Meine Kollegen machen mich schlecht – Was soll ich tun?

Veröffentlicht am 20. Februar von Lieselotte Wever in Beruf

Wer fiese Kollegen hat, braucht weiter keine Feinde mehr. Eine besonders linke Masche ist es, wenn Kollegen einen anderen Kollegen schlecht machen. Bist Du so einem Verhalten wirklich ausgeliefert oder kannst Du etwas dagegen tun?

Kollegen sucht man sich nicht aus

Ein Kollegenkreis ist meistens bunt zusammengewürfelt. Personal wird vorrangig nach beruflichen Fähigkeiten eingestellt. Darüber hinaus schätzt ein Personalchef noch grob ab, ob ein Bewerber in das bestehende Team passt.

Selten haben Mitarbeiter bei der Einstellung eines neuen Kollegen ein Mitspracherecht. Hier gibt es höchstens Ausnahmen bei Mitarbeiterempfehlungen durch Kollegen oder im Rahmen von innerbetrieblichen Versetzungen, wo sich Kollegen bereits kennen und neben dem fachlichen Können der Sympathiefaktor eine Rolle spielt.

Fast immer wirst Du Dich also am Arbeitsplatz mit Deinen Kollegen abfinden und Dich integrieren müssen. Es ist allerdings nicht ungewöhnlich, dass auf der Arbeit Freundschaften entstehen und es sogar zu Eheschließungen unter Arbeitskollegen kommt. Umgekehrt können einem aber auch manche Kollegen den Arbeitsalltag schwer machen.

Wie Mitarbeiter ihre Kollegen schlecht machen

Das Schlechtmachen von Kollegen ist weit verbreitet. Dabei erfolgt ein Herabsetzen in Worten, im Verhalten oder über Gesten. Typische Handlungen, Kollegen schlecht zu machen, sind zum Beispiel:

  • Über einen oder mehrere Kollegen schlecht reden: Das geschieht oft hinter dem Rücken, kann aber auch in Anwesenheit geschehen. Dabei kann es sich um unwahre Behauptungen handeln, die aufgestellt und in Umlauf gesetzt werden. Es kann aber auch um Tatsachen gehen, die für einen Kollegen ungünstig oder sogar peinlich sind und für die keine Notwendigkeit besteht, ihnen übertriebene Aufmerksamkeit zu schenken und sie herumzutratschen.
  • Ein Kollege wird ausgelacht, verhöhnt, nachgeäfft oder vorgeführt.
  • Einem Kollegen wird Unfähigkeit beziehungsweise mangelhaftes Fachwissen unterstellt. Dies kann ohne seine Kenntnis oder in seinem Beisein erfolgen, dazu innerbetrieblich sowie öffentlich.

Was ebenfalls als Schlechtmachen unter Kollegen gilt

Schlechtmachen von Kollegen hat immer mit Respektlosigkeit zu tun. Dazu zählen auch Feststellungen wie: „Ihr seid doch alle Idioten!“ oder „Sie haben einen grauenvollen Krawattengeschmack!“ Derartige Bemerkungen senden das fatale Signal, dass bestimmte Kollegen weniger Respekt verdienen würden als andere. Labile Charaktere schließen daraus, dass sie Kollegen ohne Konsequenzen schlecht machen dürfen.

Gründe für das Schlechtmachen von Kollegen

Erinnerst Du Dich an eine Situation, wo Dir jemand Übles an den Kopf geworfen hat, und Dich später jemand hiermit tröstete: „Ärgere Dich nicht weiter! Was der zu Dir gesagt hat, sagt mehr über ihn aus als über Dich.“
Genau das gilt auch für viele, die ihre Kollegen schlecht machen. Sehr oft nämlich haben diese Personen vor allem Probleme mit sich selbst, und zwar solche:

  • Schwaches Selbstwertgefühl

Menschen, die sich minderwertig fühlen, setzen gern andere herab, um sich damit selbst aufzuwerten. Sie machen jemanden klein, um sich zu erhöhen. Manche bekommen sogar kurz ein Gefühl von Macht.

  • Abreagieren

Manche Kollegen, die privat Erniedrigungen ausgesetzt sind, reagieren sich am Kollegen ab. Sie bauen Druck ab, indem sie nun ihrerseits jemanden erniedrigen.

Auch privat oder beruflich erlittene Enttäuschungen und den Ärger oder Frust darüber lassen manche durch gezielte Herabsetzungen an Kollegen aus.

Einige projizieren eigene Unzulänglichkeiten und ihre Unzufriedenheit darüber auf andere. Sie werfen anderen Personen, zum Beispiel Kollegen, diese Unzulänglichkeiten vor und verlagern ihren Unmut über eigenes Unvermögen auf einen Sündenbock. Nach so einer Herabsetzung geht es ihnen besser.

  • Eifersucht und Neid

Eifersucht und Neid sind natürliche Gefühle. Bei einigen Personen können sie aber so stark sein, dass sie anderen, wie beispielsweise Kollegen, denen sie Talente, Erfolg oder materiellen Besitz neiden, diese Eigenschaften oder Eigentum kleinreden und herabsetzen müssen.

  • Persönliche Abneigung

Wahrscheinlich kennst Du das selbst: Du begegnest einem Menschen und magst ihn von Beginn an nicht, obwohl Du nicht weißt, warum. Vielleicht erinnert Dich dieser Mensch an jemanden, mit dem Du schlechte Erfahrungen hattest. Oft bleibt die Ursache jedoch im Dunkeln. Trotzdem ist so etwas kein Grund, jemanden schlecht zu machen. Ein neutraler Umgang tut es auch.

  • Rudelverhalten

Es mag paradox klingen, dass auch soziales Verhalten ursächlich für das Schlechtmachen von Kollegen sein kann. Menschen sind soziale Wesen und fühlen sich meistens „im Rudel“ ihrer Mitmenschen am wohlsten. Sie unterliegen so einem starken Gruppendruck. Wenn dann Kollegen an ihrem Arbeitsplatz einen anderen Kollegen schlecht machen, beteiligen sie sich oft aus Angst, sonst aus der Gruppe ebenfalls ausgestoßen zu werden.

Kollegen schlecht machen: Verstehen hilft

Wenn Du also weißt, warum Mitarbeiter dich als Kollegen schlecht machen, wirst Du bereits hierdurch mit der Situation besser umgehen können. Verstehen hilft. Dies bedeutet keineswegs, dass Du für so eine asoziale Handlung Verständnis aufbringen sollst. Der Schlechtmacher mag persönliche Mängel haben, die sein Handeln aber kein bisschen entschuldigen. Sie erklären es nur und Du sollst nur die Hintergründe verstehen. Das macht bereits viel aus.

Kollegen machen Dich schlecht? Das kannst Du tun

Für den Umgang mit schlechtmachenden Kollegen gibt es verschiedene Strategien. Die Skala reicht von Ignorieren bis Verklagen. Je nach Schwere der Form des Schlechtmachens und Deiner persönlichen Verfassung kommen verschiedene Abwehrmethoden infrage.

Schlecht machende Kollegen einfach ignorieren

Es mag zunächst verblüffen, kann aber wirken: Ignoriere einfach Deine Dich schlecht machenden Kollegen! Grenze Dich von ihnen bewusst ab. Dieser Tipp hilft vor allem dann, wenn offensichtlich ist, dass Deine Kollegen Dich nicht nur schlecht machen wollen, sondern dabei auch ihren Spaß haben, wenn sie Dich leiden sehen. Diesen Spaß verdirbst Du ihnen, indem Du einfach nicht darauf eingehst.

Zugegeben: Zu empfehlen ist dieses Verhalten Deinerseits nur, wenn es sich beim Schlechtmachen um vergleichsweise Nichtigkeiten handelt wie Lästern über Deine Stimme, Essgewohnheiten, Frisur oder Kleidung. Häufig bestehen Herabsetzungen aber gerade aus derartigen Details.

Kollegen machen Dich hinterm Rücken schlecht: Gehe auf sie zu!

Reden Kollegen über Dich hinter Deinem Rücken schlecht, fehlt ihnen häufig die Stärke zur direkten Konfrontation. Die zeigst Du nun. Du sprichst die Kollegen auf ihr unkollegiales Verhalten offen an. Dafür kannst Du ruhig noch eine weitere Dir wohlgesonnene Person hinzuziehen. Bleibe dabei sachlich. Deinen Kollegen wird dies sehr unangenehm sein und Du hast gute Chancen, dass sie ihr unerträgliches Verhalten künftig unterlassen. Außerdem könnt Ihr im direkten Gespräch mögliche vorhandene Probleme gleich besprechen, die dem Schlechtmachen zugrundelagen.

Wenn kollegiales Schlechtmachen bereits üble Nachrede ist

Hinter einem Schlechtmachen durch Kollegen kann mehr stecken als lediglich ein respektloses Herabsetzen Deiner Person. Werden gezielt Unwahrheiten über Dich verbreitet, handelt es sich bereits um üble Nachrede oder sogar Verleumdung. Beides sind Straftatbestände.

Bevor Du nun aber gleich zum Rechtsanwalt rennst, versuche zunächst, das Problem innerhalb des Betriebes zu lösen. Sprich mit Deinem Vorgesetzten und ziehe bei Bedarf den Betriebsrat hinzu. Wenn Kollegen einander schlechtmachen, schaden sie schließlich nicht nur diesem Mitarbeiter, sondern außerdem dem Unternehmen. Daran sollte kein Betriebsverantwortlicher Interesse haben.

Erst wenn Du in Deinem Betrieb nichts erreichst, um das Schlechtmachen Deiner Kollegen zu stoppen, kann es angebracht sein, einen Rechtsanwalt aufzusuchen. Kann! Sei Dir dabei nämlich im Klaren, dass hiermit wahrscheinlich das Beenden Deines Arbeitsverhältnisses verbunden sein wird. Juristisch kannst Du auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld klagen, je nachdem, um was es genau ging. Dein Chef wird jedoch das Arbeitsverhältnis zu Dir als zerrüttet ansehen. Am geschicktesten gehst Du vor, indem Du Dich zuvor schon nach einem neuen Arbeitsplatz umsiehst, bevor Du den Rechtsweg einschlägst. Vielleicht überlegst Du Dir ohnehin noch, ob Du wirklich so weit gehen wirst. Auch wenn Du im Recht bist, kochst Du hiermit alles wieder hoch, es wird sich herumsprechen und Du handelst Dir womöglich in der Branche noch den Ruf ein, schwierig zu sein. Es ist meistens klüger, sich einen neuen Wirkungskreis zu suchen und zu vergessen.

Kurz gesagt

Das Schlechtmachen von Kollegen am Arbeitsplatz ist ein weit verbreitetes Phänomen. Mal geht es dabei um Banales wie bestimmte persönliche Eigenschaften, mal jedoch auch um das Heruntermachen der Arbeitsleistung oder gar strafbare üble Nachrede bei unwahren Behauptungen. Entsprechend unterschiedlich fallen die Empfehlungen zum Umgang mit Kollegen schlechtmachenden Mitarbeitern aus. Das Schlechtmachen von Kollegen dient häufig als Ventil für persönliche Unzufriedenheit.

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