Stillen, Flasche – oder beides? Vor- und Nachteile für Mutter und Kind

Veröffentlicht am 02. Mai von Philipp Senge in Baby

Stillen oder doch lieber die Flasche geben? Geht nicht vielleicht auch beides? Das ist eines dieser besonders heiklen Themen, mit denen sich vor allem werdende Mütter auseinandersetzen müssen. Heikel deshalb, weil die Diskussionen darum besonders heftig geführt werden. Man kann durchaus von regelrechten Grabenkämpfen sprechen. Hier bekommst Du die notwendigen Informationen, um Dir eine eigene Meinung zu bilden!

Mutter beim füttern des Baby mit Flasche
Stillen mit Muttermilch ist ohne Frage das Beste, was Du Deinem Kind geben kannst. Welche Alternativen es noch gibt und welche Vor- und Nachteile diese haben, zeigen wir hier auf.

Stillen oder Flasche oder doch lieber beides?

„Es gibt für Kinder nichts Besseres als Muttermilch“, so oder so ähnlich lautet die Empfehlung, die werdenden Müttern gegeben wird. Es ist auch die offizielle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Tatsächlich ist Muttermilch die beste Nahrung für Dein Kind in seinen ersten Lebenswochen und -monaten. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Fertigmilch für Dein Kind in irgendeiner Weise automatisch schädlich ist. Leider wird das manchmal ein bisschen so dargestellt. Wir erklären Dir die Vorteile der beiden Arten zu füttern und was Zwiemilch ist.

Das Besondere von Muttermilch

Muttermilch hat die optimale Zusammensetzung für einen Säugling und enthält alle wichtigen Nährstoffe, die ein Kind in der ersten Zeit benötigt. Durch die Zusammensetzung der Muttermilch sind Stillkinder vor Übergewicht geschützt und seine Abwehrkräfte werden gestärkt. Genauso wie bestimmte Antikörper vom Kind mit der Muttermilch aufgenommen werden, können auch andere Stoffe mit der Muttermilch aufgenommen werden. So geht Alkohol zum Beispiel in die Muttermilch über. Ebenso können Wirkstoffe aus Medikamenten in die Milch übergehen und auch die Ernährung der Mutter hat Einfluss auf die Muttermilch.

Stillen hat viele Vorteile…

Neben der Beschaffenheit der Milch hat das Stillen noch andere Vorteile. Der größte Vorteil besteht darin, dass Du Dein Kind jederzeit und überall stillen kannst. Du brauchst kein Zubehör und die Milch hat automatisch immer die ideale Temperatur. Du kannst Dein Kind sofort anlegen und musst nicht erst noch Milch zubereiten. Gerade in der Nacht ist das ein enormer Vorteil. Der enge körperliche Kontakt zwischen Kind und Mutter beim Stillen sorgt für eine enge Bindung.

… schränkt aber auch ein

Die Vorteile des Stillens können aber auch Nachteile sein. Als „Milchspenderin“ musst Du grundsätzlich immer verfügbar sein, wenn Dein Kind Hunger hat. Auf diese Weise sind Mutter und Kind sehr eng aneinander gebunden. Das empfinden nicht alle Mütter immer nur als angenehm.

Bei der Milchproduktion spielt auch die Ernährung der Mutter eine wichtige Rolle. Manche Lebensmittel können die Milchproduktion beeinträchtigen. Je nachdem, was die Mutter isst, kann es beim Kind zu Verdauungsproblemen kommen. Auf diese Weise kann es beim Stillen zu Einschränkungen bei der eigenen Ernährung kommen.

Mehr Unabhängigkeit dank Milchpumpe

Eine gewisse Flexibilität kannst Du Dir durch das Abpumpen der Milch verschaffen. Dabei pumpst Du Milch aus Deiner Brust in ein Fläschchen. Das bekommt Dein Kind dann, wenn es Hunger hat und Du nicht die Brust geben kannst. Allerdings erfordert das Abpumpen bei den meisten Frauen eine gewisse Übung und auch Regelmäßigkeit. Manchen Frauen gelingt das Abpumpen gut, manche Frauen kommen damit überhaupt nicht zurecht. Es ist auch fraglich, ob Dein Kind den Wechsel zwischen Flasche und Brust mitmacht. Das ist nicht selbstverständlich.

Alternative zur Brust: Die Flasche

Wenn von der Flasche die Rede ist, ist eigentlich immer da Füttern mit Fertigmilch gemeint. Sie kommt  dann ins Spiel, wenn eine Frau nicht stillen kann oder möchte. Das kann viele Gründe haben. Nicht alle Frauen können stillen. Manchmal müssen sie frühzeitig abstillen, weil sie selber gesundheitliche Probleme haben. Die Behandlung oder die Medikamente können das Stillen unmöglich machen. Manche Frauen entscheiden sich ganz bewusst für die Flasche. Es macht sie flexibler.

Die Flaschennahrung enthält alle Nährstoffe, die ein Kind zum Wachsen benötigt. Entscheidest Du Dich für Fertigmilch, schadest Du Deinem Kind damit also nicht. Der Fertigmilch fehlen jedoch verschiedene Antikörper und Stoffe zur Stärkung der Abwehrkräfte. Dein Kind muss deswegen aber noch lange nicht krank werden.

Vorteile von Fertigmilch

Der größte Vorteil von Flaschenernährung besteht darin, dass Du flexibler wirst. Du bist als Mutter nicht die einzige, die das Kind füttern kann. Du kannst Dir die Aufgabe mit Deinem Partner teilen.

Solltest Du Probleme mit dem Stillen haben, kann die Flasche eine echte Entlastung für Dich sein. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Manche Frauen fühlen sich regelrecht unter einem Leistungsdruck, wenn sie nicht genug Milch produzieren oder andere Probleme auftreten. Das ist weder für Dich noch für Dein Kind gut.

Was gegen Fertigmilch spricht

Die größere Flexibilität von Fertigmilch betrifft nur die Frage, wer das Kind füttern kann. Anders als beim Stillen kannst Du Dein Kind nicht jederzeit füttern. Du musst erst die Milch zubereiten. Das kann eine Einschränkung sein, wenn Du unterwegs bist.

Flaschenkinder bekommen nicht den oft beschworenen „Nestschutz“. Der Fertigmilch fehlen Antikörper und abwehrstärkende Stoffe, die in der Muttermilch enthalten sind.

Anders als an der Brust trinken Säuglinge aus der Flasche oft schneller und mehr Milch auf einmal. Flaschenkinder schlafen deswegen oft nachts früher durch als gestillte Kinder. Durch das schnelle Trinken können sie häufiger Probleme mit Blähungen oder anderen Schwierigkeiten bei der Verdauung bekommen. Außerdem kann Dein Kind übergewichtig werden.

Unterschiede bei Säuglingsnahrung

Es gibt verschiedene Arten von Säuglingsnahrung. Die sogenannte Pre- oder 1-Milch ist der Muttermilch direkt nachempfunden. Daneben gibt es noch Folgemilch. Sie wird mit den Ziffern 2 oder 3 gekennzeichnet. Für Säuglinge ist nur Pre- oder 1-Milch geeignet. Die Folgemilch schließt sich je nach Alter an. Experten halten Folgemilch jedoch nicht für notwendig. Du kannst Dein Kind also ausschließlich mit Pre-Milch füttern.

Eine weitere Milchart ist die hypoallergene oder HA-Milch. Sie enthält besonders wenig Stoffe, die Allergien auslösen können. Sie eignet sich für Kinder, bei denen ein hohes Allergierisiko besteht. Bei Zweifeln oder Fragen zur Fertigmilch wende Dich an Deinen Kinderarzt.

Zwiemilch – von beidem das Beste

Immer häufiger ist in der letzten Zeit von einer dritten Möglichkeit zu lesen. Der sogenannten Zwiemilch. Statt sich zwischen Flasche und Brust zu entscheiden, nutzen manche Mütter beides. Sie geben dem Kind die Brust, wann immer es geht. Gleichzeitig füttern sie aber auch noch mit der Flasche. Können Sie einmal nicht stillen, bekommt das Kind ausschließlich Fertigmilch. Auf diese Weise können Mütter stillen, wenn sie nicht genug Milch haben. Aber auch der Partner kann bei Bedarf die Flasche geben und die Mutter wird flexibler.

Im Grunde spricht nichts gegen diese Methode. Allerdings funktioniert sie nicht bei jedem Kind. Manche Kinder kommen mit dem Wechsel zwischen der unterschiedlichen Milch und auch von Brust zu Flasche nicht zurecht. Das ist aber letztlich von Kind zu Kind verschieden. Hier hilft nur ausprobieren.

Möchtest Du beide Fütterungsarten nutzen, musst Du Dein Kind allmählich daran gewöhnen. Informiere Dich im Vorfeld.

Keine Experimente!

Für die Ernährung Deines Babys kommen ausschließlich Deine Muttermilch oder Säuglings-Fertigmilch infrage. Auf gar keinen Fall solltest Du Muttermilch von anderen Müttern verwenden. Du setzt Dein Kind damit einem ernsthaften Gesundheitsrisiko aus. Das gilt insbesondere für Muttermilch, die Du im Internet kaufen kannst. Experten warnen ausdrücklich davon! Ebenso solltest du auf keinen Fall irgendwelche andere Milch verwenden. Das gilt für Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch ebenso wie für Mandel-, Reis- oder Hafermilch.

Kurz gesagt

Genau genommen ist die Entscheidung zwischen Stillen oder Flasche ein Luxusproblem. Stillen mit Muttermilch ist ohne Frage das Beste, was Du Deinem Kind geben kannst. Solltest Du aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen nicht stillen können oder auch wollen, kannst Du Dich ruhigen Gewissens für Fertigmilch aus der Flasche entscheiden. Für mehr Flexibilität kann Zwiemilch sorgen. Leider funktioniert diese Methode nicht bei allen Kindern gleich gut. Einen Versuch kann es aber Wert sein. Nur Muttermilch von anderen Müttern und tierische oder pflanzliche Milch solltest Du auf keinen Fall verwenden.

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