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Kinderbuchautorin Meike Haberstock im Interview

von Lieselotte Wever
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Ein Mädchen liegt in einer Märchenwelt auf einem großen Buch zwischen Füchsen und Riesenpilzen

Wer auf der Suche nach Büchern für Kinder ist, die außer „niedlich“ noch mehr bieten, sollte zu Kinderbüchern von Meike Haberstock greifen. Ihre Bücher sind niedlich – und außerdem witzig, spannend und besinnlich. Das ist so gelungen, dass selbst Erwachsene Spaß mit den Büchern haben.

Kinderbücher „aus einem Guss“

Kinderbücher von Meike Haberstock sind „aus einem Guss“: Die Autorin ist gleichzeitig Illustratorin ihrer Kinderbücher. Beides gelingt ihr vorzüglich. Eine kindgerechte Sprache, die dabei Kinder ernst nimmt, und detailreiche bunte Zeichnungen verbinden sich perfekt.

Mit den Kinderbüchern von Meike Haberstock sammeln Kinder erste Buch- und Leseerfahrungen. Die Reihe „Paula & Pelle“ nimmt den Raum zwischen Bilderbuch und Kinderroman ein. Sie ist genau richtig für Kinder, die schon selbst lesen können und dem Bilderbuchalter entwachsen sind, aber mit dem Lesen vieler engbedruckter Textseiten in einem Kinderroman noch zögern. In den „Paula-&-Pelle“-Bänden steht deutlich mehr Text als in einem Bilderbuch, aber in augenfreundlicher großer Schrift und großzügig aufgelockert durch ebenfalls aussagekräftige bunte Zeichnungen. Hier stellt sich der Leseerfolg automatisch ein und stellt die Weichen vom Bilderbuchgucker zur Leseratte.

Ein Team zum Liebhaben: Paula und Pelle

Paula Pumpernickel wohnt mit ihrer Mama, ihrem Papa und dem Mischlingshund Pelle in der Möhrchenstiege 7 in Hannover, der Stadt, in der auch Meike Haberstock mit ihrer Familie lebt. Paula und Pelle unternehmen viel zusammen. Was sie dabei Lustiges und Spannendes erleben, können Kinder in den Büchern über Paula und Pelle mitverfolgen.

Erschienen sind bisher zwei Paula-&-Pelle-Bände: „Der beste Hund der Welt“ und „Eiscremebunter Sommerspaß“.

Paula & Pelle: Der beste Hund der Welt

Paula und Pelle - Der beste Hund der Welt
  • 80 Seiten - 14.07.2016 (Veröffentlichungsdatum) - arsEdition (Herausgeber)

Wie Pelle in die Familie Pumpernickel kam und was er alles mit Paula beim Wettbewerb „Der beste Hund der Welt“ erlebt, ist fantasievoll, lustig und spannend erzählt. Manche Verhaltensweisen ehrgeiziger Frauchen und Herrchen erkennen Kinder bestimmt aus anderen schon selbst erlebten Situationen wieder. Paula gewinnt durch die Teilnahme am Wettbewerb eine wichtige Erkenntnis fürs Leben. Die detailreichen bunten Zeichnungen machen zusätzlich Spaß. Nach dem Lesevergnügen kommt unweigerlich der Wunsch nach einem weiteren Paula-&-Pelle-Band auf.

Paula & Pelle: Eiscremebunter Sommerspaß

Paula und Pelle - Eiscremebunter Sommerspaß
  • 80 Seiten - 14.07.2016 (Veröffentlichungsdatum) - arsEdition (Herausgeber)

Sonntag – und Mama und Papa wollen einfach nur nichts tun. Wie öde! Pelle macht das zwar weniger aus, doch Paula beschließt: Heute geht es ins Freibad. „Wenn wir da sind, könnt ihr mit dem Nichtstun gleich weitermachen. Versprochen!“, überzeugt Paula ihre Eltern schnell. Kraulen im Freibad? Das gefällt auch Pelle. Was Paula und ihr Hund Pelle an diesem Tag im Freibad treiben, wo sie ausgerechnet dem Fiesling Finn aus Paulas Schule begegnen, der auch im Freibad nicht netter ist, und wie sie es ihm zeigen, das ist äußerst vergnüglich in „Eiscremebunter Sommerspaß“ zu lesen.

Die besonderen Bücher von arsEdition

Der Verlag arsEdition hat sich auf Bücher mit künstlerischen Merkmalen spezialisiert. Sie sind besonders reich illustriert oder enthalten Bestandteile, mit denen aus ihnen Bücher zum Mitmachen werden. Kinderbücher und Geschenkbücher bilden Schwerpunkte bei arsEdition. Rubriken wie „Lernen & Rätseln“, „Malen & Basteln“, „Kreatives für Erwachsene“ sowie „Unterrichtsmaterialien“ ergänzen passend das Buchangebot. Ebenso sind digitale Angebote vertreten. Den genauen Überblick verschafft die Webseite des Verlags arsEdition.

Autoren-Interview mit Meike Haberstock

Die Autorin Meike Haberstock gewährte uns in Hannover im Interview Einblicke in ihren Autorenalltag. Außerdem erzählte sie über Erlebnisse mit ihrem jungen Publikum bei Lesungen, was sie selbst gern liest, was in Buchentscheidungen von Verlagen hineinspielt … und noch viel mehr.

Foto von Kinderbuchautorin und Zeichnerin Meike Haberstock

Autorin und Illustratorin Meike Haberstock

Vielen Dank, Frau Haberstock, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen. Klassischer Einstieg: Haben Sie schon immer Lust aufs Schreiben gehabt? Zum Beispiel als Kind mit eigenen Geschichten oder bei der Schülerzeitung?

Ich habe immer gerne geschrieben und gezeichnet, seit jeher.

Wie ich weiß, hatten Sie ursprünglich Sozialpädagogik studiert. Kurz vor dem Diplom sind Sie umgeschwenkt und zur Werbeagentur Springer & Jacoby gegangen. War das einfach? Welche Argumente hatten Sie?

Ich hatte gar keine Argumente. Ich hatte einfach Lust darauf, das zu tun. Ich hatte keine Referenzen, keine Arbeitsproben, gar nichts … Es gibt ja diese Copytests mit Aufgaben, die man lösen muss. Da habe ich also einen Copytest ausgefüllt und hingeschickt. Drei Tage später habe ich einen Anruf bekommen: „Wann möchten Sie bei uns anfangen?“ So hatte ich damals den Einstieg in der Werbeagentur geschafft.

Seit wann schreiben Sie Kinderbücher?

Das erste ist im Januar 2015 erschienen.

Lief das parallel zum Werbejob oder hatten Sie gleich den Absprung zu den Kinderbüchern gemacht? Zum Beispiel mit familiären Angelegenheiten verbunden, wie mehr für die eigenen Kinder da zu sein und dabei Kinderbücher schreiben?

Das erste Buch habe ich geschrieben, als mein erster Sohn noch sehr klein war. Das Manuskript lag jahrelang in meiner Schreibtischschublade herum. Als meine Zwillingsmädchen auf die Welt kamen, habe ich das fertig gemacht. Danach ging alles seinen Weg. Es kam Buch nach Buch nach Buch … Ich habe das nur kurz parallel zur Werbung gemacht.

Sie hatten gleich vom Start weg einen enormen Output von Kinderbüchern. Da kam mir schon der Gedanke, Sie hatten womöglich die Geschichten schon alle im Hinterkopf beziehungsweise die Schublade voller Manuskripte und Zeichnungen. So war es also nicht. Das war nur so bei Ihrem ersten Buch.

Ja.

Sie möchten künftig ein bisschen kürzertreten. Was bedeutet das? Werden Sie künftig Ihre Bücher in langsamerer Folge herausgeben?

Ja, ich schreibe ein paar Bücher weniger. Ich werde nicht direkt kürzertreten, sondern noch etwas anderes machen. Ich bin gerade dabei, Module für Zeichenkurse und Schreibkurse zu entwickeln: für Kinder im Vorschulalter, Grundschulalter und vielleicht noch bis zur 5. oder 6. Klasse. Bei welchem Alter genau es enden wird, weiß ich im Moment noch nicht genau. Für das Vorschul- und Grundschulalter entwickele ich gerade verschiedene Kursmodule. Das möchte ich gerne machen: mit Kindern schreiben und zeichnen.

Wo werden die Kurse stattfinden?

In Kindergärten, bei Bildungsträgern, in Schulen – da gibt es viele Nachmittagsangebote – und in verschiedenen weiteren kulturellen Einrichtungen.

Das wird bestimmt eine tolle Sache!

Ja, ich hoffe das sehr! Ich habe große Freude daran. Die Kinder berichten mir in den Lesungen sehr oft, dass sie schon alle selber ihre eigenen kleinen Geschichten schreiben. Da möchte ich gerne ansetzen. Diese Freude am Schreiben und Zeichnen haben so gut wie alle Kinder. Da kann man den Kindern sozusagen rechts und links ein bisschen Hilfestellung geben und so diese Freude verstärken. Es geht mir nicht um „schön“, sondern nur um die Lust und die Freude.

Es muss doch gar nicht schön sein …

Nein, es geht überhaupt nicht um schön. Es geht in keinster Weise um schön, um richtig oder falsch, sondern es geht um das Gefühl „Wie zeichne ich?“ Dann kommt das Besserwerden ganz automatisch – Stück für Stück. Das möchte ich Kindern an die Hand geben, auf sehr lustige Art und Weise, in kleinen Gruppen. Im Laufe des Jahres wird das starten. Circa 50 % meiner Zeit werden die Kinderkurse einnehmen und die anderen 50 % werden weiter das Schreiben und Zeichnen meiner Bücher ausmachen. Das heißt, es werden dieses Jahr nicht 5 Bücher werden, sondern vielleicht nur 2 oder 3.

Dann haben Sie also keinen Druck, das Pensum zu halten? Zum Beispiel, dass der Verlag Vorgaben macht wegen der Menge oder Sie selbst haben hierzu einen bestimmten Anspruch an sich …

Nein, Ideen kann man nicht im Vorfeld beziffern. Die kommen eben wie sie kommen.

Ihr erstes Kinderbuch hieß „Anton hat Zeit“ und war gleich beim bekannten Kinderbuchverlag Oetinger herausgekommen. Hatten Sie da Beziehungen oder war das eine glückliche Fügung?

Das ist eine schöne Frage die Sie stellen. Wenn ich mal ein bisschen ketzerisch sein darf: Das ist eine typische Frauenfrage. Einen Mann würden Sie so etwas wahrscheinlich nicht fragen. Ihn würden Sie fragen: „Waren Sie so gut?“ Oder der Mann würde sagen: „Ich war so gut“.

Es kann ja jemand wirklich einfach Glück haben.

Kein Verlag wird Ihnen ein Buch veröffentlichen, weil Sie Glück haben, sondern weil sich der Verlag etwas davon verspricht.

Verlage lehnen Bücher auch ab, obwohl sie gut sind, weil es dort gerade nicht ins Programm passt.

Ja, genau.

Ich weiß, was Sie ansprechen mit „Glück haben“. Der Hintergrund Ihres Einwurfs ist mir nicht ganz neu und ich kann das gut nachvollziehen. Ich dachte jetzt bei Glück, dass Sie beim Verlag gerade den richtigen Moment erwischt hatten. Männern geht es in diesem Punkt ebenso. Man hört doch oft, dass ein Buch beispielsweise bei 20 Verlagen abgeblitzt ist und später ein Bestseller wurde. Manchmal wird allerdings ein Autor verkannt. Verlage erhalten eine Flut an Manuskripteinsendungen, teilweise sicher auch furchtbare Sachen darunter. Verleger denken wirtschaftlich, planen voraus …

Verlage sind Wirtschaftsunternehmen. Mit denen hat man keine romantische Beziehung und es handelt sich auch nicht um ein ehrenamtliches Miteinander. Es ist eine Geschäftsbeziehung. Veröffentlichen ist ein Wirtschaftsprojekt, wenn Sie so wollen. Der Autor bekommt Geld, der Verlag verspricht sich dadurch ebenfalls etwas. Es ist im Grunde wie Brötchen verkaufen.

Genau. Der Verlag muss schließlich leben können. Es gab einige Verlage, die bei ihrer Gründung sehr idealistisch loslegten und insolvent wurden.

Ja, das ist höchst tragisch. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Möglicherweise war es ein guter Zeitpunkt, als ich mein erstes Buch herausbrachte. Das kann ich nicht beantworten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich eine Agentin, die mein Manuskript auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hatte. Der Verlag wollte es – und so kam es dazu.

Spielen in Ihren Geschichten auch persönliche Erlebnisse eine Rolle, zum Beispiel aus der eigenen Kindheit, von verwandten und bekannten Kindern einschließlich Ihrer eigenen Kinder?

Durch meine drei Kinder habe ich jeden Tag Anregungen. Da passiert jeden Tag so viel, was dann auch in kleinen Teilen in meinen Büchern auftaucht.

Und bei den Zeichnungen? Die wirken bei Ihnen so lebendig. Manche Zeichnungen bei Paula und Pelle erwecken in mir den Eindruck, dass das vielleicht Leute aus Ihrer Nachbarschaft sind?

Nein, da ist alles frei erfunden. (lacht)

Glauben denn manche, dass sie in Ihren Büchern vorkommen? Davon hört man doch gelegentlich: Leute glauben, sie seien mit bestimmten Figuren gemeint?

Das ist mir noch nie passiert, nein. (lacht)

Träumen Sie manchmal Ideen?

Ideen verfolgen mich den ganzen Tag. Es ist nicht so, dass ich morgens aufwache und DIE Idee im Traum gehabt habe. Ich habe ständig Ideen – tagsüber.

Welches Lieblingsbuch hatten Sie als Kind?

„Serafin und die Wundermaschine“ von Philippe Fix: Das Buch liebe ich bis heute. Dann alle Bücher von Astrid Lindgren und von Michael Ende.

Was lesen Sie heute gern?

Skandinavische Krimis. Und Kinderbücher. Ich lese bis heute viele Kinderbücher – nicht nur für meine Kinder, sondern auch für mich.

Was möchten Sie mit Ihren Kinderbüchern bei Kindern bewirken? Im Buch „Paula & Pelle: Der beste Hund der Welt“ geht es zum Beispiel darum, dass man immer man selbst sein soll. Ich fand es wunderbar, dass das Buch ganz ohne pädagogischen Zeigefinger auskommt. So etwas finde ich nämlich furchtbar. Das hatte mich in solchen Büchern schon als Kind genervt. Kinder merken doch genau, wenn sie mit dem Holzhammer oder übertrieben moralisch auf etwas gebracht werden sollen. Davon sind Ihre Bücher so wunderbar frei!

In erster Linie sollen meine Bücher Spaß machen. Mir ist es wichtig, dass Kinder Freude an Büchern und Geschichten haben. Das heißt nicht, dass die Geschichten flach sein müssen. Man kann durchaus eine Botschaft transportieren, ohne dass diese mit dem Holzhammer daherkommt. Das möchte ich bei den Kindern mit meinen Büchern erreichen: Freude, einfach Spaß, Spaß am Lesen, Spaß am Bild.

Spaß: dass Kinder Interesse haben, weiterzulesen … Wer als Kind liest, liest auch als Erwachsener – und umgekehrt.

Genau. Das denke ich auch.

Im Buch „Paula & Pelle: Der beste Hund der Welt“ steht die Adresse von Paula und Pelle: Möhrchenstiege 7 in Hannover. Wie ich weiß, schreiben Kinder den Helden ihrer Bücher gern mal Briefe. Das läuft dann häufig über den Verlag. Passiert dies hier auch, und geht die Post an Paula und Pelle dabei direkt an die Möhrchenstiege 7? Haben Sie dafür eventuell bei der Post – ähnlich einem Postfach – eine besondere Adresse einrichten lassen? Falls das überhaupt geht?

Nein, das habe ich nicht. (lacht) Ich kriege Post von Kindern. Da ich aber mit meinen Büchern sehr junge Kinder anspreche, geht das immer noch über die Eltern. Die Kinder schreiben mir schon oft selbstständig, aber die Eltern schicken es ab. Ich kriege viele E-Mails. Es geht tatsächlich oft gar nicht mehr klassisch auf dem Postweg.

Das ist ja für Sie ein tolles Feedback! Sie haben auch eine Autorenwebseite: Meike-Haberstock.de, mit Kontaktformular.

Genau. Die E-Mails sind so niedlich. Ich bekomme außerdem Post von Schulklassen – wirklich zauberhaft. Natürlich beantworte ich alles.

Wenn Sie an Ihren Büchern arbeiten: Läuft das Schreiben und Zeichnen parallel oder nacheinander ab?

Nacheinander: Ich schreibe zuerst, danach zeichne ich. Ausnahme: Am Anfang zeichne ich mir ein oder zwei Figuren, damit ich im Kopf Bilder habe, während ich schreibe. Wenn der Verlag das Manuskript abgenommen hat, fange ich an, das Buch zu illustrieren.

Ein Mädchen liegt in einer Märchenwelt steht auf einem großen Buch neben einem blühenden Kirschbaum und neben ihr ein Hund

Kinderbücher von Meike Haberstock – niedlich, witzig, spannend und besinnlich – auch für Erwachsene ein Genuss

Wenn Sie schließlich den letzten Satz geschrieben, das letzte Bild gezeichnet haben: Wie fühlen Sie sich dann?

Super!!!

Nicht außerdem ein bisschen wehmütig? Es bedeutet gleichzeitig doch einen Abschied?

Nein. Ich finde es einfach nur toll, wenn etwas abgeschlossen ist. Danach freue ich mich aufs nächste Buch. Da bin ich nicht sentimental.

Auf Ihrer weiteren Webseite Littlehausen.de hatte ich den Link zu einem DaWanda-Shop von Ihnen entdeckt. Dort scheint allerdings länger nichts mehr eingestellt zu sein?

Mittlerweile ist bei DaWanda endlich wieder etwas zu finden. Aus Zeitgründen hatte ich ihn auf Pause gestellt – aber nun kann man da wieder so einiges finden. Und es wird wöchentlich mehr.

Geht es in Ihrem DaWanda-Shop auch um Product-Placement?

Mit meinen Büchern hat der DaWanda-Shop nichts zu tun. Der Vertrieb der Bücher ist Verlagssache. Derartige Waren darf ich gar nicht selbst vertreiben. Ich zeichne Poster und Postkarten, vertreibe im Shop also Papeterie-Artikel.

Haben Sie einen bestimmten Tagesablauf? Schreiben und zeichnen Sie zu bestimmten Tageszeiten oder eher unterschiedlich, je nach Flow?

Ich arbeite von 9 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags, manchmal auch noch abends. Ab 3 Uhr am Nachmittag ist erst mal Kinderzeit.

Wird es von Paula und Pelle weitere Geschichten geben?

Ja, da sind noch einige eingeplant. Die Fortsetzung der Serie ist natürlich auch eine Entscheidung des Verlags. Vielleicht sagt er eines Tages: „Es ist gut. Komm, wir probieren etwas Neues aus!“ – weil sich Geschmäcker ändern und Trends im Buchmarkt ebenso. Nicht alles trägt über Jahre. Die Entscheidung trifft der Verlag. Ideen gibt’s genug.

Die jungen Leser werden allmählich älter und es wachsen jüngere nach, für die die Bücher neu sind. Da sind 20 erschienene Bände einer Serie viel.

Das gibt es: Serien von unterschiedlichen Autoren, wo wirklich sehr, sehr viele Bände herausgekommen sind.

Glauben Sie, dass das Schreiben von Kinderbüchern jung hält? Man befindet sich dabei schließlich selber ständig in kindlichen Erlebniswelten.

Ich glaube, um Kinderbücher schreiben zu können, muss man ein sehr ausgeprägtes Kind in sich haben. Das bekommt man nicht durch Schreiben. Entweder man hat das: grundsätzlich Freude am Schreiben und den Büchern, oder nicht. Ich glaube nicht, dass das vergeht.

Ihre Bücher sind äußerst unterhaltsam, dabei drollig, witzig, hintersinnig, frei von süßlicher Harmoniesucht und political Correctness. Sie könnten da doch mal Themen aufgreifen, die nur vermeintlich für Kinder schwierig sind. Solche Themen ließen sich außerdem ironisch behandeln. Stichwort Helicopter-Eltern: aufzeigen, wie überbehütete Kinder unselbstständiger bleiben gegenüber vermeintlich vernachlässigten Kindern, die aber viel eigenständiger und pfiffiger sind. Wäre das nicht eine Idee?

Ja. Es ist aber die Frage, ob man das in Büchern für ein so junges Publikum schon platzieren kann. Statt für 7-Jährige wäre das eher etwas für Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren. Danach geht es schon ins Jugendbuch. Ich finde das Thema sehr schön, meiner Meinung nach überfordert es aber für ein Lesealter von 6 bis 7 Jahre. Da kann man viel zu schreiben. Ich glaube, da kann man sich nicht so kurz halten. In meinen Büchern für diese Altersgruppe steht nicht so viel Text drin. Hier müssen die Texte kurz sein, damit die jungen Leser schnell ein Erfolgserlebnis haben. Die Geschichte darf nicht zu komplex sein.

Was ich für ein Kinderbuch ebenfalls gar nicht so schlecht fände und was sich wohl kürzer unterbringen ließe: Tod in der eigenen Familie – Oma oder Opa sterben. Haben Sie daran schon gedacht?

In einer anderen Serie ist das bereits geplant.

Um jetzt noch etwas Hochaktuelles aufzugreifen: Bücher über oder für Migranten und Asylanten sowie Bücher, um Kindern diese Personengruppe näherzubringen. Wie steht es damit?

Bücher hierzu sind bereits sehr präsent am Buchmarkt. Flüchtlingskinderbücher sind seit ungefähr eineinhalb Jahren verstärkt im Buchhandel vertreten. Das ist wunderbar umgesetzt. Ich selbst bin nicht genügend im Thema und müsste mich erst einarbeiten. Das Flüchtlingsthema ist sehr wichtig und ich finde es grundsätzlich gut, dass der Buchmarkt es aufnimmt.

Jetzt noch mal zu Ihren Lesungen als Autorin. Wenn Sie vor Kindern lesen, gibt es doch bestimmt lustige und berührende Erlebnisse.

Lustig ist es immer. Die Fragen, die Kinder im Anschluss stellen, sind immer sehr schön. Da sind die Klassiker: „Woher kommen deine Ideen?“ und „Warum schreibst du das?“ Letztens fragte mich ein Kind: „Warum machst du keine geraden Striche? Hast du kein Lineal?“ Das fand ich eine schöne Beobachtung. Ich mache tatsächlich keine geraden Striche. Eine wunderschöne Frage – großartig. Eine andere wunderschöne Frage, die mir mal gestellt worden ist: wie lange ich noch bis zur Rente hätte! (lacht)

Na, Autor kann man sowieso sein ganzes Leben lang sein, wenn man möchte.

Wie ernst nimmt Ihr privates Umfeld Ihren Autorenjob? Glauben die Leute, Sie könnten sich Ihren ganzen Tag frei einteilen, hätten also immer Zeit für stundenlange Anrufe oder Besuche? Oder ein Unglauben: Sie arbeitet, indem sie schreibt, und dafür bekommt sie auch noch Geld? Kennen Sie so etwas?

Ich kenne dieses allgemeine Vorurteil, aber eher im Werbebereich. Ich glaube, es war Kurt Tucholsky, der sagte: „Das bisschen, was ich lese, das kann ich auch selber schreiben.“ Viele Menschen haben bei der Werbung das Vorurteil, das habe nicht Hand und Fuß. Beim Bücherschreiben wiederum ist mir das noch nicht so passiert. Alle wissen, dass ich in der Zeit von 9 bis 3 arbeite. Es ist völlig klar, dass meine Kinder in den Kindergarten gehen, und ich zwischen 9 und 3 mit niemandem zum Zahnarzt gehe, nicht einkaufen gehe und auch keine Wäsche mache. Da darf es in unserem Haus auch mal vorübergehend wild aussehen. Das ist so, als wäre ich nicht zu Hause, auch wenn ich zu Hause am Schreibtisch sitze. Das behandele ich völlig stringent. Das Umfeld geht da mit. Alle fragen mich, wann das nächste Buch kommt und sie wieder was von mir lesen können … Freunde und Bekannte und so – doch, die nehmen das ernst.

Von Anfang an?

Spätestens mit Erscheinen des ersten Buches beziehungsweise Unterzeichnen des ersten Vertrages kriegt das eine gewisse Professionalität, die auch erkannt wird.

Wie gehen die Personen aus Ihrem Umfeld mit Ihren Erfolgen um? Gibt es da nur positive Reaktionen, oder auch negative wie zum Beispiel Eifersucht?

Die freuen sich alle mit mir.

Haben Sie Kontakt zu anderen Schriftstellern? Gibt es Netzwerke?

Ja, das finde ich auch wichtig, weil Schreiben eine einsame Angelegenheit ist.

Nun sind wir am Ende unseres Interviews angelangt. Nochmals vielen Dank für Ihre Zeit und den Einblick in Ihr Leben als Kinderbuchautorin. Dafür weiterhin viel Erfolg und außerdem für Ihr neues weiteres Projekt: die Schreib- und Zeichenkurse für Kinder!

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