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Überversichert? Welche Versicherungen muss man haben?

von Lieselotte Wever
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jemand ist grade dabei auf eine Bananenschale zu treten mit dem Schuh

Es heißt, die Deutschen seien überversichert. Bestimmt hast Du das schon gehört. Wir sagen Dir: Stimmt! Viele Menschen in Deutschland haben ein überdurchschnittliches Bedürfnis nach Sicherheit. Sie wissen zwar, dass man Risiken und ihre möglichen Folgen nicht völlig ausschließen kann. Gegen die finanziellen Schäden möchten sie sich aber möglichst umfassend absichern. Das tun sie – oft mehr als nötig.

Sind Versicherungen alle überflüssig? Oder doch nicht?

Neben überflüssigen Versicherungen gibt es wiederum welche, auf die Du auf gar keinen Fall verzichten solltest. Es handelt sich um jene Versicherungen, die existenzbedrohende Risiken finanziell absichern.

Versicherungsprämien: gute Investition?

Bei Lebensversicherungen ist die Frage angebracht, inwieweit sich die Versicherungsprämien später rechnen. Hier gibt es einen Fälligkeitstermin, zu dem das aufgebaute Kapital oder ein vereinbarter Betrag ausgezahlt werden: am Ende der Laufzeit oder bei vorher eintretendem Todesfall des Versicherungsnehmers. Lebensversicherungen stellen also Kapitalanlagen dar, die indes durch inzwischen magere Verzinsung an Bedeutung verloren haben und sogar als unattraktiv gelten.

Andere Versicherungsarten stellen einen Risikoschutz dar. Hier zahlt eine Versicherung für eingetretene Schäden, sofern sie mit den Vertragsbedingungen vereinbar sind. Beim Abschluss von Versicherungen lies daher unbedingt das Kleingedruckte sorgfältig durch.

Es ist also gar nicht selten, dass jemand jahrzehntelang Beiträge für seine Versicherungen entrichtet und niemals einen versicherungsbezogenen Schaden erleidet, folglich auch nichts „zurückerhält“. So solltest Du aber nicht denken. Freue Dich lieber, wenn ein solcher Schaden niemals bei Dir eintritt. Es geht dabei schließlich nicht allein ums Geld, sondern um weitere Beeinträchtigungen, womöglich lebenslang. Mit den richtigen abgeschlossenen Versicherungen hast Du das beruhigende Gefühl, notfalls finanziell abgesichert zu sein und nicht Deine wirtschaftliche Existenz aufs Spiel zu setzen. So gesehen sind Versicherungsprämien in der Tat eine gute Investition.

Welche Versicherungen jeder haben muss

Absolut unverzichtbar sind diese Versicherungen:

1. Krankenversicherung

Für viele Menschen ist die Krankenversicherung selbstverständlich. Angestellte sind quasi automatisch krankenversichert und entrichten ihre Beiträge über die Sozialversicherungsabgaben. Meistens sind sie gesetzlich krankenversichert, bei höherem Einkommen können sie eine private Krankenversicherung abschließen. Selbstständige und Beamte können unabhängig vom Einkommen zwischen einem gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungsschutz wählen. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind Kinder beitragsfrei mitversichert.

Krankenversicherungen übernehmen die meisten Kosten für medizinische Leistungen. Für Leistungen wie bestimmte Untersuchungen, bei Krankenhausaufenthalten oder Reha-Maßnahmen verlangen gesetzliche Krankenkassen Zuzahlungen. Bei privaten Krankenversicherungen gibt es unterschiedliche Vertragsformen, zum Beispiel ohne und mit Selbstbehalt in verschiedenen Höhen.

Gerade schwere und langwierige Erkrankungen, komplizierte Operationen oder Invalidität verursachen Kosten, die einen Menschen ohne Krankenversicherung finanziell ruinieren können. Im schlimmsten Fall müsste er früher sterben, wenn er beziehungsweise seine Angehörigen eine teure lebensnotwendige Behandlung nicht bezahlen können. Auch wenn in Deutschland im finanziellen Notfall Sozialleistungen beantragt werden können, decken diese viele medizinische Behandlungsformen nicht ab.

Die gesetzliche Krankenversicherung springt außerdem mit der – zeitlich begrenzten – Zahlung von Krankengeld ein, wenn bei längerer Erkrankung die Lohnfortzahlungsfrist abgelaufen ist. Bei privaten Krankenversicherungen können Versicherte einen entsprechenden Versicherungsschutz individuell vereinbaren.

2. Rentenversicherung

Ebenfalls ein Muss ist die Rentenversicherung. Im Angestelltenarbeitsverhältnis bist Du in der Deutschen Rentenversicherung pflichtversichert. Deine Beiträge gehen über die Sozialversicherungsabgaben von Deinem Gehalt an die Deutsche Rentenversicherung. Auch Selbstständigen ist eine Mitgliedschaft in der Deutschen Rentenversicherung zu empfehlen. Diese Altersversorgung ist besser als ihr Ruf. Zwar ist die Höhe der Rentenauszahlungen inzwischen stark gesunken. Hierzu musst Du aber wissen, dass das gesetzliche Rentensystem umlagefinanziert ist und vor Kapitalverlust durch Hyperinflation oder Währungsreform schützt. Man weiß ja nie. Deine Altersversorgung kannst Du um eine private Rentenversicherung ergänzen.

Selbst wenn Du noch jung bist, solltest Du Dir Gedanken um Deine spätere Rentenversicherung machen. In mittleren Lebensjahren sind bereits viele Chancen zur Rentenoptimierung verpasst. Wer jetzt noch Zusatzversicherungen abschließt, zahlt deutlich höhere Prämien als beim Abschluss in jungen Jahren. Außerdem baust Du so Deine späteren Rentenansprüche über einen längeren Zeitraum auf. Besser als gar nichts zu tun ist es, zunächst mit niedrigen Einzahlungen zu starten, die Du über die Jahre allmählich erhöhst.

3. Haftpflichtversicherung

Die braucht wirklich jeder: eine Privathaftpflichtversicherung. Selbst Kinder brauchen sie und sind meistens bis zu ihrem Ausbildungs- beziehungsweise Studienende über den elterlichen Vertrag mitversichert. Eine private Haftpflichtversicherung deckt mit relativ niedrigen Beiträgen Risikosummen bis in Millionenhöhe ab.

Stell Dir vor, Du bist eingeladen und wirfst aus Versehen eine wertvolle Porzellanfigur herunter. Oder Du bist als Fußgänger abgelenkt und verursachst einen Auffahrunfall. In solchen und vielen weiteren Fällen, in denen Du anderen unbeabsichtigt einen Schaden zufügst, bist Du schadenersatzpflichtig. Das kann sehr teuer werden. Bist Du haftpflichtversichert, springt Deine Versicherung ein bis zur vereinbarten Höchstsumme der Erstattung. Voraussetzung ist jedoch, dass kein Vorsatz vorlag.

4. Hausratversicherung

Eine Hausratversicherung zählt ebenfalls zu den Versicherungen, die Du unbedingt abschließen solltest. Sowie Deine Wohnungseinrichtung und übriger Hausrat einen gewissen Wert erreicht haben, verzichte besser nicht darauf. Sie kommt für durch Einbruch, Wasserschaden oder Brand verursachte Schäden Deines Wohnungsinventars auf. Außerdem übernimmt sie eventuelle Aufräumungs- und Hotelkosten.

Lege beim Vertragsabschluss eine realistische Versicherungssumme zugrunde anstatt wegen eines niedrigeren Versicherungsbeitrags zu knausern. Bei Unterversicherung erhältst Du nämlich im Schadenfall nur einen Teil erstattet. Die Beiträge hängen neben dem Versicherungswert von der Wohnungsgröße ab sowie der Einbruchsstatistik Deines Wohnorts.

In vielen Hausratversicherungen ist eine Gepäckversicherung für Auslandsreisen enthalten oder lässt sich dazubuchen. Ebenso kannst Du Deine Hausratversicherung oft mit einer Fahrradversicherung kombinieren.

5. Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung möchten wir Dir ebenfalls dringend ans Herz legen. Je früher im Leben Du sie abschließt, idealerweise schon in der Ausbildung, desto günstiger ist der Prämientarif. In späteren Lebensjahren steigen die Beiträge erheblich. Bei inzwischen aufgetretenen chronischen Erkrankungen ist die Berufsunfähigkeitsversicherung außerdem oft besonders teuer oder nicht mehr abschließbar.

Die Berufsunfähigkeit ist von der Erwerbsunfähigkeit zu unterscheiden. Vor allem rentenrechtlich spielen die beiden Begriffe eine entscheidende Rolle:

  • Bei Berufsunfähigkeit ist jemand meistens noch in der Lage, einen Beruf auszuüben. Er kann aus gesundheitlichen Gründen nur nicht mehr in seinem bisherigen Beruf arbeiten.
  • Erwerbsunfähigkeit liegt vor, wenn jemand nur noch unter 3 Stunden täglich irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen kann.

Die gesetzliche Rentenversicherung springt nur bei Erwerbsunfähigkeit ein, ebenso private Erwerbsunfähigkeitsversicherungen. Bei Berufsunfähigkeit gibt es praktisch keine gesetzliche Rente mehr außer noch auslaufend bei einigen rentennahen Jahrgängen. Stattdessen wird die Deutsche Rentenversicherung bei Berufsunfähigkeit von Dir verlangen, in einem anderen Beruf zu arbeiten, dem Du gesundheitlich noch nachgehen kannst. Dabei darf es sich auch um eine schlechter vergütete Tätigkeit und unterhalb Deiner beruflichen Qualifikation handeln.

Indem Du eine ausdrücklich als Berufsunfähigkeitsversicherung ausgewiesene Versicherung abschließt, brauchst Du Dich nicht in eine Dir fremde berufliche Tätigkeit verweisen zu lassen. Für die Berufsunfähigkeitsversicherung stehen Dir unterschiedliche Tarife zur Verfügung. Neben dem versicherten Grad der Berufsunfähigkeit ist auch die gewünschte Höhe der Berufsunfähigkeitsrente entscheidend für die Beitragsprämien.

Auch bei Erwerbsunfähigkeit ist für Dich die Berufsunfähigkeitsversicherung von Vorteil. Du sicherst mit ihr im Bedarfsfall Deinen gewohnten Lebensstandard finanziell ab. Denn die von der Deutschen Rentenversicherung gezahlte Erwerbsunfähigkeitsrente liegt erheblich unter Deinen bisherigen Einkünften.

6. Kfz-Versicherungen

Bist Du Kfz-Halter, benötigst Du unbedingt eine Kfz-Haftpflichtversicherung und einen Verkehrsrechtsschutz, denn als Autofahrer kannst Du unbeabsichtigt anderen einen Schaden zufügen oder in einen Rechtsstreit verwickelt werden.

Empfehlenswerte Zusatzversicherungen für die Krankenversicherung

Mit unseren Versicherungsempfehlungen bist Du gut gegen die finanziellen Folgen vielfältiger Risiken abgesichert, die Dich sonst sehr viel Geld kosten können. Vor allem die teilweise eingeschränkte gesetzliche Krankenversicherung kannst Du mit zwei weiteren Versicherungsarten aufstocken: der Krankenzusatzversicherung und der Zahnzusatzversicherung. Hier spielt Dein persönlicher Gesundheitszustand mit hinein und was Dir wichtig ist. Vielleicht hast Du schon mehrmals beim Zahnarzt für den Eigenanteil an bestimmten Maßnahmen für Zahnerhalt oder Zahnersatz kräftig gelöhnt. Dann rechnet sich wahrscheinlich eine Zahnzusatzversicherung für Dich. Mit der Krankenzusatzversicherung kannst Du zum Beispiel im Krankenhaus Leistungen beanspruchen, wie sie sonst Privatversicherten vorbehalten sind – wie Einbettzimmer oder Chefarztbehandlung.

Kurz gesagt

Gegen die vielseitigen Risiken des Lebens kannst Du Dich nicht versichern, wohl aber gegen die finanziellen Folgen. Dabei solltest Du Deine Versicherungen sorgsam auswählen, denn alle Angebote benötigst Du nicht. Manche Schäden lassen sich sehr gut aus eigener Tasche bezahlen und sind unterm Strich günstiger als ständige Versicherungsbeiträge. Handy-, Brillen- und Sterbegeldversicherungen sind beispielsweise überflüssige Versicherungen. Unbedingt haben solltest Du dagegen alle Versicherungen, die, wie in unserem Artikel beschrieben, ein unkalkulierbares und möglicherweise ruinöses finanzielles Schadenrisiko abdecken.

 

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