Augen lasern: Besser sehen ohne Brille und Kontaktlinsen

Veröffentlicht am 16. Januar von Thorben Grünewälder in Gesundheit

Mehr als 40 Millionen Deutsche tragen zumindest ab und zu eine Brille oder Kontaktlinsen. Büroarbeit am Bildschirm, viele Stunden vor dem Fernseher oder auch eine schlechte Ernährung und Rauchen können die Sehstärke der Augen negativ beeinflussen. Mit der Lasertechnik steht Betroffenen seit einigen Jahren eine Alternative zu Kontaktlinsen oder der Brille zur Verfügung. Doch hält die Technologie, was sie verspricht?

Augen
Seit einigen Jahren ist das Lasern der Augen eine Alternative zur Brille.

Wie entsteht Kurzsichtigkeit?

Die Kurzsichtigkeit ist eine angeborene oder erworbene Fehlsichtigkeit des Auges. Menschen die kurzsichtig sind, können Objekte in ihrer Nähe scharf sehen, nehmen weiter entfernte Dinge aber nur verschwommen wahr. Ohne Brille oder Kontaktlinsen sind Aktivitäten wie Autofahren, Sport oder Büroarbeit kaum möglich. Kurzsichtige Menschen, die über einen längeren Zeitraum auf eine Sehhilfe verzichten, leiden häufig unter Kopfschmerzen, Übelkeit oder Ermüdungserscheinungen. Eine Kurzsichtigkeit, auch Myopie genannt, ist die Folge eines zu langen Augapfels oder einer zu starken Lichtbrechung durch das Auge. Letztere führt dazu, dass das Licht vor der Netzhaut gebündelt wird und so Gegenstände in der Ferne verschwommen erscheinen. Grundsätzlich kann Kurzsichtigkeit in jedem Alter entstehen. Meistens beginnt sie jedoch in der Pubertät, selten auch erst ab einem Alter von 30 Jahren. Ältere Menschen, die unter einem Grauen Star oder Diabetes leiden, sind ebenfalls häufig betroffen.

Ist eine Kurzsichtigkeit gefährlich?

Genau genommen handelt es sich bei der Kurzsichtigkeit meistens gar nicht um eine Krankheit. Bis zu einer Fehlsichtigkeit von minus sechs Dioptrien gilt sie nur als eine Anomalie, also eine Abweichung vom Durchschnittswert. Erst bei stärkerer Fehlsichtigkeit liegt eine krankhafte Kurzsichtigkeit vor. Kinder von kurzsichtigen Eltern leiden ebenfalls häufig an Kurzsichtigkeit. Dies legt nahe, dass Kurzsichtigkeit auch vererbt werden kann. Kurzsichtige Eltern sollten daher ihre Kinder möglichst früh von einem Augenarzt untersuchen lassen. Er kann schon im ersten Lebensjahr eine Kurzsichtigkeit diagnostizieren. Spätestens im Vorschulalter sollte eine Augenuntersuchung stattfinden.

Außerdem kann eine starke Kurzsichtigkeit weitere Krankheiten begünstigen. Beispielsweise kann das Kammerwasser schlechter abfließen. Erhöht sich dadurch der Augeninnendruck, kann ein Offenwinkelglaukom entstehen, bei dem der Sehnerv geschädigt wird. Auch die Netzhaut wird empfindlicher und kann sich ablösen.

Wie entsteht Weitsichtigkeit?

Das normalsichtige Auge ist in der Lage Bilder scharf auf der Netzhaut abzubilden und somit in der Nähe und in der Ferne scharf zu sehen. Einfallende Lichtstrahlen werden durch die Hornhaut und die Linse gebrochen und exakt in einem Brennpunkt auf der Netzhautmitte gebündelt. Die Stärke der Brechung der Lichtstrahlen wird als Brechkraft bezeichnet und in Dioptrien gemessen. Stimmt die Brechkraft, werden Bilder scharf auf der Netzhaut abgebildet. Im Gegensatz zum „zu lang gewachsenen kurzsichtigen Auge“, ist das weitsichtige Auge meist zu kurz gewachsen. Eine andere, seltenere Ursache für Weitsichtigkeit ist, dass die Brechkraft von Hornhaut und Linse zu schwach ist. Der Brennpunkt einfallender Lichtstrahlen liegt bei einem weitsichtigen Auge hinter der Netzhaut. Somit werden Gegenstände in der Nähe unscharf abgebildet. Je kürzer das Auge ist, desto höher ist die Weitsichtigkeit und die damit verbundene Unschärfe.

Ist eine Weitsichtigkeit gefährlich?

Weitsichtige sehen bis zum 30. Lebensjahr meist sowohl in der Ferne als auch in der Nähe gut – allerdings müssen sie dafür die inneren Augenmuskeln stark beanspruchen, was auf Dauer sehr anstrengt. Wie bei der Kurzsichtigkeit auch, sind also Kopfschmerzen, leichte Übelkeit oder Abgeschlagenheit möglich. Natürlich ist auch hier die Gefährdung im Straßenverkehr oder bei der Bedienung von Maschinen gesteigert.

Ist Lasern eine gute Alternative zu Brille und Kontaktlinsen?

Lasern erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Fast 100.000 Deutsche lassen sich jedes Jahr die Augen lasern. Doch nicht jedes Auge kann gelasert werden und nicht jedes Verfahren ist für jeden Patienten sinnvoll.

Wann ist Augen lasern nicht möglich?

Grundsätzlich solltest Du Dich zunächst von einem Augenarzt untersuchen lassen. Er wird Dir erklären, ob eine Laseroperation für Dich in Frage kommt. Es gibt aber einige Ausschlusskriterien, die eine Laser-OP unwahrscheinlich machen oder verhindern:

  • ein Alter unter 18 Jahren
  • eine Änderung der Brechkraft (geänderte Brillenwerte) in den letzten ein bis zwei Jahren
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Augenkrankheiten wie grauer Star, Glaukom oder chronische Hornhauterkrankungen
  • systemische Immunerkrankungen und Diabetes
Brille
Lange Arbeit vor dem Bildschirm kann die Sehkraft beeinträchtigen.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Behandlungsmethoden entwickelt. Welche Laser-Technik für Dich in Frage kommt, klärst Du am besten mit dem Augenarzt Deines Vertrauens.

Photorefraktive Keratektomie (PRK)

Das älteste Laserverfahren zur Korrektur von Fehlsichtigkeit am Auge wird heute nur noch selten und dann vor allem bei Patienten mit eher geringen Brechkraftfehlern eingesetzt. Bei der PRK entfernt der Laser direkt die oberflächlichen Hundertstelmillimeter der Hornhautschicht. Dadurch liegt nach dem Eingriff die Hornhaut offen, was für einige Tage zu Schmerzen und einem langsameren Heilungsverlauf führt.

Kosten: Rund 1.200 Euro pro Auge

Phototherapeutische Keratektomie (PTK)

Dieses Verfahren kann bei wiederholt auftretenden Hornhautdefekten, oberflächlichen Hornhautnarben oder einer fortschreitenden Hornhautdegeneration eingesetzt werden. Nach einer lokalen Anästhesie werden mithilfe wärmeerzeugender Laserstrahlen kleinste Teile der Hornhaut oder ganze Schichten abgetragen beziehungsweise die Oberfläche wird geglättet. Der Eingriff erfolgt meist ambulant. Nachbehandelt wird mit antibiotischen und hornhautpflegenden Augentropfen oder Salben. Etwa ein halbes Jahr lang muss meist ein Tränenersatzmittel gegeben werden.

Kosten: Rund 1.300 Euro pro Auge

Lasik – Laser in situ Keratomileusis

Die Lasik-Methode wird heute am häufigsten durchgeführt. Die Operation erfolgt ambulant und Du kannst das Krankenhaus oder die Praxis kurz darauf wieder verlassen. Bei dieser Technik wird zunächst die oberste Schicht der Hornhaut mit einem hobelartigen Messer von der Hornhaut abgetrennt und wie ein Deckel weggeklappt. Anschließend wirkt der Laser auf tiefere Schichten ein. Das dünne Scheibchen wird wieder zurückgeklappt. Was sehr schmerzhaft klingt, ist in Wahrheit eher harmlos und wird von den meisten Patienten nicht als unangenehm empfunden. Lasik bietet besonders dann gute Erfolgsaussichten, wenn die Abweichung von der Normalsichtigkeit folgende Richtwerte nicht überschreitet:

Beschreibung der SehschwächeAbweichung in Dioptrien
Bei Kurzsichtigkeit (Myopie):bis -10 Dioptrien
Bei Weitsichtigkeit (Hyperopie):bis +4 Dioptrien
Bei Stabsichtigkeit (Astigmatismus):bis -4 Dioptrien

Kosten: Je Auge ca. 1.000 bis 2.000 Euro

Lasek – Laser Epitheliale Keratomileusis

Dieses neuere Laserverfahren am Auge ist eine Kombination von PRK und Lasik, bei dem zunächst ein Scheibchen der Hornhaut abgehoben wird. Es ist jedoch wesentlich dünner (0,05mm) als bei der Lasik-Methode und besteht nur aus der äußersten Hornhautschicht, dem so genannten Epithel. Allerdings muss für einige Tage eine Kontaktlinse als Verband getragen werden, da das dünne Deckelchen leicht verrutscht. Der Hauptvorteil gegenüber der Lasik ist, dass auch bei eher dünner Hornhaut ein Eingriff noch möglich ist.

Kosten: Rund 1.400 Euro pro Auge

ReLEx SMILE – Small Incision Lenticule Extraction

Das ReLEx SMILE-Verfahren ist die neuste Methode in der Technik des Augenlaserns. Sie ist seit 2008 in Deutschland zugelassen. ReLEx SMILE eignet sich bisher für die Korrektur von Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmungungen. Da die Methode ohne sogenannten Flap (die Ablösung der Netzhaut) auskommt, gilt sie als besonders schonend und schmerzfrei und ist insbesondere für Patienten mit trockenen Augen und höherer Fehlsichtigkeit zu empfehlen. Für folgende Probleme ist die Methode erfolgsversprechend:

  • Kurzsichtigkeit bis max. -10 Dioptrien
  • Hornhautverkrümmung bis max. 6 Dioptrien
  • Normale Weitsichtigkeit kann derzeit noch nicht behandelt werden.

Kosten: Rund 1.600 Euro pro Auge

Wie läuft eine Laser-Operation ab?

Jede Operation wird individuell auf den jeweiligen Patienten ausgerichtet. Dennoch ähnelt sich der grundsätzliche Ablauf. Wir empfehlen Dir, besonders die Erstberatung ernst zu nehmen. Sollte Dir Dein Augenarzt von einer OP abraten, höre auf ihn.

Was passiert bei der Erstberatung?

Bevor es zu einer Operation kommt, werden Deine Augen auf ihre Tauglichkeit für eine Augenlaser-Behandlung überprüft. Neben der Art und Stärke der Sehschwäche, entscheidet auch die Beschaffenheit Deiner Hornhaut über das OP-Verfahren. Suche Dir einen Augenarzt, der sich viel Zeit für diese Erstberatung nimmt und dessen Patienten möglichst schon Erfahrung mit der ein oder anderen OP-Methode gesammelt haben.

Wie läuft eine Voruntersuchung ab?

Voraussetzung für eine reibungsglose Operation und ein gutes Ergebnis ist die Voruntersuchung. Der Zustand und die Beschaffenheit Deiner Augen müssen vor dem Eingriff detailliert überprüft werden. Untersucht werden unter anderem die Sehstärke, die Hornhautdicke, die Augenoberfläche und die Krümmung der Hornhaut. Bei der Untersuchung werden Augentropfen zum Erweitern der Pupillen verabreicht. Danach kannst Du einige Zeit lang kein Auto fahren und Büroarbeit ist ebenfalls für einige Stunden nicht möglich.

Wie verläuft die Laser-Operation?

Der eigentliche Eingriff dauert wenige Minuten. Du wirst danach zunächst sehr lichtempfindlich sein und den Rest des Tages nicht am Bildschirm arbeiten können. Auch auf Autofahren oder Lesen solltest Du verzichten. Erhole Dich lieber und verzichte auf größere Aktivitäten. Erfahrungsberichte zeigen, dass die Augen der meisten Patienten am Folgetag fast zu hundert Prozent funktionieren – völlig ohne Sehhilfe.

Ist eine Nachuntersuchung nötig?

Die Nachuntersuchung ist sehr wichtig, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu bemerken. In einem seriösen Angebot sollten mindestens drei Nachuntersuchungen enthalten sein. Fast alle Anbieter in Deutschland bieten mindestens drei Nachuntersuchungen kostenlos an.

Welche Risiken hat das Lasern der Augen?

Auch wenn eine Laseroperation in der Regel nur wenige Minuten dauert und durch eine Betäubung mit Tropfen komplett schmerzfrei ist: Risiken gibt es dennoch. Abhängig vom Operationsverfahren kann es zu verschiedenen Nebenwirkungen bei einer Augenoperation kommen. Sie treten aber nur in sehr seltenen Fällen ein, sind von kurzer Dauer und hinterlassen keine bleibenden Schäden.

Wann steigt das Risiko für Folgeschäden?

Man geht davon aus, dass mit der Höhe der Dioptrienwerte auch die Risiken steigen. Der Großteil der Behandlungen verläuft aber ohne Komplikationen. Die vergleichsweise häufigsten Nebenwirkungen nach einer Augenlaser-Operation sind ein trockenes Gefühl der Augen, eine erhöhte Lichtempfindlichkeit oder eine Beeinträchtigung der Sehkraft in der Dämmerung. Eine leicht verschwommene Sicht direkt nach Behandlung ist durchaus normal. Diese Erscheinungen heilen in der Regel von selbst aus bzw. werden durch die verschriebenen Augentropfen behandelt.

Eventuell auftretende Probleme im Heilungsprozess der Hornhaut werden in den Nachuntersuchungen kontrolliert und behandelt, weshalb es besonders wichtig ist, diese wahrzunehmen. Dabei kann es sich um Verunreinigungen an den Wundrändern handeln, die das Infektionsrisiko steigern. In einigen Fällen nehmen Patienten nach dem Eingriff einen leichten Kontrastverlust beim Sehen wahr. Äußerst selten kommt es als Nebenwirkung einer Laseroperation am Auge zu einer Über- oder Unterkorrektur der Sehfähigkeit, die einen Folgeeingriff erforderlich macht. Eine Überkorrektur kann es zeitweise auch nach der Behandlung geben, wenn sich das Auge an die neue Sehkraft gewöhnt.

Gibt es Langzeitstudien zu den Operationsverfahren?

Nein. Bisher existieren noch keine Langzeitstudien zu den verschiedenen Methoden des Augenlaserns. Das Verfahren ist noch zu neu. Daher lassen sich leider keine Aussage darüber treffen, ob und inwieweit es nach mehreren Jahrzehnten zu einer Rückbildung des Operationserfolges kommen kann. oder Doppelbildern kommen.

Augenarzt
Die Voruntersuchung ist besonders wichtig. Sie entscheidet, welches OP-Verfahren für Dich in Frage kommt.

Was sollte ich bei einer Augen-OP im Ausland beachten?

Viele Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz möchten sich gerne im Ausland operieren lassen. Dies trifft auch auf Augen-Operationen zu. Im Ausland sind die meisten Eingriffe deutlich günstiger. Allerdings müssen im Fall eines Auslandsaufenthaltes Erstberatung, Voruntersuchung und Behandlung in wenigen Tagen erfolgen. Meist liegt der Rückflug im unmittelbaren Anschluss an die Operation. Der Arzt steht daher unter erhöhtem Zeit- und Leistungsdruck. Ob Du diesen zusätzlichen Stress auf Dich nehmen möchtest, kannst nur Du selbst entscheiden.

Die Ausbildung und Erfahrung von Ärzten in Ländern wie der Türkei entspricht häufig der von Chirurgen in Deutschland. Aufgrund des steigenden Operations-Tourismus pflegen manche Kliniken Kooperationen mit deutschen Augenlaserzentren. Wichtig für einen optimalen Behandlungsverlauf sind die Geräte, die benutzt werden. Sie sollten EU-Standards entsprechen und nicht zu alt sein. Bei Auslandsreisen ist oft nur die erste Nachuntersuchung vor Ort im Preis inbegriffen. Komplikationen und Nebenwirkungen nach der Rückkehr nach Deutschland, wie trockene Augen, können nicht vom gleichen Ärzteteam behandelt werden. Dies ist ein zusätzliches Risiko, das Du beachten musst.

Kurz gesagt:

Wer von seiner Brille oder Kontaktlinsen genervt ist, sollte eine Laser-Operation in Erwägung ziehen. Die OP dauert meist nur wenige Minuten und Du bist bereits einen Tag später wieder fit für Beruf oder Freizeitaktivitäten. Die Risiken schätzen Experten als gering ein. Langzeitstudien über die nachhaltige Wirkung der OP-Methode gibt es allerdings nicht. Lasse Dich also intensiv von dem Augenarzt Deines Vertrauens beraten und recherchiere eine gute Klinik, die Erfahrung mit der von Dir gewünschten Operationsmethode hat. So behältst Du den Durchblick.

 

 

 

 

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