Start LifestyleWohnen Tiny Houses: Was Du über den Trend zum Mini-Haus wissen musst

Tiny Houses: Was Du über den Trend zum Mini-Haus wissen musst

von Lieselotte Wever
0 Kommentar
Kleines Haus im Schweden-Stil am See

Im Freundeskreis sind sie beliebtes Gesprächsthema. In den sozialen Medien im Internet werden fleißig Artikel mit anschaulichen Fotos gepostet und geteilt: Die Rede ist von Tiny Houses. Was macht diese kleinen Häuser so besonders? Wo bekommt man sie? Was gibt es zu beachten? Das und mehr erfährst Du in unserem Artikel.

Tiny Houses: Was sind das für Häuser?

Tiny Houses stammen aus Nordamerika. „Tiny House“ heißt übersetzt „winziges Haus“. Nach amerikanischer Definition hat ein Tiny House eine Wohnfläche von 400 bis 500 Square feet, was 37 bis 46 m² entspricht. Charakteristisch für Tiny Houses in Deutschland ist eine Wohnfläche zwischen 40 und 80 m² sowie eine bestimmte Bauweise, für die es mehrere Stile gibt. Einige Architekten haben sich auf Tiny Houses spezialisiert.

Was für Tiny Houses spricht

In Deutschland leben immer mehr Singles – Tendenz zunehmend. Die Mieten und Grundstückspreise in vielen Großstädten und ihren Randbezirken steigen. Ein Tiny House bietet sich als kostengünstiges Wohneigentum an. Die größeren Varianten der Tiny Houses eignen sich auch für Paare.

Zu beobachten ist außerdem eine allmähliche Abkehr vom Einfamilienhaus als Statussymbol nach den Prinzipien groß und repräsentativ. Schließlich ist es beim Immobilienerwerb nicht mit einem höheren Kaufpreis für Haus und Grundstück getan. Es entstehen laufend weitere Kosten wie Energiekosten, Ausgaben für Reinigung und Reparaturen, Steuern und Versicherungsprämien – allesamt deutlich über den regelmäßig zu entrichtenden Kosten für ein Eigenheim im Normalgröße und erst recht für ein Tiny House.

Für Tiny Houses spricht noch mehr. Fast immer sind sie wesentlich umweltfreundlicher als herkömmliche Häuser. Bereits ihre Herstellung hinterlässt einen erstaunlich kleinen ökologischen Fußabdruck. Niedrigere Heizkosten, geringerer Stromverbrauch und weniger Chemikalienbedarf für Reinigung und Instandhaltung schonen zusätzlich Ressourcen und Umwelt. Hinzu kommt der geringere Flächenbedarf für den Standort.

Mini-Häuser mit Maxi-Qualitäten

Bei all den Vorteilen brauchst Du als Tiny-House-Eigentümer keine Abstriche an der Ästhetik Deines Wohnobjektes zu machen. Wenn Du Dich mit keinem der Typen im Stil eines Bauwagens oder Schuppens anfreunden magst, stehen Dir überraschend hübsche und abwechslungsreiche Baustile zur Wahl. Selbst berühmte Designer haben inzwischen Tiny Houses entworfen. Moderne Mini-Häuser sind zudem aus hochwertigen Baustoffen gefertigt und verfügen über eine ausgereifte Technik. Besonders beliebt sind Tiny Houses in Modulbauweise.

Tiny Houses haben kleine Grundrisse, was bedeutet, dass Häuser mit mehr Quadratmetern entsprechend in die Höhe wachsen mit meistens einem zusätzlichen Stockwerk, ausnahmsweise auch mal zwei. Viele Tiny Houses können sich daher ohne weiteres noch eine kleine Terrasse oder einen Balkon erlauben.

Wird es nicht eng im Tiny House?

So niedlich Tiny Houses sind und so sehr sie im Trend liegen: Was sie unter anderem auszeichnet – niedrige Quadratmeterzahlen – ist bei näherem Betrachten doch eher ein Nachteil, oder nicht? Wie kann sich ein Single dauerhaft auf zum Beispiel 40 m² einrichten oder ein Paar auf 70 m²?

Tiny Houses sind extra fürs Wohnen auf wenig Raum geplant. Hier wird kein einziger Quadratmeter verschwendet. Der Grundriss ist so gestaltet, dass jeder Winkel genutzt wird, ohne dass dabei ein Gefühl von Enge oder einem Provisorium aufkommt. Tiny Houses bieten vollwertigen Wohnraum.

Für die Minihäuser sind sogar eigene Möbelserien erhältlich. Klappbetten verschwinden tagsüber platzsparend an der Wand. Die Arbeitsfläche vorm Küchenschrank lässt sich bei Nichtbenutzung hochklappen und verdeckt dahinter befindlichen Stauraum. Eine speziell entwickelte kleine Kühltruhe passt in eine Nische. Ausgeklügelte Badmöbel lassen auf gut 2 m² eine akzeptable Bad- und WC-Kombination entstehen.

Bei allem Komfort versteht es sich aber von selbst, dass Tiny-House-Bewohner sich von einigen Wohnstilen verabschieden müssen. Für ausgedehnte Sofalandschaften, umfangreiche Privatbibliotheken oder begehbare Kleiderschränke ist tatsächlich kein Platz. Bei vielen Tiny-House-Beziehern ist also zuvor kräftiges Entrümpeln angesagt. Aber auch hier ist ein Trend zu beobachten: Stichwort Minimalismus. Es muss ja nicht gleich bis zum Äußersten gehen. Aber gerade bei einem Umzug tritt eine Menge überflüssiger Besitz zutage. Das Entsorgen von Ballast empfinden viele Menschen als so befreiend, dass sie künftig weniger Besitz anhäufen wollen.

Tiny House als Zweithaus

Ein Tiny House eignet sich außerdem perfekt als Zweithaus:

  • Ferienhaus
  • Gästehaus
  • Atelier
  • Büro
  • Besprechungsraum

Je nach Verwendungszweck wird das Mini-Haus an einem anderen Ort als dem Wohnsitz errichtet. Oder es findet Platz auf dem Grundstück, auf dem sich das Haupthaus befindet. Handelt es sich um ein Tiny House als Nebengebäude auf dem Wohngrundstück, stehen dafür „abgespeckte“ Bautypen ohne Küche und Sanitäranlagen zur Wahl. Auch sind extra kleine containerartige Tiny Houses zu haben, in die gerade eben ein Schreibtisch, Stuhl und kleines Regal oder ein bis zwei Betten mit Tisch und ein paar Stühlen hineinpassen.

Besonders flexibel: Tiny Houses aus Modulen

Bei einem Tiny House in Modulbauweise musst Du Dich nicht von Beginn an festlegen. Du kannst später immer noch um einen Anbau oder ein zusätzliches Stockwerk erweitern. Im Gegensatz zu üblichen Einfamilienhäusern ist dies deutlich einfacher und kostengünstiger umsetzbar. Du kannst sogar mit einem Tiny House aus Modulen umziehen.

Was kostet ein Tiny House?

Tiny Houses mit einer Wohnfläche von circa 25 m² sind bereits für Preise knapp unter 30.000 Euro erhältlich. Mit Eigenleistung lässt sich der Baupreis sicher noch etwas senken, umgekehrt kann auch ein Tiny House als teures Luxusobjekt errichtet werden.

Ein Baupreis pro Quadratmeter lässt sich für Mini-Häuser schwer nennen. Er hängt schließlich nicht allein von der Fläche, sondern auch vom Material, der Ausstattung und dem gewünschten Komfort ab. Gerade bei kleinen Wohnobjekten wie Tiny Houses macht sich dieser Einfluss besonders stark bemerkbar. Entsprechend Größe und Ausstattung kann ein Tiny House durchaus auch mal 100.000 Euro oder mehr kosten.

Mini-Häuser und das Baurecht

Solltest Du jetzt schon mit dem Gedanken an ein Tiny House spielen, überstürze bloß nichts. Vor dem Kauf steht ein Besuch des örtlichen Bauamtes beziehungsweise der Gemeindeverwaltung an. Selbst wenn Dir ein Grundstück gehört, darfst Du darauf nicht bauen, wie es Dir beliebt. Aber keine Angst, falls eine Behörde Einwände hat, gibt es dafür fast immer einen nachvollziehbaren Grund. Hier erfährst Du genau, was für die Genehmigung eines Mini-Hauses wichtig ist.

Nachbarn informieren

Wohnst Du bereits in einem eigenen Haus und möchtest zusätzlich ein Tiny House auf Deinem Grundstück errichten: Sprich zuerst unbedingt mit Deinen Nachbarn über Dein neues Bauvorhaben. Oft genug hat sich nämlich gezeigt, dass ahnungslose Nachbarn sich überrumpelt fühlten. Ein neues Gebäude kann zum Beispiel einen unerwünschten Schatten werfen oder die Aussicht beeinträchtigen. Nachbarschaftsstreit wäre vorprogrammiert. Es kann geschehen, dass ein Gebäude wieder entfernt werden muss. Im Gespräch erörterst Du die Situation mit Deinen Nachbarn rechtzeitig und kannst Dich zum Beispiel bei Bedenken gemeinsam mit den Nachbarn für einen anderen Platz auf Deinem Grundstück entscheiden. Wichtig: Protokolliere das Gespräch und lasse es vom Nachbarn gegenzeichnen.

Baugenehmigung einholen

Anschließend kümmerst Du Dich um die Baugenehmigung. Hierbei handelt es sich keinesfalls um einen bloßen Verwaltungsakt mit Antragstellung und Genehmigungsstempel. Mit Deinem Bauvorhaben löst Du mehrere amtliche Verfahren aus. Erfahrungsgemäß sind Baugenehmigungen auf einem Grundstück innerhalb einer Gemeinde einfacher zu erhalten als auf einem Grundstück außerhalb. Jenseits der Gemeindegrenze muss ein bereits bestehender Flächennutzungsplan zuerst geändert und danach ein Bebauungsplan erstellt werden. Dazu schalten sich weitere Stellen ein wie Landwirtschaftskammer, Wasserwirtschaftsamt oder Bund für Naturschutz.

Wichtig für das Erteilen einer Baugenehmigung ist außerdem, dass Dein geplantes Haus zur umliegenden Bebauung passt. Es kann unter anderem Vorschriften für Dächer geben oder die farbliche Gestaltung.

Bei späteren baulichen Veränderungen eines Mini-Hauses muss erneut eine Baugenehmigung eingeholt werden.

Tiny House auf Rädern als Ausweg?

Die baurechtliche Genehmigungspflicht hängt nicht von der Größe eines Hauses ab. Entscheidend ist, dass das Gebäude im Erdboden verankert ist. Daher ist ein Tiny House mit Fundament auf jeden Fall genehmigungspflichtig. Es gibt allerdings Sonderformen von Tiny Houses auf Rädern ähnlich einem Bauwagen oder solche, die sich auf einen Auflieger mit Rädern stellen lassen. Damit fallen sie nicht mehr unter das Baurecht, unterliegen aber dem Straßenverkehrsrecht und benötigen eine Stellplatzgenehmigung.

Grundstückserschließung und Energieausweis

Die Grundstückserschließung ist Voraussetzung für das Bebauen eines Grundstücks. Es müssen Versorgungs- und Entsorgungsnetze für Elektrizität, Gas und Wasser bestehen sowie ein Anschluss an die Kanalisation. Für den Erschließungsplan wendest Du Dich an die Gemeinden und Versorgungsträger.

Einige Tiny Houses funktionieren unabhängig von externen Netzen. Sie verfügen über eine Fotovoltaik-Anlage oder Solarthermie inklusive Speicher, haben einen Wassertank sowie eine Humus-Toilette. Die Technik hierfür ist bereits weit fortgeschritten und nähert sich dem Komfort eines Hauses mit Vollanschluss an die öffentlichen Netze an. Inwieweit hier eine darauf abgestimmte eingeschränkte Grundstückserschließung genügen kann, hängt von der zuständigen Behörde ab.

Seit 2009 ist in Deutschland ein Energieausweis Pflicht für alle Wohnhäuser. Ausgenommen hiervon sind unter anderem sehr kleine Häuser bis zu 50 m². Für Mini-Häuser gelten seit November 2011 neben der Energieeinsparverordnung EnEv 2009 außerdem das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, abgekürzt EEWärmeG 2011. Ausgenommen sind auch hier Mini-Häuser bis 50 m² sowie als Ferienhäuser genutzte Objekte, sofern diese nicht länger als 4 Monate jährlich genutzt werden. Details findest Du auf  EnEV-Online. Das ist der Internetauftritt des Institutes für Energie-Effiziente Architektur mit Internet-Medien.

Kurz gesagt

Tiny Houses liegen im Trend. Die Nachfrage nach ihnen steigt. Zum einen liegt das an der zunehmenden Zahl der Haushalte von Singles und Paaren. Zum anderen möchten immer mehr Menschen mit weniger Ballast leben und bevorzugen daran angepasste kleinere Häuser. Hinzu kommt, dass Wohnortwechsel heutzutage häufiger stattfinden als früher. Ein Tiny House in Modulbauweise lässt sich an den neuen Wohnort mitnehmen. Inzwischen gibt es eine große Auswahl unter Mini-Häusern, darunter viele Haustypen mit anspruchsvollem Wohnkomfort.

 

0 Kommentar

You may also like

Hinterlasse einen Kommentar