Unerwiderte Liebe: Was tun, wenn Du die Liebe nicht erwiderst?

Veröffentlicht am 25. Januar von Lieselotte Wever in Besser leben

Jemand flirtet ständig mit Dir oder hat sich offensichtlich heftig in Dich verliebt? Dein Problem: Du liebst die Person nicht. Du liebst sie jetzt nicht und weißt, Du wirst es auch später nie tun. Wie vermittelst Du das? Und: Wie gehst Du dabei mit Deinen eigenen Gefühlen um? Denn obwohl Du nicht zurückliebst, löst die von Dir unerwiderte Liebe nicht nur im anderen, sondern auch in Dir etwas aus.

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Unerwiderte Liebe – keine einseitige Angelegenheit

Im Internet wimmelt es von Ratschlägen bei unerwiderter Liebe. Dabei findet die einseitige Liebe erneut Einseitigkeit, indem sie fast ausschließlich aus Sicht der unglücklich Verliebten besprochen wird. Interessiert es wirklich niemanden, wie es den chancenlos Angehimmelten damit geht? Sie sind zwar diejenigen, die eine Liebe nicht erwidern, doch heißt das keineswegs, dass sie die Gefühle und Versuche des Liebenden unberührt lassen. Sie fühlen mit und reagieren auch auf sich selbst bezogen darauf. Zeit für einen Perspektivwechsel also, der zur Abwechslung mal die Sicht der vergebens Geliebten zeigt und dabei den unerfüllt Liebenden die Augen weiter öffnet.

Wie unerwiderte Liebe auf die begehrte Person wirkt

Kalt lassen wird Dich eine von Deiner Seite aus unerwiderte Liebe nicht. Ausnahmen: Es handelt sich um eine heimliche Anbetung Deiner Person oder Du bemerkt die Liebe nicht, weil der oder die Liebende sich nicht entsprechend erklärt und gesendete Signale zu dezent sind.

Sonst aber werden sich in Dir Gefühle melden, die trotz der von Dir nicht erwiderten Liebe sowohl positiv wie negativ sein können. Wie Du Dich fühlst, hängt einerseits von Deiner persönlichen Charakterstruktur ab, zum anderen stark von der Dich liebenden Person, der Art, wie sie ihre Liebe zu Dir zeigt sowie von der Situation, in der Ihr beiden Euch allgemein befindet.

Es ist gut möglich, dass Du bereits Erfahrung mit solcher einseitiger Liebe hast und Dich in einigen der gleich folgenden Beschreibungen verschiedener Reaktionen darauf wiederfindest. Du wirst Dich erinnern, wie erleichtert Du warst, wenn der andere bald einsah, dass es für ihn keinen Zweck hat. Womöglich aber artete auch alles in ein Drama aus. Bliebst Du bisher jedoch verschont, wird dies im Laufe Deines Lebens vermutlich nicht so bleiben. Diese Reaktionen sind typisch:

Du fühlst Dich geschmeichelt

Diese Gefühlsvariante ist die einzige angenehme Reaktion auf unerwiderte Liebesbekundungen. Auch wenn Dich die Person für eine Liebesbeziehung nicht interessiert oder sie Dir vielleicht sogar unsympathisch ist, kannst Du Dich dennoch geschmeichelt fühlen. Schließlich bekommst Du gerade bestätigt, dass Du auf andere attraktiv wirkst. So etwas ist kaum jemandem egal.

Doch Vorsicht! Zeigst Du jetzt, wie Dir das Verhalten der anderen Person schmeichelt und gehst Du aus gut gemeinter Höflichkeit oberflächlich darauf ein, sendest Du ein falsches Signal. Den Verliebten wird Deine Reaktion unnötig ermutigen. Er macht sich Hoffnungen, die schon bald zerstört werden. Gefühle anderer solltest Du ernst nehmen, selbst wenn Du sie nicht teilst.

Du bist genervt

Dieses Gefühl tritt besonders häufig auf bei Zielpersonen unerwiderter Liebe: Sie fühlen sich genervt. Die Ursachen hierfür sind unterschiedlich. Du wirst Dich vor allem hierdurch genervt fühlen:

  • Dein Verehrer merkt oder akzeptiert einfach nicht, dass er nicht Dein Typ ist. Er gibt keine Ruhe. Seine Umwerbungsversuche können sich zudem über einen langen Zeitraum erstrecken, was den Nervfaktor überproportional erhöht.
  • Es handelt sich um einen von Dir als peinlich empfundenen Menschen. Dafür kann es objektiv berechtigte Gründe geben, aber auch rein subjektive, die ungerecht erscheinen mögen. Aber Liebe hat nun einmal nicht unbedingt etwas mit Vernunft zu tun. Manche Leute nerven eben einfach.
  • Der Verliebte ist im Grunde ein netter Mensch, doch passt es nicht. Es stellt sich bei Dir keine Gegenliebe ein, oft auch behindert von zu großen Gegensätzen, zum Beispiel in den Interessen, der Weltanschauung, dem Bildungshintergrund und Lebensstil. Hier wirst Du es oft als schwierig empfinden, dem einseitig Liebenden einen Korb zu geben. Das zerrt ebenfalls an den Nerven, wenn auch aus Mitgefühl.
  • Einige Menschen verlieben sich auch in jemanden, von dem sie sich ein unzutreffendes Bild machen. In Wirklichkeit lieben sie also nicht Dich, sondern ihre Vorstellung von Dir, entstanden aufgrund mangelhafter Menschenkenntnis. Ist Dir ihre Fehleinschätzung bewusst, fühlst Du Dich genervt, umso mehr, je hartnäckiger der andere um Dich wirbt.
  • Insbesondere starke Frauen erleben es immer wieder, dass sich schwache, hilfsbedürftige Männer in sie verlieben. Sofern eine Frau nicht gerade ein ausgeprägtes Helfersyndrom hat, nerven sie solche Avancen. Als starke Persönlichkeit wirst Du einen Partner auf Augenhöhe bevorzugen.
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Du wirst sauer

Es gibt Fälle unerwünschter Liebesbekundungen, die ein gewöhnliches Nervpotenzial überschreiten. Du spürst, wie sich in Dir Aggressionen sammeln. Kurz: Du wirst sauer. So weit kommt es vor allem hierdurch:

  • Der schon gleich zu Anfang unter den Nervfaktoren aufgeführte hartnäckige Verehrer hört einfach nicht auf. Selbst noch so deutliche Worte Deinerseits schrecken ihn nicht ab. Er sieht seine Bemühungen als reizvolle Herausforderung. Du bist die Beute, die er wie ein Stück Wild erlegen will. Fast scheint es, als sei angesichts Deines Widerstands sein Bemühen um Dich zum Selbstzweck geworden. Wen soll da nicht irgendwann die Wut packen?
  • Ein verwandter Charakter dieser Spezies ist der völlig von sich selbst überzeugte und sich für unwiderstehlich haltende Charmeur. Sein selbstverliebtes Auftreten und die demonstrative Gewissheit, dass Du zu ihm selbstverständlich nicht nein sagen kannst, machen ihn von Anfang an unsympathisch. Hier wirst Du die Stufe des Genervtseins gleich überspringen und sauer reagieren. Was bildet der sich eigentlich ein? Wie kann er überhaupt nur denken, dass seine plumpe Art bei Dir ankommt?
  • Du befindest Dich in einer glücklichen Beziehung. Natürlich weißt Du, dass auch liierte Menschen auf Flirtversuche Dritter positiv reagieren können. Einige machen mit, sehen es als kleines Spiel zwischendurch, belassen es allerdings beim Flirten. Für sie war es ein unverbindliches Intermezzo. Andere lassen sich auch mal auf mehr ein. Wer einigermaßen flirtgeübt ist, sollte wissen, dass es eine Einladung ohne Erfolgsgarantie ist. Auch stellt sich für den Flirtenden gelegentlich erst später heraus, dass der andere gebunden ist. Wer das nicht einsehen und sich mit Macht in eine feste Beziehung drängen will, ist keine Nervensäge mehr, sondern ein Bombenleger. Richtig sauer macht es, wenn er dann noch argumentiert wie: „Aber Du hast doch zurückgeflirtet! Wer A sagt, muss auch B sagen.“

Du fühlst Dich gestalkt

Unerwünschtes Nachstellen kann eine Intensität annehmen, die mit dem englischen Begriff Stalking beschrieben wird. Darunter ist eine extreme Belästigung zu verstehen, die bereits in Verfolgung umschlägt, den Alltag des Stalkingopfers massiv beeinträchtigt und in ihm ein Gefühl der Bedrohung und des Ausgeliefertseins auslöst. Seelische und körperliche Gesundheitsschäden können die Folge sein.

Stalking stellt inzwischen auch in Deutschland einen Straftatbestand dar. Die Übergänge von hochgradiger Belästigung bis zum Stalking im Sinne des Gesetzes sind jedoch fließend. Nicht immer entspricht behauptetes Stalking der damit gemeinten Sachlage. Berichtet aber jemand, er würde von einem Stalker tyrannisiert, offenbart er hiermit einen hohen persönlichen Leidensdruck. Es wird klar, dass hier eine Grenze weit überschritten wurde.

Hast auch Du den Eindruck, dass es sich bei Deinem hartnäckigen Verehrer um einen Stalker handelt, und weißt Du allmählich keinen Rat mehr, wie Du Dich aus dieser Situation befreien kannst, solltest Du den Stalker anzeigen beziehungsweise zur Beratung und möglichen Klage einen Rechtsanwalt aufsuchen.

Typisch für Stalker sind Verhaltensweisen wie diese:

  • Er schreibt Dir alle paar Tage oder sogar täglich einen Liebesbrief und schickt Dir Blumen oder andere Geschenke, obwohl Du Dir das immer wieder verbittest.
  • Er ruft ständig bei Dir an, auch nachts. Gehst Du nicht ans Telefon, quatscht er Dir den Anrufbeantworter voll. Nimmst Du den Anruf entgegen und belässt er es dann nicht bei Komplimenten oder Liebesschwüren, sondern bedroht Dich oder versucht, Dich zu erpressen, stellt das bereits eine strafbare Bedrohung oder Nötigung dar.
  • Eine beliebte Taktik von Stalkern ist es außerdem, beharrlich den direkten Kontakt zu Dir zu suchen, Dir diesen regelrecht aufzuzwingen. Dein Stalker steht vor Deinem Haus, „holt Dich ab“ von Deiner Arbeitsstelle oder erscheint in Geschäften, Lokalen oder auf Veranstaltungen, wenn er erfahren hat, dass Du dort hingehst.

Wie Du am besten mit unerwünschten Verehrern umgehst

Wahrscheinlich hast Du es selbst schon erlebt, wie schlecht man sich fühlt, wenn man zurückgewiesen wird. Wenn nicht, kannst Du es Dir bestimmt vorstellen. Gerade empathischen Menschen fällt es schwer, ihrerseits jemanden zurückzuweisen. Doch tust Du damit demjenigen nicht wirklich einen Gefallen. Bist Du an keiner Liebesbeziehung interessiert, zeige dies deutlich. Andernfalls wird sich der andere unnötig Hoffnungen machen, und je später diese sich zerschlagen, desto mehr wird er darunter leiden. Möchtest Du das? Eine Absage kannst Du schließlich freundlich formulieren. Sage der Person, dass Du sie magst, aber mehr als eine nette Bekanntschaft nicht drin ist. Etwas wie: „Lass mich in Ruhe!“ oder gar: „Sag mal, was bildest Du Dir denn ein? Guck Dich doch mal an!“ muss nicht sein, ebenso wenig wie sich lustig machen.

Zeigt sich jedoch, dass sich jemand mit einer höflichen Absage nicht zufriedengibt, sondern es weiter versucht, darfst Du gern deutlicher werden. Sieh dabei allerdings von Beleidigungen ab. Sprich am besten energisch und mit lauterer Stimme. Sieh ihm dabei fest in die Augen. Notfalls übst Du das allein zu Hause vor einem Spiegel oder zusammen in einem Rollenspiel mit Freunden. Es geht jetzt darum, möglichst rasch klarzumachen, dass Du null Interesse hast und alle Liebeserklärungen vergebens sein werden. Es kann außerdem helfen, wenn auch Freunde oder Familienangehörige von Dir das ebenfalls zusätzlich bekräftigen.

Einladungen zum Essen oder ins Kino solltest Du besser nicht aus purer Höflichkeit annehmen. Entweder sagst Du gleich ganz ab – nicht nur für den einen Freitag oder den restlichen Monat, sondern generell. Oder aber Du stellst klar, dass Du darin tatsächlich nicht mehr als ein Essen zu zweit oder einen gemeinsamen Kinobesuch siehst und bestehst schon im Voraus auf getrennter Bezahlung. Höre dabei ruhig auf Deinen Instinkt, welche der beiden Lösungen Dir als passend erscheint.

Bloß keine missverständlichen Signale senden

Ursächlich als Grundstein für eine unerwartet Liebe sind häufig fehlinterpretierte Handlungen oder angeblich gesendete Signale von Dir. Da wird Dein harmloses Lächeln als Beziehungsinteresse gewertet. Oder in Deiner Hilfsbereitschaft mehr als ein Gefallen gesehen. Selbst ein simples Türaufhalten erhält eine bedeutungsvolle Symbolik. Es ist schade, aber wenn Dir auffällt, dass jemand in Deinem Umfeld offensichtlich ein Auge auf Dich geworfen hat, Du aber kein Interesse an ihm hast, kontrolliere lieber Deine Mimik, Gesten und Handlungen.

Sicher vor falsch ausgelegten Signalen bist Du aber nie. Teilweise können derartige Deutungen groteske Formen annehmen: Die Farbe Deiner Handtasche kann dann ebenso ein Zeichen sein wie Dein nächstes Urlaubsziel. Oder aus Zufällen werden wegweisende Fügungen, weiß doch schließlich jeder, dass es Zufälle gar nicht gibt. Im harmlosen Fall hat sich ein unglücklich Verliebter nur in etwas hineingesteigert und sieht seinen Irrtum später ein. Gefährlich werden kann es allerdings, wenn hinter solchen weithergeholten, unzutreffenden Deutungen eine ernste neurotische Störung steckt. Nicht haargenau dasselbe wie einseitige Liebe, aber ähnlich, ist die Erotomanie.

Bei Verdacht auf eine ins Wahnhafte gesteigerte Liebe nach Dir solltest Du nach Möglichkeit jeden weiteren Kontakt meiden. Vor allem in Deiner Freizeit wird das nicht schwer sein. Komplizierter ist es im Berufsleben oder wenn ein Nachbar Dich bedrängt. Eine Versetzung wird nicht immer möglich sein, ebenso nicht immer ein Umzug. Versuche dann unbedingt, Dir Beistand zu organisieren. Hilfreich kann ein Gespräch sein: zuerst mit dem übereifrigen Verehrer, gegebenenfalls – sollte dies nichts bringen – mit übergeordneten Personen, wie dem Chef im Berufsleben oder der Hausverwaltung bei Mietverhältnissen.

Einseitige Liebe im Film

Als sehr gut gelungenes Beispiel für eine unerwiderte und sich in ein einen Wahn steigernde Liebe empfehlen wir Dir den französischen Spielfilm „Wahnsinnig verliebt“ mit Audrey Tautou und Samuel Le Bihan in den Hauptrollen. Das Besondere an diesem Film ist neben der ausgezeichneten Beschreibung einer einseitigen Liebe die gezeigte Handlung aus Sicht beider Personen: zuerst der liebenden Angélique, danach des vergebens begehrten Loïc, was die jeweils verschiedenen subjektiven Wahrnehmungen anschaulich herüberbringt.

Was tun bei einer Selbstmorddrohung?

Eine ganz linke Tour ist ein Erpressungsversuch mit angedrohtem Selbstmord bei unerwiderter Liebe. Tückisch: Du weißt nicht, ob derjenige nur blufft oder es tatsächlich ernst meint. Jedem Vernünftigen muss einleuchten, dass ein angekündigter Selbstmord beim anderen kein plötzliches Verliebtsein auslöst. Ebenso wird sich niemand opfern und Liebe simulieren, damit sich jemand anders bloß nichts antut. Nur: Wie vernünftig ist eine Person, die so etwas sagt? Du befürchtest: Sollte der andere wirklich so verzweifelt sein und sich Deinetwegen das Leben nehmen, kämst Du nie darüber hinweg. Den Rest Deines Lebens würdest Du Dich schuldig fühlen. Eine vertrackte Situation!

Du bist jedoch nur bedingt für andere verantwortlich. Natürlich sollst Du nicht wegsehen, sondern im Rahmen des Machbaren helfen, wenn jemand in Gefahr ist. Nur musst Du nicht Deine eigenen Gefühle verleugnen, damit sich jemand anders besser fühlt. Hast Du den Eindruck, der andere ist wirklich selbstmordgefährdet, antworte ihm, dass er in ärztliche Behandlung gehört und Du vorsichtshalber den Notarzt rufen wirst. Letztendlich wirst Du einen potenziellen Selbstmordkandidaten nicht vom Schlimmsten abhalten können. Du kannst nur Dein Bestes versuchen. Gerätst Du deswegen in eine Krise, vertraue Dich bitte einem Therapeuten an.

Zum Glück sind Selbstmorde wegen unerfüllter Liebe Ausnahmen. Halte Dich dennoch nicht blind an die weit verbreitete Meinung: „Wer seinen Selbstmord ankündigt, tut es dann doch nicht.“ Die Erfahrungen sind hier leider zu unterschiedlich.

Kurz gesagt

Bei einseitiger Liebe erhalten vor allem die unglücklich Verliebten Mitleid. Kaum jemand scheint sich zu fragen, wie es bei unerwiderter Liebe den vergebens Umworbenen geht. Dabei verdienen auch sie Mitleid. Sie sonnen sich nämlich höchst selten im vergeblichen Begehren ihrer Verehrer. Vielmehr fühlen sie sich unwohl, vor allem genervt, wütend oder sogar gestalkt. Es war höchste Zeit für einen Ratgeber-Artikel für Zielpersonen von unerwiderter Liebe.

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