Wie bringe ich meine Schildkröte in den Winterschlaf?

Veröffentlicht am 04. September von Lieselotte Wever in Tiere

Frischgebackene Schildkrötenhalter plagt oft die Sorge, wie sie ihr Tier gut durch den Winterschlaf bringen. Zögerst Du die geplante Anschaffung einer Schildkröte hinaus, weil Du an ihre alljährliche Winterruhe denkst? Hier erfährst Du, worauf es beim Überwintern von Landschildkröten ankommt.

Warum machen Schildkröten überhaupt Winterschlaf?

Um gleich zu Anfang mit einem weitverbreiteten Missverständnis aufzuräumen: Winterschlaf ist ein irreführender Begriff für die Ruhephase im Schildkrötenleben. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um einen Zustand der Winterruhe. Schildkröten haben ein festeinprogrammiertes biologisches Überlebenssystem. Als wechselwarme Tiere regelt nicht ihr Organismus ihre Körpertemperatur, sondern die Umgebungstemperatur. Schildkröten legen sich deshalb wie andere Echsen auch zum Aufwärmen oft in die Sonne. Wenn sie im Winter seltener scheint und die Tage kürzer werden, sinkt die Außentemperatur. Das Nahrungsangebot reicht im Winter für Schildkröten nicht mehr aus. Ohne Ruhezeit könnten Schildkröten in der Natur den Winter nicht überstehen.

Das biologische Überlebensprogramm gilt auch für Schildkröten, die als Haustiere in einer gemütlich warmen Wohnung mit elektrischer Beleuchtung gehalten werden. Du hast bestimmt schon ein paarmal gestaunt, wie praktisch die Natur vieles eingerichtet hat. So ist auch die Winterruhe für Schildkröten nicht allein eine Methode, um gut über die kalte Jahreszeit zu kommen. Sie ist unverzichtbar für Wohlbefinden und Gesundheit dieser Tiere und Voraussetzung für eine artgerechte Haltung.

 

Schildkröte auf Tisch
Wo geht’s zur Winterruhe?

 

Welche Schäden drohen Schildkröten ohne Winterruhe?

Ohne regelmäßige winterliche Ruhe werden Schildkröten krank und sterben früher. Aus diesen Gründen ist die Winterruhe bei Schildkröten noch wichtig:

  • Nur mit eingehaltener Winterruhe kann der Schildkrötenpanzer gleichmäßig wachsen.
  • Die winterliche Ruhe beugt verschiedenen Krankheiten vor, beispielsweise Rachitis.
  • Zur späteren Fortpflanzung ist ausreichende Winterruhe eine Voraussetzung.
  • Winterruhe hilft, Legenot bei Schildkröten zu verhindern.

Ist es schlimm, wenn eine Schildkröte mit ihrer Winterruhe aussetzt oder sie unterbricht?

So wichtig Winterruhe für Deine Schildkröte ist und so regelmäßig Du sie jedes Jahr Winterruhe halten lassen sollst, kann auch mal ausnahmsweise darauf verzichtet werden. Dafür sollte es allerdings einen wichtigen Grund geben, der vor allem das Tier betrifft: Neben der bei einem weiblichen Tier eventuell anstehenden Eiablage sind dies vor allem Erkrankungen. Hier musst Du praktisch zwischen zwei Übeln wählen und Dich der Frage stellen: Was ist schlimmer: ein Ausfallenlassen der Winterruhe, weil Deine Schildkröte krank ist und behandelt werden muss – oder die Gefahr, dass Deine Schildkröte während der Winterruhe an ihrer Erkrankung stirbt? Die Antwort wird Dir gewiss nicht schwer fallen.

Mit Deiner erkrankten Schildkröte wirst Du ohnehin den Tierarzt aufsuchen. Je nachdem, was Deine Schildkröte hat und welche ärztliche Behandlung sie braucht, wäre zu überlegen, ob sie ihre Winterruhe etwas später antritt oder eben diesen Winter gar nicht.

Stellst Du während der Winterruhe fest, dass anscheinend etwas mit Deiner Schildkröte nicht stimmt, ist es ebenfalls ratsam, sie tierärztlich untersuchen zu lassen, statt sie bloß nicht zu stören. Das könnte schädlicher wirken, als die Unterbrechung der Winterruhe.

Wie Du gelassener der Schildkröten-Winterruhe entgegensiehst

Wirklich: Es ist viel wahrscheinlicher, dass Deine Schildkröte wohlbehalten aus ihrer Winterruhe erwacht, als dass sie dabei für immer einschläft. Lasse Dich auch nicht von anderen verrückt machen, bei denen die Schildkröte in der Winterruhe eingegangen ist. Weißt Du denn, wie gut diese Leute ihre Schildkröte darauf vorbereitet und an alles gedacht hatten? Du jedenfalls informierst Dich umfassend im Voraus und weißt, worauf es dabei ankommt.

Wenn Schildkröten ihre Winterruhe nicht überleben, hat das häufig mit einer nicht bemerkten oder unterschätzten Krankheit zu tun. Tatsächlich findet so eine Auslese in der freien Natur statt, wobei schwächere Tiere – seien es Igel, Fledermäuse, Murmeltiere, Siebenschläfer oder Landschildkröten – ihre Winterruhe nicht überleben. Immerhin ist so ein Tod gnädiger, als geschwächt einem Raubtier zum Opfer zu fallen.

Deine Schildkröte dagegen hat es richtig gut. Du kümmerst Dich um ihre Gesundheit, gehst mit ihr regelmäßig zum Tierarzt und entlässt sie in gutem Zustand in die Winterruhe. Eine hundertprozentige Garantie für das Wiederaufwachen Deines Lieblings kann Dir zwar niemand geben, doch stehen die Chancen dafür sehr gut. Wenn Du das ganze Jahr über gewissenhaft dafür sorgst, dass es Deine Schildkröte gut bei Dir hat, sie in einem gepflegten Umfeld lebt und Du ihre Gesundheit tierärztlich kontrollieren lässt, kannst Du ihrer Winterruhe entspannt entgegensehen.

Schlafen Schildkröten im Winter wirklich monatelang?

Schildkröten pausieren im Winter tatsächlich mehrere Monate. Junge Schildkröten kommen oft noch mit ein bis zwei Monaten aus. Mit zunehmendem Alter steigt der Ruhebedarf. Drei bis fünf Monate ab Oktober bis Ende März sind ein gutes Maß. Die Tiere sind nicht ununterbrochen am Schlafen, sondern in einem Starrezustand.

Was passiert während der Winterruhe von Schildkröten?

Zur Winterruhe fahren Schildkröten sozusagen ihr Betriebssystem in einen Energiesparmodus. Genaugenommen veranlasst das ihr Organismus, nicht sie selbst. Im Oktober, wenn das natürliche Tageslicht weiter schwindet, werden Schildkröten immer träger. Ihr Appetit lässt nach. Ihr Körper fährt den Stoffwechsel herunter. Ihre Herzfrequenz und Atmung sind verlangsamt. Entsprechend vermindert sich der Energiebedarf, den die Schildkröten in dieser Zeit einzig durch ihre Fettreserven decken.

Wie bereitest Du Deine Schildkröte auf die Winterruhe vor?

September ist ein guter Zeitpunkt, um Deine Schildkröte beim Tierarzt gründlich durchchecken zu lassen. Bringe dazu bitte auch Kotproben in die Praxis mit, ruhig gleich von mehreren Tagen in Folge, um sie auf eventuelle Parasiten untersuchen zu lassen.

So wichtig die Winterruhe für Schildkröten ist, sollen nur rundum gesunde Tiere überwintern. Auch wenn Deine Schildkröte Nachwuchs erwarten sollte, es also in absehbarer Zeit zur Eiablage kommen wird, gehört sie nicht in die Winterruhe.

Sechs Wochen vor dem Überwintern führst Du bei Deinem Liebling die letzte Wurmkur durch. Eine Woche vorher gibst Du kein Futter mehr. Zur Darmentleerung badest Du Deine Schildkröte kurz vorher circa 20 Minuten lang in 25 °C warmem, klarem Wasser. Einige Schildkrötenbesitzer tun dies kurz vor dem Überwintern täglich, was aber nicht nötig ist, sondern sogar ungünstig. Weil Deine Schildkröte in der Woche vor der Winterruhe kein Futter mehr erhält beziehungsweise von selbst nichts mehr zu sich nimmt, würde tägliches Baden ihren Stoffwechsel wieder anregen. Das verträgt sich nicht mehr gut mit den Fastentagen.

 

Laborgefäße
Alles gut untersucht?

 

Wann ist eine Schildkröte bereit für die Winterruhe?

Deine Schildkröte wird Dir zeigen, wenn es Zeit für ihre Winterruhe ist. Ihre Bewegungen werden langsamer. Sie frisst deutlich weniger. Gut möglich, dass sie sich in ihrem Terrarium verkriecht und dabei auch ihren Kopf ins Dunkle bringt, zum Beispiel durch Eingraben. Unterstütze sie in dieser Phase, indem Du im Terrarium die Beleuchtungsintervalle verkürzt und Wärmegeräte abschaltest. Außerdem hältst Du die Zimmertemperatur unter 18 °C.

Nun wartest Du eine bis eineinhalb Wochen ab, bis Deine Schildkröte ruhig geworden ist. Sollte sie nicht zur Ruhe gelangen, stelle sie bitte noch einmal Deinem Tierarzt vor. Oft steckt dann doch eine Erkrankung dahinter und Du musst mit dem Arzt die Lage besprechen.

So überwintert Deine Schildkröte am besten

Noch wenige Vorbereitungen, dann kannst Du Deine Schildkröte in ihr Winterlager umziehen lassen:

Gewichtskontrolle

Zu Beginn wiegst Du Deinen Liebling noch einmal und notiert Dir das Gewicht. Während der Winterruhe kontrollierst Du das Gewicht alle sechs Wochen. Auf gar keinen Fall darfst Du während der Winterruhe Futter geben. Am Ende der Winterruhe wird Deine Schildkröte rund 10 % weniger wiegen als am Anfang. Bei noch jungen Tieren kann der Gewichtsverlust 15 % betragen. Bei einer Überwinterungsdauer von drei bis fünf Monaten wirst Du also zwei- bis dreimal das Gewicht überprüfen. Sollte sich dabei ein höherer Gewichtsverlust als die erwartbaren circa 5 % zeigen, nimm Kontakt mit Deinem Tierarzt auf und unterbrich notfalls die Winterruhe für eine tierärztliche Untersuchung.

Überwinterungsbehälter

Zum Überwintern packst Du Deine Schildkröte in eine ausreichend große Kiste aus festem Material wie Holz oder Kunststoff, nicht in einen Pappkarton. Der Behälter muss Bewegungsfreiheit bieten, denn zwischendurch wird sich Dein Tier doch mal bewegen und auch herumdrehen. Die Kiste sollte daher dreimal so lang und breit wie der Schildkrötenpanzer sein. Die Schildkrötenkiste befüllst Du mit Heu. Auf den Kistenboden gibst Du Füllmaterial wie Gartenerde, Moos, Laub, unbehandelten Rindenmulch oder Schaumstoffflocken. Lasse Deine Schildkröte nicht zu trocken, aber auch nicht zu feucht überwintern. Am besten sprühst Du das Füllmaterial von Zeit zu Zeit ein wenig mit Wasser ein.

Musst Du am Überwinterungsort mit Mäusen oder Ratten rechnen, darf die Kiste Deiner Schildkröte auf keinen Fall oben offen sein. Dann musst Du sie mit einem festen Deckel verschließen, der genug Löcher oder Schlitze hat, damit Deine Schildkröte ausreichend Luft zum Atmen bekommt. Außerdem darf sich Deine Schildkröte nicht am Deckel einklemmen können.

Gut geeignete Überwinterungsorte

Für die Winterruhe Deiner Schildkröte soll die Raumtemperatur konstant zwischen 3-9 °C betragen. Wenn das auf Deinen Keller oder Dachboden zutrifft, ist er für diesen Zweck geeignet. Wichtig ist, dass der genannte Temperaturbereich dort im Winter durchgängig herrscht.

Ansonsten bietet sich der Kühlschrank zum Überwintern an. Über diesen Ort für die Winterruhe einer Schildkröte sind zunächst viele Menschen überrascht, doch gar nicht wenige Schildkrötenbesitzer machen hiervon Gebrauch. Diese Methode empfiehlt auch Andreas Mendt, der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), und nennt dabei das Gemüsefach als geeigneten Ort. Zu empfehlen ist hier als Kühlschrank außerdem ein Zweitgerät, wie es viele Menschen als seltener genutztes Ersatzgerät im Keller oder Nebenraum stehen haben. In so einem Kühlschrank hätte Deine Schildkröte dann auch mehr Ruhe. Trotzdem ist es wichtig, einmal täglich die Kühlschranktür zur Frischluftzufuhr zu öffnen.

Wichtig zu wissen: Obwohl Du ja vor dem Einleiten der Überwinterungsphase mit Deiner Schildkröte beim Tierarzt warst, bleibt ein Restrisiko für das Übertragen von Krankheitskeimen wie beispielsweise Salmonellen oder Parasiten. Während der Winterruhe sollte also das Gemüsefach Deiner Schildkröte ganz allein gehören: weil es hygienischer ist und weil sie so ungestört bleibt. Vergiss dabei aber nicht, das Fach regelmäßig zur Frischluftzufuhr ein wenig herauszuziehen. Nach Beendigung der Winterruhe wäschst Du das Gemüsefach natürlich gründlich aus, bevor Du wieder Nahrungsmittel darin verstaust.

Keine guten Überwinterungsorte

Nicht zu empfehlen ist das Überwintern Deiner Schildkröte im Freien. Klar, in der Natur bleibt den Tieren kaum etwas anderes übrig. Sie sind dabei aber Gefahren ausgesetzt, die Du Deinem Liebling zum Glück ersparen kannst. Vor allem Tiere wie Ratten oder Marder könnten Dein Tier als Leckerbissen entdecken. Außerdem sind die Temperaturverhältnisse in Mitteleuropa draußen zu unbeständig. Einerseits drohen lebensgefährliche Frostschäden, andererseits wurden in extrem milden Wintern schon im Januar frühlingshafte Temperaturen erreicht. Aus diesem Grund sind auch Garagen oder Balkone als Überwinterungsorte für Schildkröten kaum geeignet.

 

Schildkröte in Natur
Hallo Frühling! Hallo Welt!

 

Ende der Winterruhe: Was ist jetzt zu tun?

Spätestens, wenn Deine Schildkröte von selbst erwacht und munter wird, ist ihre Winterruhe beendet. Du kannst aber auch selbst das Überwinterungsende einleiten. Dafür bringst Du sie in ihrem Behälter in einen Raum von etwa 20-22 °C Temperatur. Eine bisher noch ruhende Schildkröte wird sich nun allmählich bewegen und munterer werden. Wenn Du einen Garten hast und das Wetter mitspielt, lasse Deinen Liebling ruhig unter Aufsicht seine ersten Schritte in einem Frühbeet oder auf dem Rasen tun, vorausgesetzt, Deine Schildkröte ist schon kurz nach dem Aufwachen so unternehmungslustig. Es kann auch gut sein, dass sie es nach Schildkrötenart lieber gemächlich angeht und sich lieber in ihrem Terrarium verkriecht.

Beim Auswintern badest Du Deine Schildkröte wieder in 25° Celsius warmem, klarem Wasser. Sie wird dabei viel Wasser trinken, was sie jetzt auch dringend braucht. Danach setzt Du sie ins Terrarium und schaltest darin die Beleuchtung ein. Natürlich bekommt sie jetzt auch frisches Futter, wobei es gut sein kann, dass sie die ersten Tage kaum frisst. Das ist aber kein Grund zur Sorge, sondern völlig normal.

Ein- bis zweimal pro Woche solltest Du Deine Schildkröte 20 Minuten lang in rund 25 °C warmem Wasser ohne Zusätze baden. Das erleichtert ihr die Umstellung von der Winter- auf die Sommerphase, indem es unter anderem den Verdauungsprozess und Wärmehaushalt ankurbelt.

Anmerkung

Der Artikel soll über die Wichtigkeit und das Durchführen der Winterruhe von Landschildkröten informieren, aber nicht die Beratung und Behandlung eines Tierarztes ersetzen.

Kurz gesagt

Gerade wer noch nicht so viel Erfahrung mit Schildkröten hat, fürchtet oft die Zeit der Winterruhe bei Schildkröten. Es ist dazu sehr wichtig, sich hierüber rechtzeitig im Voraus genau zu informieren. Dabei wird klar, dass es zwar einiges zu beachten gibt, was sich aber leichter befolgen lässt, als zunächst gedacht. Ganz wichtig: Während der Winterruhe muss der Schildkrötenbesitzer regelmäßig nach seinem Tier sehen, ohne es dabei jedoch zu stören. Sollte etwas ungewöhnlich wirken, muss der Tierarzt kontaktiert werden.

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