Sturz im Alter: immer noch ein unterschätztes Risiko

Veröffentlicht am 03. Juli von Lieselotte Wever in Senioren

Hinfallen und gleich wieder aufstehen ist für Kinder völlig normal. Außer blauen Flecken oder aufgeschrammten Knien gibt es dabei nur selten schwerere Verletzungen. Auch Stürze im Erwachsenenalter stecken die meisten noch gut weg. Welche Gefahren jedoch Stürze im Alter bergen, unterschätzen viele.

Oma mit Stock bei jüngerer Frau am Arm gestützt
Nicht immer ist ein stützender Arm parat. Es gibt viele Gefahrenquellen für Stürze von älteren Menschen.

Wodurch kommt es überhaupt zum Sturz?

Während Kinder vor allem beim Spielen, Toben und Sport hinfallen, liegen die Ursachen für Stürze im Seniorenalter woanders. Bereits schlechtsitzende Schuhe oder bei Damen Schuhe mit inzwischen zu hohen Absätzen können einen Sturz auslösen. Auch nachlassende körperliche Fitness begünstigt Stürze, sodass gerade Sport mit für das Alter angemessenen Sportübungen das Sturzrisiko von Senioren verringern kann. Ebenfalls führen zu geringe Trinkmengen leicht zu Benommenheit, Taumeln, verlangsamtem Reaktionsvermögen und Hinfallen.

Es sind hauptsächlich bestimmte Details der Wohnungseinrichtung und medizinische Ursachen, die Stürzen im Alter Vorschub leisten. Insbesondere über diese Sturzgefahren solltest Du informiert sein – in eigener Sache, wenn Du selbst eines Tages älter bist, und außerdem zum Wohle Deiner Familienangehörigen.

Sturzrisiken in der Wohnungseinrichtung

In jüngeren Jahren werden Dir Stolperfallen in der eigenen Wohnung oft gar nicht bewusst oder Du ärgerst Dich nur kurz darüber – ist ja nochmal gut gegangen. Kritischer wird es im fortgeschrittenen Alter. Die meisten Senioren möchten am liebsten so lange es geht in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben. „Barrierefreies Wohnen“ ist ein Begriff, der seit einigen Jahren für das Erbauen oder Umgestalten altersgerechter Wohnungen und Häuser wirbt. Im Vordergrund stehen dabei ebene Böden ohne Türschwellen und spezielle Angebote wie Haltevorrichtungen für Duschen, Badewannen und Toiletten bis hin zum Umbau des gesamten Bades nach seniorenfreundlichen Maßstäben. In den Hintergrund treten dabei viele zusätzliche Fallen im Wohnbereich, die leicht zu Stürzen führen, wie:

  • unbefestigt über den Boden laufende Elektrokabel
  • Unordnung: Stolpern über herumliegende Gegenstände
  • dicke Teppiche: Sturzgefahr an der Kante
  • lose liegende Teppiche: Stolper- und Rutschgefahr
  • nasse Böden
  • Treppen
  • schlecht ausgeleuchtete Räume
  • niedrige Sitzgelegenheiten: erschwertes Aufstehen

Medizinische Ursachen für Stürze im Alter

Neben mangelnder Fitness, Flüssigkeitsmangel und ungeeignetem Schuhwerk gibt es zahlreiche weitere medizinische Ursachen für Stürze im Seniorenalter:

  • Gehbehinderung
  • Bewegungseinschränkungen
  • Sehschwäche
  • Schwerhörigkeit
  • Gleichgewichtsstörungen und Schwindel
  • Blutdruckschwankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • verlangsamtes Reaktionsvermögen
  • Polyneuropathie
  • verlangsamtes Reaktionsvermögen
  • Demenz
  • Nebenwirkungen von Arzneimitteln
  • Probleme beim Umgang mit Mobilitätshilfen
  • verschiedene Vorerkrankungen

Zu den sturzbegünstigenden Vorerkrankungen zählen insbesondere Epilepsie, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose und Schlaganfälle.

Sturzrisiken vorbeugen

Erstmal erkannt, lässt sich vielen Sturzrisiken vorbeugen.

Sturzvorbeugung in der Wohnung

Wahrscheinlich siehst Du nach dem Lesen des letzten Absatzes Deine Wohnung oder die eines verwandten oder bekannten Senioren mit anderen Augen. Liegen da nicht einige Brücken lose auf glattem Untergrund? Mit doppelseitigem Klebeband oder speziellen Antirutschmatten bleiben Teppiche verschiedener Größen am vorgesehenen Platz und können gefahrloser betreten werden. Bei Treppen helfen signalfarbene Markierungen an erster und letzter Stufe. Auch lose Kabel müssen nicht sein. Verlege sie unter Kabelleisten oder verstecke Kabelschlingen in Kabelboxen. Schon hast Du eine Stolperquelle weniger und ordentlicher sieht es obendrein aus. Und wo jetzt das Thema Unordnung in Reichweite rückt: Gerade bei Senioren sollte es einigermaßen ordentlich aussehen, zu leicht verheddern sie sich sonst in selbstgestellten Fallen.

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Vorbeugung medizinisch bedingter Stürze

Beim Verdacht auf eine medizinische Ursache von Stürzen soll unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Oft ist dies ohnehin erforderlich, um die Folge des Sturzes zu behandeln. Aber auch vorbeugend lässt sich bei einem medizinisch bedingten Grund für den Sturz einiges erreichen. Hörgerät und Brille können bereits einiges bewirken, ebenso die Auswahl bequemer Schuhe. Bei Problemen mit Mobilitätshilfen verbessert ein Training den künftigen Umgang. Seniorengerechter Sport stärkt die körperliche Fitness und hilft so, Stürze zu vermeiden oder ihre Folgen wenigstens abzumildern.

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Eventuell ist eine Medikamentenumstellung angebracht. Bei Senioren muss Du stets auch Einnahmefehler in Betracht ziehen. Hinzu kommt außerdem, dass viele Beruhigungs- und Schlafmittel bei alten Menschen intensiver wirken als üblich. Müssen sie nachts aufstehen, können sie benommen oder orientierungslos sein, dass sie allein deshalb stürzen. Ebenfalls zu Stürzen können Schmerzmittel führen, welche neben ihrer schmerzlindernden Wirkung entspannen sowie schläfrig und unaufmerksam machen.

Es würde zu weit führen, in diesem Artikel sämtliche medikamentös denkbaren Sturzursachen aufzuführen. Wichtig ist, dass Du über die von Medikamenten ausgehende Gefahr für Stürze allgemein informiert bist. Bei Bedarf lässt Du Dich dann am besten vom behandelnden Arzt des Senioren beraten.

Zusätzlich sinnvoll ist außerdem der Besuch bei einem Geriater. Er ist Facharzt für Senioren und kennt sich mit ihren spezifischen Erkrankungen und ihrem Behandlungsbedarf aus. Bei bereits erfolgtem Sturz führt er eine gründliche Sturzanamnese durch: Umstände des Sturzes, bestehende Erkrankungen, körperliche Einschränkungen, allgemeines körperliches und geistiges Leistungsvermögen sowie aktuelle Medikamentenverordnung. Hiernach entwickelt der Geriater einen individuellen Behandlungsplan.

Welche Folgen können Stürze im Alter haben?

Stürze verursachen bei Senioren häufig Verletzungen der Weichteile und außerdem Arm-, Bein-, Hüft- und Beckenbrüche. Hier wird bereits deutlich, dass dem Sturz leicht eine längere Krankheitsphase folgt. Gerade im Alter führt längere Bettlägerigkeit durchaus zu weiteren Komplikationen wie Thrombosen, Embolien, Infektionen oder Nekrosen. Betroffene können außerdem anschließend dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt bleiben. Besonders dramatisch wird es, wenn der Sturz zu einer Schädel-Hirn-Verletzung geführt hat, erst recht, wenn danach eine andauernde kognitive Beeinträchtigung eintritt. Je nach Kondition erholt sich ein Patient nach einem Sturz eventuell nicht mehr und wird zum dauerhaften Pflegefall. Stürze können sogar tödlich enden, zum Beispiel durch einen Genickbruch.

Eine Überlegung wert: Hausnotrufsysteme

Eine Beruhigung für alleinlebende Senioren und ihre Angehörigen bieten Hausnotrufsysteme. Sie können zwar einen Sturz nicht verhindern, doch versetzen sie Gestürzte in die Lage, sich umgehend Hilfe zu holen, wenn sie nicht mehr selbstständig aufstehen können. Voraussetzung ist natürlich, dass Senioren das kleine Notrufgerät stets bei sich tragen. Es kann vergleichbar mit einer Armbanduhr oder einem Schmuckstück bequem getragen werden. Hausnotrufsysteme kosten eine monatliche Gebühr. Ansprechpartner hierfür sind beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund sowie Malteser und Johanniter.

Mögliche Konsequenzen nach Stürzen

Ein Sturz kann dem Leben eines Senioren eine neue Wendung geben. Selbst wenn er vorerst in seiner häuslichen Umgebung bleiben kann, benötigt er künftig pflegerische Unterstützung. Seine gewohnte Lebensqualität einschließlich der Mobilität ist eingeschränkt. Nicht selten ist nach einem Sturz der Umzug in eine Seniorenunterkunft oder ein Pflegeheim notwendig.

Gespräche rund um das Seniorenthema Sturz erfordern großes Fingerspitzengefühl. Vielleicht hast Du selbst schon erlebt, wie abwehrend ältere Menschen auf Gesprächsversuche reagieren. Häufig bagatellisieren oder verschweigen sie sogar ihre körperlichen Einschränkungen oder bereits stattgefundene Stürze. Falls Du selbst zur älteren Generation gehörst, tust Du Dich eventuell auch mit diesem Thema schwer. Dabei ist Ehrlichkeit mit sich selbst einschließlich Einsicht der bessere Weg als Verdrängung. Wer weiter so tut, als wäre nichts, riskiert, dass er eines Tages gezwungenermaßen eine unangenehme Veränderung seines Lebens hinnehmen muss, die womöglich vermeidbar gewesen wäre. Wer dagegen körperliche Einschränkungen und damit verbundene Sturzgefahren bei sich selbst zugibt und entsprechend rechtzeitig  handelt, kann in Ruhe die Gestaltung seines weiteren Lebens im Alter planen.

Kurz gesagt

Stürze im Alter sind ein weitgehend unterschätztes Risiko. Es gibt viele Gefahrenquellen für Stürze von Senioren. Die meisten Sturzursachen sind entweder medizinisch bedingt oder liegen in der häuslichen Umgebung. Wer über sie informiert ist, kann gezielt vorbeugen. Viele Senioren möchten so lange wie möglich in ihrer bisherigen Umgebung wohnen bleiben. Ein Sturz kann dies von einem Moment auf den anderen verändern. Darum sind Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und rechtzeitige Planung so wichtig.

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