristan Miller Weber
  • CreateSpace Independent Publishing Platform
  • Auflage Nr. 2 (17.10.2014)

Wobei sich Behörden in die Tierhaltung einmischen

Aus gutem Grund reden deutsche Behörden bei der Haltung von exotischen Haustieren mit. Betroffen von so einer Behördeneinmischung sind auch verschiedene Terrarientiere. Unterschieden wird dabei in Genehmigungspflichten, Meldepflichten und Artenschutzübereinkommen. Teilweise weichen die Bestimmungen in einzelnen Bundesländern und sogar Landkreisen voneinander ab. Du erfährst in diesem Artikel Allgemeines zu diesen Bestimmungen. Damit bist Du bereits für diese Themen sensibilisiert. Du solltest bereits vor Anschaffung des Tieres klären, ob es genehmigungspflichtig oder lediglich meldepflichtig ist. Oft erfährst Du bereits vom Händler alles Nötige hierzu. Ansonsten frage im Zweifel lieber einmal zu viel bei einer Behörde nach, zum Beispiel beim Amtstierarzt. Damit bist Du auf der sicheren Seite, nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Genehmigungspflicht

Bei der Genehmigungspflicht geht es darum, ob Du überhaupt ein Tier von einer bestimmten Art halten darfst. Neben der artgerechten Haltung spielt dabei natürlich die vom Tier ausgehende mögliche Gefahr eine Rolle. So ist beispielsweise die private Haltung bestimmter Giftschlangen behördlich verboten.

Meldepflicht von gefährlichen Tieren

Nicht immer ist die private Haltung eines potenziell gefährlichen Tieres grundsätzlich gesetzlich verboten. Bei meldepflichtigen Tieren muss der Halter die Tierhaltung nur der zuständigen gesetzlichen Behörde melden.

Meldepflicht von gefährdeten Tieren

Einige Tierarten unterliegen dem Washingtoner Artenschutzabkommen. In Deutschland gilt es in Kombination mit der EU-Artenschutzverordnung. Sofern die private Haltung nicht untersagt ist, müssen Haltungen dieser Tiere ebenfalls behördlich gemeldet werden.

EU-Artenschutzverordnung

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) wird über die EU-Artenschutzverordnung umgesetzt. Die Schutzbestimmungen wirken sich auch stark auf den Handel mit geschützten Tieren aus. Ohne dokumentierte Berechtigung dürfen geschützte Tiere nicht besessen, gehandelt oder gegen Entgelt ausgestellt werden. Zur Ein- und Ausfuhr über die Landesgrenze hinweg ist für die geschützten Arten ein CITES-Dokument erforderlich.

Einverständnis des Vermieters einholen

Außer Behörden hat noch jemand ein Wörtchen mitzureden, welche Terrarienbewohner mit Dir in der Wohnung leben dürfen: Dein Vermieter. Bei vergleichsweise harmlosen Tieren wie Schildkröten, Geckos, Chamäleons, Bartagamen, Leguanen und Anolis-Echsen wird er nichts dagegen haben, weshalb sich hier wohl eine Nachfrage erübrigt. Anders sieht es jedoch bei der Haltung von Schlangen oder Vogelspinnen aus. Von einer heimlichen Anschaffung raten wir Dir ab. Schließlich kann es sein, dass ein Vermieter in eines Tages in Deine Wohnung muss, zum Beispiel bei einem Defekt oder vor geplanten Sanierungsarbeiten. Entdeckt er dann Dein Geheimnis, kannst Du Ärger bekommen. Womöglich stellt er Dich vor die Alternative „Tiere abschaffen oder ausziehen“. Im Vorgespräch mit einem eventuell skeptischen Vermieter kann es Dir wiederum gelingen, durch erklärende Informationen eine Einwilligung des Vermieters zu erhalten.

Kurz gesagt

Immer mehr Menschen interessieren sich für Reptilien und Vogelspinnen als Haustiere. Während Schildkröten zu den unkomplizierten Vertretern der Reptilien zählen, sind Haltung und Pflege von Terrarienbewohnern wie Chamäleons, Leguanen oder Schlangen wesentlich anspruchsvoller und werden oft unterschätzt. Interessenten sollten sich vor der Anschaffung gründlich informieren und am besten erfahrene Terrarier kennen, die sie um Rat fragen können. Neben Fachwissen sind für Terrarier Artenschutzbestimmungen und Gesetze zur Haltungsgenehmigung und Meldepflicht von Bedeutung.

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