Ernährungsformen – welche gibt es?

Veröffentlicht am 23. März von Lieselotte Wever in Essen & Trinken

Die Grundfunktion von Essen und Trinken als notwendige Nährstoffzufuhr zum Lebenserhalt ist in den Hintergrund getreten. Längst existiert eine Vielzahl von Ernährungsformen, die sich insgesamt nur noch schwer überblicken lässt. Selbst bei den häufig diskutierten Ernährungsregeln für Vegetarier und Veganer verschwimmen für Außenstehende leicht die Grenzen zwischen beiden Ernährungsformen. Und es gibt noch viele Arten mehr, wie sich Menschen ernähren können. Wir stellen sie Dir hier vor. Wetten, dass Du vorher noch nicht alle gekannt hast?

Schale mit Gemüse, Salat, Öl und Essig zum kochen vorbereitet
Es gibt viele Arten, wie man sich ernähren kann. Wir zeigen auf, welche Formen es gibt.

Ernährung hat viele Facetten

Bestimmte Ernährungsformen sind in Deutschland schon seit über hundert Jahren populär. So lässt sich Vegetarismus mindestens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nachweisen. In Indien leben sogar seit jeher viele Menschen vegetarisch. Spezielle Ernährungsformen sind also nicht allein auf unsere heutige Überflussgesellschaft zurückzuführen, in der man es sich leisten kann, nur bestimmte Lebensmittel zu sich zu nehmen. Gelegentlich lässt sich aber schon ein gewisser Wille zum Perfektionismus feststellen, bei dem ernährungstechnisch das Beste für den eigenen Körper und die Umwelt erreicht werden soll.

Möglichst lange gesund und fit bleiben mit der richtigen Ernährung ist für die einen ebenso das Ziel wie für andere eine ethische Überlegenheit gegenüber Anhängern anderer Ernährungsformen – insbesondere hinsichtlich Tierschutz. Die Entscheidung für eine spezielle Ernährungsform kann der persönlichen Überzeugung oder Vorliebe für bestimmte Nahrungsmittel entstammen, sie kann aber auch bereits religiöse bis fanatische Züge annehmen.

Welche Ernährungsformen gibt es?

Wie viele Ernährungsformen fallen Dir ein? Notiere sie doch einmal, und dann lies unseren Artikel weiter. Hättest Du gedacht, dass es so viele sind?

Omnivorismus

Allesesser werden meistens mit dem lateinischen Begriff Omnivoren bezeichnet, gelegentlich auch mit der griechischen Bezeichnung Pantophagen. Hier gibt es keine Spezialisierung bei der Nahrungsaufnahme. Omnivoren essen, was da ist oder worauf sie gerade am meisten Appetit haben. Allenfalls richten sie sich beim Zusammenstellen ihres Speiseplanes noch danach, sich möglichst gesund zu ernähren. Gesundheitsbewusste Allesesser achten auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen pflanzlicher und tierischer Kost einschließlich Fleisch und Fisch, geben häufig Vollkornprodukten den Vorzug und essen Süßigkeiten möglichst selten. Dieser Ernährungstyp ist in Deutschland und vielen anderen Ländern am stärksten vertreten.

Mit seinem Verdauungssystem einschließlich Gebiss ist der menschliche Körper an eine omnivore Ernährungsweise angepasst. Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass die Größe des menschlichen Gehirnes erheblich zunahm, seit die frühen Menschen ihre ursprünglich vor allem aus Früchten und Nüssen bestehende Ernährung um Fleisch ergänzten.

Vegetarismus

Vegetarier eint, dass sie sich fleischlos ernähren. Einige Vegetarier machen hier eine Ausnahme bei Fisch. Ansonsten ernähren sich Vegetarier vorwiegend pflanzlich, meistens noch ergänzt um einige Nahrungsmittel tierischen Ursprungs. Je nach vegetarischer Kostform verteilt sich die Gruppe der Vegetarier auf mehrere Untergruppen:

Vegetarier als reine Pflanzenköstler

Vegetarier, die in ihrer Ernährung ganz auf tierische Erzeugnisse verzichten, tragen die Bezeichnung „Vegetarier“ ohne Zusatz. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird allerdings häufig generell von Vegetariern gesprochen, wenn Personen kein Fleisch essen. Wer einen Vegetarier zum Essen zu sich nach Hause einlädt, ist gut beraten, wenn er hierzu noch etwas genauer nachfragt. Die nun folgenden Vegetarier-Typen zeigen, worauf es dabei ankommt. Die Zusatzbezeichnungen für Vegetarier sind dem Lateinischen entnommen.

Ovo-Lacto-Vegetarier

Ovo-Lacto-Vegetarier lassen in ihrer Ernährung neben der Pflanzenkost noch Vogeleier und Milchprodukte zu.

Ovo-Vegetarier

Ovo-Vegetarier dulden in ihrem Speiseplan zusätzlich zur pflanzlichen Kost nur Vogeleier.

Lacto-Vegetarier

In einer lacto-vegetarischen Ernährung sind an tierischen Produkten lediglich Milch beziehungsweise Milchprodukte erlaubt.

Ovo-Lacto-Pesce-Vegetarier

Ovo-Lacto-Pesce-Vegetarier legen den Vegetarismus besonders großzügig aus: Außer Eiern und Milcherzeugnissen genehmigen sie sich auch Fisch, verzichten also nur auf Fleisch.

Veganismus

Veganer nehmen grundsätzlich keinerlei Erzeugnisse tierischen Ursprungs zu sich. Neben Fleisch, Fisch, Eiern und Milcherzeugnissen schließen sie auch weitere tierische Produkte wie Honig oder Gelatine aus, zu denen sich Vegetarier nicht ausdrücklich äußern. Weshalb Veganer trotz ihrer komplett pflanzlichen Ernährungsweise dennoch nicht als Vegetarier gelten, liegt am generellen Vermeiden von tierischen Erzeugnissen. Dies schließt Konsumbereiche wie Kleidung, Schmuck, Kosmetik, Dienstleistungen und Freizeitaktivitäten ein. Eine ausführliche Zusammenstellung hierzu findest du in unserem Artikel über den Unterschied zwischen Vegetariern und Veganern.

Übrigens findest du auch bei den Veganern eine Untergruppierung: die sogenannten Pudding-Veganer.

Pudding-Veganer

„Pudding-Veganer“ meint jetzt nicht nur Veganer, die sich überwiegend von – zwar veganen – Süßspeisen ernähren. Hiermit sind vor allem auch solche Veganer gemeint, die bevorzugt zu Fertigprodukten greifen, selten zu frischem Obst und Gemüse. Schließlich sind auch in Pflanzenfett zubereitete Pommes frites vegan und ergeben zusammen mit veganer Fertigsauce eine Mahlzeit. So etwas ist aber nicht im Sinne eines ernst gemeinten Veganismus. Veganer müssen besonders genau auf eine ausgewogene Ernährung achten, damit keine Mangelversorgung mit wichtigen Nährstoffen eintritt.

Frutarismus

Bei Frutariern handelt es sich zumindest ernährungstechnisch um eine Sonderform der Veganer. Sie ernähren sich ebenfalls ausschließlich pflanzlich und gehen dabei noch einen Schritt weiter: Sie essen nur Pflanzenprodukte, die die Pflanzen freiwillig hergeben: zum Beispiel Nüsse, Samen oder Obst. Pflanzenerzeugnisse, die durch Ernten oder Mähen, also über eine Schädigung oder Vernichtung der Stammpflanze gewonnen werden, lehnen Frutarier ab.

Rohkost

Rohköstler essen ihre Nahrungsmittel stets im Naturzustand, also roh. Was beim Obst normalerweise gut funktioniert und oft praktiziert wird, lässt sich allerdings nicht für jede Gemüseart empfehlen. Einige Sorten sind im rohen Zustand erheblich schwerer verdaulich als gegart. Außerdem schließt das Garen einige Nährstoffe bedeutend besser für die Verwertung im menschlichen Organismus auf, zum Beispiel die Carotinoide.

Flexitarismus

Flexitarier achten auf eine gesunde Ernährung, wobei sie nur selten Fleisch essen. Ist dies der Fall, entscheiden sie sich für eine besonders gute Fleischqualität, wobei ihnen auch der Herkunftsnachweis wichtig ist. Flexitarier werden auch als Gelegenheitsvegetarier bezeichnet.

Vollwerternährung

Die Vollwerternährung basiert auf der Theorie, dass Nahrungsmittel umso höherwertiger sind, je weniger sie verarbeitet wurden. Ihren Ursprung hat diese Ernährungsform bereits in der Antike. In der Vollwerternährung spielen Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Milchprodukte tragende Rollen. Fleisch, Fisch und Eier in dürfen geringen Mengen, müssen aber nicht dabei sein. Ein weiterer Schwerpunkt der Vollwerternährung liegt auf Bio-Erzeugnissen sowie regionalen, saisonalen und fair hergestellten Erzeugnissen.

Steinzeiternährung

Die Steinzeiternährung, auch als Paläo-Diät geläufig, soll sich an der ursprünglichen menschlichen Ernährung orientieren. Indem sie die Urbedürfnisse abdeckt, hilft sie angeblich, Zivilisationserkrankungen wie Diabetes oder Autoimmunreaktionen zu vermeiden. Dazu soll sie den Körper schlank und leistungsfähig erhalten. In der Steinzeit nach ihrer Philosophie noch nicht verwendete Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Getreide, Hülsenfrüchte, Zucker und stark verarbeitete Fette fehlen in dieser Ernährungsform. Stattdessen spielt Fleisch eine große Rolle, ebenso Fisch, Eier, Obst, Gemüse, Samen und Nüsse. Der Begriff „Diät“ ist zwar populär, aber nicht wirklich passend für diese Ernährungsform.

Kurz gesagt

Jenseits von Allesessern, Vegetariern und Veganern gibt es weitere Ernährungsformen, die zahlreiche Anhänger haben. Darunter befinden sich einige, die nicht jedem bekannt sind sowie verschiedene Sonderformen. Während viele Allesesser hauptsächlich essen, um satt zu werden und es sich dabei schmecken zu lassen, geht es bei den übrigen Ernährungsformen vor allem um eine gesunde oder Tierleid vermeidende Nahrungsaufnahme. Wichtig ist, dass eine Ernährungsform nicht einseitig ist, da sonst Mangelerscheinungen auftreten können.

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