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Fickt euch – Ist doch nur Sex: Interview mit Kristina Weitkamp

von Thorben Grünewälder
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Moderatorin

Inhaltsverzeichnis

Die Wahrheit über Pornos, das Sexleben als Single und Intimhygiene für Jungs: Auf YouTube spricht Kristina Weitkamp über Liebe, Sex und Masturbation. „Fickt euch – Ist doch nur Sex“ lautet der Titel ihres Formates, das von MDR SPUTNIK für FUNK produziert wird, dem Contentnetzwerk für 14- bis 29-Jährige von ARD und ZDF. Wir haben die gebürtige Bielefelderin zum Interview getroffen.

Moderatorin Kristina Weitkamp

Auf YouTube spricht Kristina über Sex, Dates und Liebe. – Foto: © Joachim Blobel

„Pornos sind kein Tutorial“: Aufklärung im Auftrag von ARD und ZDF

Liebe Kristina, Du hast bereits für verschiedene Tageszeitungen und Blogs gearbeitet. Erzähl uns bitte, wie Du zu Deinem aktuellen Projekt gekommen bist.

Ich habe mit Arbeitskollegen während meines Jobs in einer Videoproduktionsfirma 2013 ein Youtube-Projekt für junge Leute gestartet. Wir hatten verschiedene Kanäle zu verschiedenen Themen, wie zum Beispiel Games, aber eben auch Sexualität – das Thema meines Kanals. Das Projekt lief eher so nebenbei, hatte aber Ende 2015 immerhin knapp 25.000 Abonnenten und 7,5 Millionen Aufrufe.

Da ich den Job gewechselt habe, wurde der Kanal nicht weiter bespielt. Im Sommer 2016 kamen dann die Leute von MDR SPUTNIK auf mich zu. Sie wollten ein Aufklärungsformat für FUNK produzieren. Als sie mich fragten, ob ich mir vorstellen kann, es zu moderieren, hab ich natürlich sofort „Ja“ gesagt! Ich mache das Projekt aber nicht hauptberuflich, sondern arbeite auch noch in einer Hamburger Digitalagentur.

Hier stellt Kristina ihren YouTube-Kanal vor

Du sprichst sehr offen über Themen, die vielen Jugendlichen unangenehm oder peinlich sind. Meinst Du, dass die junge Generation heute schlechter aufgeklärt ist als die Generation ihrer Eltern?

Hm. Das kann ich nicht beurteilen, ob sie „besser“ oder „schlechter“ aufgeklärt sind. Fakt ist, die Jugendlichen heute sind viel stärker mit dem Thema Sexualität konfrontiert als zum Beispiel unsere Eltern. Einfach durch das Internet, durch die Medien, durch Werbung… Sex ist irgendwie allgegenwärtig.

Das kann auch überfordern. Nie konnte man so leicht an Informationen kommen, wie jetzt. Schwierig ist es, dass es einfach so viele Informationen sind und es schwierig ist, zu filtern, welche Informationen relevant sind und welche vielleicht sogar falsch.

Hier möchte ich gerne eine Art Ansprechpartner sein, auf den man sich verlassen kann. Und ich würde auch gerne Lehrer oder Eltern dazu ermutigen, offener mit ihren Kindern zu reden oder ihnen zumindest das Gefühl zu geben, dass sie offen für diese Themen sind. Aber ich glaube, es wird immer Themen geben, die man nicht mit seinen Eltern besprechen möchte. Und da kann es hilfreich sein, für sich alleine ein Video anzuschauen.

In einigen Deiner Videos berichtest Du auch über Deine eigenen sexuellen Erfahrungen und über misslungene Dates. Wie waren die Reaktionen aus Deiner Familie und bei Deinen Freunden? Gab es da auch negative Stimmen?

Natürlich waren Freunde und Familie erstmal überrascht. Ist ja schon eher eine etwas ungewöhnliche Tätigkeit. Wir haben viel darüber geredet und alle fanden es super und unterstützen mich. Wieso auch nicht? Aus meinem persönlichen Umfeld kamen keine negativen Stimmen.

Heute posten viele Jugendliche sexy Selfies auf Instagram und Facebook, haben aber kaum echte sexuelle Erfahrung. Sind Teenies heute oberflächlicher und ahnungsloser als früher?

Das ist auch etwas, was ich nicht objektiv beurteilen kann. Ich bin ja keine Pädagogin oder Sexualtherapeutin und habe die Entwicklung nicht auf einem wissenschaftlichen beziehungsweise sozial-empirischen Weg begleitet. Mein Gefühl ist, dass sie heute denken, alles zu wissen, weil sie schon so vieles gesehen haben. Aber wirkliches Wissen entsteht ja erst durch die eigene Erfahrung.

Tinder und andere Dating-Portale haben den Ruf, sich nur für User mit Lust auf eine schnelle Nummer zu eignen. Ist das ein Vorurteil und dann auch nur in der älteren Generation?

Hier kann ich nur aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen. Auf jeden Fall ist es einfach, über Tinder Sexpartner zu finden. Gleichzeitig kenne ich viele Paare, die durch Tinder zusammengefunden haben. Auf der einen Seite glaube ich nicht, dass es über Tinder leichter oder schwieriger ist, wirklich einen festen Partner zu finden. Wenn ich mich mit jemandem treffen, den ich in einer Bar kennenlerne, weiß ich ja vorher auch nicht, ob er nicht nur mit mir ins Bett will.

Es ist einfach immer irgendwie Glück, jemanden zu finden, der zu diesem Zeitpunkt genau dasselbe will, wie man selbst. Sei es nun die große Liebe oder „nur“ Sex.

Auf der anderen Seite habe ich schon das Gefühl, dass es durch Apps wie Tinder schwieriger wird, sich festzulegen. Weil das Angebot einfach so groß ist und es könnte ja immer noch jemand „Besseres“ kommen. Ich finde Dating jedenfalls spannend, aber auch anstrengend. Man denkt so viel nach, interpretiert, traut sich nicht, zu sagen, dass man den anderen mag weil man ihn auch nicht unter Druck setzen will. Aber ich glaube, das war auch vor Tinder so.

Das hat sicher auch was mit dem Alter und den Erfahrungen, die man gesammelt hat, zu tun. Mit Ende 20 haben die meisten schon mindestens eine längere Beziehung hinter sich. Dementsprechend treffen zwei Menschen mit einem Rucksack an Ängsten, Erfahrungen, Sehnsüchten aufeinander. Das ist nicht mehr so einfach, wie bei den ersten Dates, an die man ganz unbefangen geht. Wie jüngere Menschen Tinder nutzen, weiß ich allerdings nicht. Aber gute Anregung, ich werde mal nachforschen!

Moderatorin Kristina Weitkamp

Unterhaltsam und lehrreich: Authentizität ist wichtig für Kristina. – Foto: © Joachim Blobel

Heute machen wir uns gerne über Klassiker aus der Bravo lustig. „Kann ich von einem Kuss schwanger werden“ ist so eine typische Frage, die das Dr. Sommer-Team beantworten musste. Dich erreichen auch viele Fragen. Mit welchen Fragen hättest Du in unserer heutigen, angeblich so aufgeklärten Zeit nicht mehr gerechnet?

Es gibt eigentlich nichts, womit ich nicht gerechnet habe. Ich freue mich über jede Frage, die ich beantworten kann, ich kategorisiere da nicht. Und wie gesagt – nur weil Infos über Sex leichter verfügbar sind, heißt es nicht, dass man automatisch aufgeklärter ist.

Wie hast Du Dich selbst als Jugendliche über Liebe, Sex und Dating informiert? Und wie wichtig ist Deiner Meinung nach das klassische Aufklärungsgespräch durch die Eltern?

Ich wurde ehrlich gesagt nie von meinen Eltern aufgeklärt. Das Thema Sex war bei uns tabu. Und in der Schule war es sehr auf die reine Fortpflanzung reduziert. Lust und Spaß waren da nie Thema. Ich glaube, ich habe mich durchs Ausprobieren aufgeklärt. Ja, und ein wenig Bravo.

Aber es hat lange gedauert, bis ich wirklich Spaß am Sex haben konnte. Erst seitdem ich den YouTube-Kanal betreibe, fühle ich mich wirklich aufgeklärt, weil ich mich so viel mehr mit dem Thema beschäftige. Und weil ich mich jetzt auch traue, darüber zu reden und Fragen zu stellen. Das würde ich gerne weitergeben.

Dennoch können meine Videos nicht die Aufklärung durch die Eltern ersetzen, das ist überhaupt nicht mein Ziel. Aber vielleicht können meine Videos ein Stück weit der Opener für ein solches Gespräch sein. Ich glaube, Aufklärungsunterricht in der Schule ist einfach nicht zeitgemäß. Da muss noch viel passieren.

Wer vor 20 Jahren einen Porno schauen wollte, musste in eine Videothek gehen oder verschämt am Kiosk ein Erotikmagazin kaufen. Heute sind Pornos dank des Internets überall frei verfügbar. Was für einen Einfluss, hat das Deiner Meinung nach auf das Sexleben von Jugendlichen?

Ich stelle es mir schwierig vor, wenn ich ein junger Mensch bin, der seine erste sexuellen Erfahrungen durch Pornos macht. Weil, woher soll er wissen, dass das so nicht der Realität entspricht? Pornos vermitteln sehr klare Körper- und Rollenbilder. Und sie vermitteln, dass manche Praktiken wie etwa Analsex, einfach dazugehören.

Das setzt natürlich enorm unter Druck. Wenn man nicht abstrahieren kann, dass das Schauspiel ist, ist es für die eigene Sexualität schwierig. Darum bin ich dafür, erst die eigene Sexualität zu entdecken und dann die in Pornos.

Was konkret ist denn an Pornos so schlimm? Und wie sollten sich Jugendliche stattdessen informieren?

Ich habe nichts gegen Pornos. Aber, wie gesagt, vermitteln sie einen relativ extremen Eindruck von Sexualität.

Man hat nicht immer einen Orgasmus, manchmal bekommt man keine Erektion und manchmal will man auch nur in der Missionarsstellung miteinander schlafen. Das ist ganz normal, wird in Pornos natürlich nicht gezeigt, was auch okay ist. Aber man muss es wissen. Jugendliche sollten vor allem über das Thema Verhütung von Eltern und Schule aufgeklärt werden. Rechtzeitig.

Was einem selber gefällt, erfährt man durchs Ausprobieren. Und wenn sie meine Videos gucken, freut es mich natürlich auch. Aber, wie gesagt, will ich kein Ersatz sein, sondern eine Ergänzung.

Schaut man sich heute eine durchschnittliche TV-Serie oder einen Kinofilm an, könnte man denken, dass Selbstbefriedigung für die meisten völlig normal und selbstverständlich ist. Ist das ein Trugschluss?

Ich weiß nicht? Selbstbefriedigung sollte völlig normal und selbstverständlich sein.

Gibt es eine bestimmte Zielgruppe, von der Du besonders häufig Fragen erhältst? Sind Mädchen hier schüchterner oder eher die Jungs?

Das kann ich so nicht sagen. Da man sich ja auch anonym an mich wenden kann, ist die Hemmschwelle schon geringer. Vielleicht sind es ein paar mehr Jungs, aber es ist insgesamt schon sehr ausgeglichen.

Du redest auch über HIV und Aids. Hast Du das Gefühl, dass hier zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet wird?

Ja. Ich glaube, die Angst vor HIV hat abgenommen. Weil es mittlerweile echt gute Medikamente gibt und man mit HIV ein relativ normales Leben führen kann. AIDS bricht immer seltener aus. Das ist gefährlich, weil es immer noch eine unheilbare Krankheit ist. Und davon abgesehen gibt es ja noch viel mehr Geschlechtskrankheiten.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer bei ungeschütztem Sex viel mehr Angst davor haben, dass die Frau schwanger wird, als dass sie sich eine Geschlechtskrankheit einfangen.

Welcher Mythos über Sex nervt Dich selbst am meisten?

Mich nervt es, dass Sex häufig noch als „Schmuddelkram“ bezeichnet wird. Sex macht Spaß, ist gesund und absolut nichts, wofür man sich schämen muss.

Welche Themen möchtest Du in Deinen Videos unbedingt noch besprechen? Gibt es da etwas, das Dir besonders unter den Nägeln brennt?

Ich möchte in Zukunft auf jeden Fall noch mehr auf die sexuelle Vielfalt jenseits von „Mann liebt Frau im eigenen Schlafzimmer“ eingehen.

Liebe Kristina. Wir danken Dir ganz herzlich für das tolle Interview und wünschen Dir viel Erfolg bei Deinen weiteren Projekten!

 

Bleib in Kontakt mit Kristina

Kristina Weitkamp spricht aus, was andere nicht einmal zu denken wagen. Informiere Dich und bleibe auf dem Laufenden. Ihre Videos findest Du auf Kristinas YouTube-Channel. Werde Fan bei Facebook, folge ihr bei Twitter und auf Instagram. Es lohnt sich!

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