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Meine Kollegen ignorieren mich – Ist das schon Mobbing?

von Lieselotte Wever
2 Kommentare
mehrere Spielfiguren links, eine alleine rechts

Wenn Mitarbeiter einen Kollegen am Arbeitsplatz ignorieren, handelt es sich dann schon um Mobbing? Ab wann beginnt Mobbing? Wir sagen es Dir in diesem Artikel.

Konflikte am Arbeitsplatz: normal oder Mobbing?

Es ist normal, dass es am Arbeitsplatz unter Kollegen auch mal zu Konflikten kommt. Unterschiedliche Meinungen können dabei schließlich in einen wütenden Streit münden. Manchmal stören jemanden Eigenschaften oder Verhaltensweisen an seinem Kollegen. Er lässt sich darüber aus, und der Kollege reagiert beleidigt. Weit verbreitet ist außerdem das Schlechtmachen von Kollegen.

Eher das Gegenteil dieser Konflikte ist das Ignorieren. Durch Ignorieren grenzen Mitarbeiter einen Kollegen aus. Sie signalisieren, dass sie sich nicht für ihn interessieren und er nicht zu ihnen gehört. Ist das schon Mobbing?

Ist Ignorieren bereits Mobbing?

Ob Ignorieren bereits Mobbing darstellt, lässt sich nicht so einfach pauschal beantworten. Zunächst ist zu klären, ab wann Mobbing überhaupt beginnt. Der Begriff „Mobbing“ wird häufig zu großzügig verwendet. Außerdem kommt es beim Ignorieren auf das Ausmaß an, inwieweit der Betroffene darunter leidet, wie die sozialen Strukturen an seinem Arbeitsplatz sind und wie sein Arbeitsumfeld aussieht. Hat er zum Beispiel kaum mit den ihn weitgehend ignorierenden Kollegen zu tun und gibt es genug angenehme Kollegen, lässt sich so ein Verhalten leichter ertragen.

Ab wann beginnt Mobbing am Arbeitsplatz?

Grundsätzlich ist für Mobbing festzustellen, dass es sich dabei um gegen einen Menschen gerichtete Handlungen über einen längeren Zeitraum handelt, nicht um wenige Momente oder gar nur eine einmalige Begebenheit. Mobbing dauert mindestens mehrere Wochen, meistens Monate oder sogar Jahre an. Mindestens einmal pro Woche, fast immer aber deutlich häufiger, finden dabei Mobbingaktionen statt.

Bei Mobbing am Arbeitsplatz üben mehrere Mitarbeiter systematisch gegen einen Kollegen gerichtete Mobbinghandlungen aus. Neben Haupttätern gibt es dabei oft Mitläufer. Diese machen teils aus Gedankenlosigkeit oder primitiver Freude an den Aktionen mit, teils aber auch aus der Furcht heraus, andernfalls selbst gemobbt zu werden.

Typische Mobbinghandlungen am Arbeitsplatz

In unserer Aufstellung zeigen wir Dir, welche Begebenheiten am Arbeitsplatz als typische Mobbinghandlungen anzusehen sind:

  • Kollegen schlecht machen
  • Verbreiten von Gerüchten bis zu übler Nachrede und Verleumdung
  • Beleidigungen
  • sexuelle Belästigungen
  • ständiges ungerechtfertigtes Kritisieren der Arbeitsleistung
  • Zuweisen unterfordernder, überfordernder, unbeliebter oder sinnloser Tätigkeiten
  • Beauftragen mit gesundheitsschädlichen Arbeiten
  • Verweigern jeglichen Kontakts: sozial wie räumlich
  • angedrohte oder ausgeführte körperliche Gewalt

Mobbing durch Kontaktverweigerung

In der Aufstellung findest Du unter anderem „Verweigern jeglichen Kontakts“, was das Ignorieren als soziale Kontaktverweigerung einschließt. Diese Variante der Kontaktverweigerung ist beim Mobbing beliebt.

Bei der sozialen Kontaktverweigerung lassen Kollegen entweder jemanden kaum zu Wort kommen oder ausreden, oder aber sie behandeln ihn wie Luft. Sie ignorieren ihn völlig, wobei sie auch keinen Blickkontakt mehr herstellen.

Beim räumlichen Kontaktverweigern wird ein Kollege allein in einen Raum versetzt. Besonders gern wird dabei ein Raum genommen, der möglichst weit abgelegen ist, eventuell sogar in einem Gebäudeteil mit ansonsten wenig von weiteren Menschen genutzten Arbeitsräumen – zum Beispiel im Keller oder einem Lagertrakt. Dann merkt man es diesem Raum auch an, dass er schon länger nicht mehr genutzt wurde, so verstaubt und muffig, wie er ist.

Warum ignoriert zu werden so belastend ist

Die meisten Menschen sind soziale Wesen und fühlen sich zu mehreren am wohlsten. Das müssen nicht zwingend viele sein, aber immer ganz allein ist kaum jemand gern. Im Zusammensein mit anderen Menschen spielt besonders der Austausch miteinander eine bedeutende Rolle. In Gesellschaft sein, sich unterhalten können und gemeinsam die Arbeitsleistung erbringen ist vielen Menschen wichtiger als in einem Einzelbüro zu sitzen.

Die Angst davor, aus einer Gruppe ausgestoßen zu werden, ist eine uralte Furcht. Sie stammt aus ferner Zeit, als Menschen noch in steinzeitlichen Clans lebten. Wer dort in Ungnade fiel und verstoßen wurde, war allein kaum überlebensfähig. Bis heute wirkt diese Urangst fort, wenn jemand ignoriert und ausgegrenzt wird.

Darum ist Ignorieren Mobbing

Wenn Dich also Deine Kollegen ignorieren, ist dies als Mobbing zu werten. Mobbing macht auf Dauer krank. Isolation durch Kollegen wirkt wie eine körperliche Verletzung. Dabei trägst Du Deine Verletzungen nicht außen sichtbar, sondern innen.

Bei fortgesetztem Ignorieren durch Deine Kollegen wirst Du schon morgens mit Unbehagen oder sogar Magenschmerzen zur Arbeit fahren. Am Arbeitsplatz wird Dein Unwohlsein zunehmen. Es fällt Dir schwer, Dich auf Deine Arbeit zu konzentrieren. Du vergisst leichter etwas oder machst Fehler. Seltsam: Dann wirst Du auf einmal kritisiert und somit beachtet. Aber sonst wollen Deine Kollegen ganz offensichtlich nichts mit Dir zu tun haben, obwohl Du nichts verbrochen hast. Nicht einmal zu wissen, warum Du beharrlich ausgegrenzt wirst, irritiert und schmerzt zusätzlich.

Krank durch ignorierendes Mobbing

Da ständiges Ignoriertwerden allmählich krank macht, ist es völlig in Ordnung, wenn Du deswegen einen Arzt aufsuchst. Erster Ansprechpartner ist dabei Dein Hausarzt. Du bist nicht der Einzige, der wegen Mobbings zum Arzt geht. Inzwischen sind die meisten Ärzte über dieses Phänomen gut informiert. Es ist möglich, dass Dich Dein Arzt erst einmal krankschreibt. In dieser Auszeit kannst Du Dich von Deinem belastenden Arbeitsalltag erholen und neue Kraft aufbauen.

Vielleicht schlägt Dir Dein Arzt auch eine psychotherapeutische Behandlung vor. Versprich Dir jedoch nicht zu viel davon. Zwar wirst Du einiges über zwischenmenschliche Prozesse und auch über Dich selbst erfahren. Deine ignoranten Kollegen jedoch durchlaufen keine Therapie und werden ihr Verhalten voraussichtlich nicht ändern.

Lässt sich das Ignorieren am Arbeitsplatz stoppen?

Wir empfehlen Dir, an Deinem Arbeitsplatz ein Gespräch mit Deinen Kollegen und dem Vorgesetzten zu suchen. Auch wenn Ignorieren ohne erkennbaren Grund daneben ist, solltest Du versuchen, die Motive Deiner Kollegen herauszufinden. Damit hast Du Deinen guten Willen bewiesen und das Thema überhaupt angesprochen. Es kann sein, dass das Ignorieren von Kollegen in dieser Abteilung bereits häufiger vorkam. Damit bestünde die Chance, dass der Vorgesetzte endlich genug hat von so einem Verhalten im Kollegenkreis und entsprechend handelt.

Wenn möglich, lässt Du Dich am besten in eine andere Abteilung mit hoffentlich umgänglicheren Kollegen versetzen. Es ist zwar nicht schön, aber erfahrungsgemäß hat ihr unsoziales Verhalten für die Mobber selbst selten Konsequenzen. Gehen muss fast immer der Gemobbte – in diesem Fall der Ignorierte. Es kann auch bedeuten, dass Du in einem Unternehmen kündigst und es hoffentlich woanders besser triffst. Deine Gesundheit und Lebensfreude sollten Dir das wert sein

Kurz gesagt

Mobbing hat viele Facetten. Eine davon ist das Ignorieren eines Kollegen am Arbeitsplatz ohne erkennbaren Grund. Gezielte Isolation von einer für Dich wichtigen Gruppe Menschen alarmiert uralte Instinkte. Vom Verstand her magst Du Dir sagen, dass Dich halt einige Kollegen nicht mögen. Du weißt schließlich, dass Du hier zum Arbeiten bist und nicht auf einer Kennenlern-Party. Deine Gefühle aber sind stärker: Verwirrung, Niedergeschlagenheit und Angst. Du fühlst Dich hilflos, verletzt und krank. Ignoriert werden durch Kollegen ist Mobbing.

2 Kommentare

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2 Kommentare

Naumova 10. Dezember 2019 - 19:01

Die Ignoration habe ich auch erlebt, wenn ich daran denke bekomme ich immer noch Gänsehaut. Die Person war meine Vorgesetzte, sehr dominant und laut, und von mitläufer umgeben. Die haben tatsächlich aus Angst mit gemacht. Ich war angestellt als erfahrene Mitarbeiterin, leider durch die ständige Belastung konnte nichts umsetzen. Wurde als Lugner und Nichtsnutzer beschimpft. Ich wechselte nach 2 Monate in eine andere Schicht, nach dem ich direkt die Person vor alle Mitarbeiterinen des Mobbings beschuldigte. Hatte soviel Angst von ihr. Ich bekamm Panikattacken und habe gekündigt. Besser schreckliches Ende als Schreck ohne ende.

Reply
Lieselotte Wever 11. Dezember 2019 - 14:57

Hallo Marina,

danke für dein Feedback. Was du beschreibst, ist so typisch und begünstigt Mobbing. Viele Menschen sehen weg bzw. passen sich den Mobbern an und werden zu Mitläufern. Du warst sehr mutig, dass du die Mobberin mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert hast. Wenn Firmen wenigstens begreifen würden, dass Mobbing neben schlechter Stimmung am Arbeitsplatz auch dem wirtschaftlichen Unternehmenserfolg schadet, würden sie energischer dagegen vorgehen. Leider sind es fast immer die Gemobbten, die schließlich gehen, Während die Mobber sich ihr nächstes Opfer ausgucken und fröhlich weitermachen. Aber die Gesundheit – auch deine – ist wichtiger. Ganz viel Glück an deiner neuen Stelle mit hoffentlich fairen und sympathischen Kollegen!

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