Gemüse auf dem Balkon ernten – Mit dieser Anleitung gelingt es!

Veröffentlicht am 22. März von Philipp Senge in Familie und Garten

Um eigenes Gemüse anzubauen, brauchst Du nicht zwingend einen eigenen Garten. Du musst nicht einmal einen Schrebergarten pachten. Es genügt, wenn Du einen Balkon hast. Wir zeigen Dir, wie Du Deinen Balkon regelrecht in einen kleinen Nutzgarten umwandeln und Dein eigenes Gemüse anbauen kannst. Das ist einfacher als Du vielleicht denkst!

ein Korb voller gesundem Gemüse
Erntefrisches Gemüse vom Balkon.

So baust Du Dein eigenes Gemüse auf dem Balkon an

Der Balkon galt lange Zeit als Freisitz für Stadtmenschen, dekoriert mit einem Sonnenschirm und den üblichen Blumenkästen. Alles in allem war so ein Balkon eher langweilig. Dass man dort sein eigenes Gemüse anbauen könnte, dürfte nur den wenigsten Menschen in den Sinn gekommen sein. Das alles hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Unter dem Schlagwort „urban Gardening“ entdecken in den letzten Jahren immer mehr vor allem junge Menschen Möglichkeiten, um in Städten Obst und Gemüse anzubauen. Das geht zum Beispiel auf dem eigenen Balkon.

Was brauche ich um Gemüse auf dem Balkon ernten zu können?

Um Gemüse auf Deinem Balkon anzubauen, brauchst Du im Grunde nichts Anderes als für Zierpflanzen. Das bedeutet konkret:

  • Erde
  • Pflanzgefäße
  • Samen oder Gemüsepflanzen

Pflanzgefäße
Als Pflanzgefäße bieten sich auf dem Balkon vor allem Blumenkästen, große Blumentöpfe und Pflanzkübel an. Deiner Phantasie sind aber im Grunde keine Grenzen gesetzt. Du kannst jedes Gefäß verwenden, das groß genug ist und über ein paar Öffnung verfügt, durch die überschüssiges Wasser wieder abfließen kann. Du kannst also auch große Dosen oder Eimer verwenden, um Gemüse auf Deinem Balkon anzubauen. Du kannst Dir auch ein kleines Tischbeet bauen oder kaufen. Wichtig ist in jedem Fall, dass Du Deine Pflanzgefäße sicher aufstellst und befestigst. Größere Pflanzen solltest du nach Möglichkeit in Kübeln auf dem Boden aufstellen.

Erde
Noch wichtiger als Pflanzgefäße ist die Erde. Du kannst auf herkömmliche Blumenerde, sogenannte Universalerde, zurückgreifen. Es gibt auch spezielle Erde für Gemüsepflanzen. Sie unterscheidet sich von herkömmlicher Erde in den meisten Fällen vor allem im Nährstoffgehalt. Spezialerde für Gemüse ist mit bestimmten Düngern und Nährstoffen angereichert, die speziell auf Gemüsepflanzen abgestimmt sind. Früher oder später wirst Du jedoch in jedem Fall nachdüngen müssen. Eine spezielle Erde ist daher nicht zwingend notwendig, sie schadet Deinen Pflanzen aber auch nicht.

Samen oder Gemüsepflanzen
Um Gemüse anzubauen brauchst Du natürlich auch noch die Pflanzen selber. Dabei hast du prinzipiell zwei Möglichkeiten. Du kannst Samen kaufen und selber aussäen oder Du kaufst vorgezogene junge Gemüsepflanzen. Gemüsepflanzen haben den Vorteil, dass Du genau so viele besorgen kannst, wie Du brauchst. Da Du nur ein begrenztes Platzangebot hast, ist dieser Punkt nicht zu vernachlässigen. Allerdings gibt es längst nicht alle Gemüse, die Du anbauen kannst, auch als vorgezogene Pflanzen zu kaufen. Manche Gemüsearten müssen an Ort und Stelle gesät werden, weil sie es nicht vertragen umgepflanzt zu werden. Hier musst Du selber entscheiden, was Dir besser liegt.

Urban Gardening: Gemüse anbauen ohne Garten
  • Yohan Hubert
  • Verlag Eugen Ulmer
  • Taschenbuch: 160 Seiten

Qualität geht vor Quantität!

Dein Balkongarten ist kein Kartoffelacker. Er bietet im Vergleich zu einem „richtigen“ Garten nur wenig Anbaufläche. Auf dem Balkon gilt daher in der Regel die Devise „klein aber fein“. Es lohnt sich für den Balkon Sorten und Arten zu wählen, die Du nicht im Discounter um die Ecke kaufen kannst. Du kannst zum Beispiel besondere Tomatensorten auswählen. Die sehen nicht nur toll aus, sondern schmecken auch noch unvergleichlich viel besser als die Standardsorten aus dem Supermarkt. Es lohnt sich in jedem Fall, nach besonderen Sorten Ausschau zu halten. Kombiniert mit ausgefallenen Kräutern kannst Du Deinen Balkon auf diese Weise zu einer regelrechten kleinen Schatzkammer ausbauen.

Wie pflanze ich mein Gemüse richtig?

Gemüse pflanzen ist überhaupt nicht schwer. Wenn Du vorgezogene Pflanzen verwendest, fülle Dein Pflanzgefäß mit Erde und drücke sie etwas an. Dein Gefäß sollte am Ende nur so weit gefüllt sein, dass ein Rand stehen bleibt. Das ist wichtig zum Gießen. Hast Du die Erde eingefüllt, mache mit den Händen oder mit einer Schaufel ein kleines Loch, in das Du Deine Pflanze einsetzt. Drücke die Pflanze vorsichtig an, verteile bei Bedarf noch etwas mehr Erde um die Pflanze. Gieße reichlich mit Wasser an. Setzt Du mehrere Pflanzen zum Beispiel in einen Blumenkasten, sollte Du ausreichend Platz zwischen den einzelnen Pflanzen lassen, damit sie gut wachen können und sich nicht gegenseitig stören. Der Abstand hängt von den Pflanzen ab, die Du setzt. Bei Salat ist zum Beispiel ein Abstand von 30 Zentimeter ein guter Richtwert. Wenn Du Gemüse säst, stehen die nötigen Abstände und auch die Saattiefe auf der Samentüte. Säe am besten dicht aus und zupfe später Pflanzen aus, die zu dicht stehen.

Welche Werkzeuge brauche ich und wie pflege ich mein Gemüse

Das Schöne an einem Balkongarten ist, dass Du nur wenig Werkzeug brauchst. Eine kleine Schaufel, eventuell noch eine kleine Hacke, um später den Boden zu lockern und natürlich eine Gießkanne. Das war es eigentlich schon. Manche Pflanzen solltest Du später hochbinden. Dafür brauchst Du etwas Schnur und vielleicht einen Bambusstab.

Die Pflege Deines Gemüses beschränkt sich vor allem in der Anfangszeit auf regelmäßiges Gießen. Wenn es im Sommer heißer wird, solltest Du besonders gut auf die Wasserversorgung Deiner Pflanzen achten. In der Sonne trocknen die Pflanzgefäße schnell aus. Im Hochsommer kann es notwendig werden, täglich zu gießen. Wie mit Wasser solltest Du Deine Pflanzen auch mit Nährstoffen in Form von Dünger versorgen. Gerade, wenn Du größere und besonders nährstoffhungrige Pflanzen wie Tomaten auf Deinem Balkon anbauen möchtest, solltest Du regelmäßig düngen. Genauso wie Wasser sind nämlich auch die Nährstoffe in einem Gefäß schneller aufgebraucht als in einem großen Gemüsebeet. Am besten besorgst Du Dir einen Dünger für Gemüsepflanzen und befolgst die Angaben zur Anwendung genau. Zuviel Dünger kann nämlich genauso schädlich für die Pflanzen sein, wie zu wenig. Wenn Du Dir nicht sicher bist, lass Dich in einer Gärtnerei, einem Gartencenter oder einem Baumarkt mit Gartenabteilung beraten.

Bei den meisten Gemüsearten beschränkt sich die Pflege auf gießen und düngen. Hier und da kann sich auch mal ein Löwenzahn oder anderes „Unkraut“ zwischen Dein Gemüse verirren. Wenn es zu groß wird, solltest Du es entfernen.

Welches Gemüse kann ich auf meinem Balkon pflanzen?

Auf Deinem Balkon hast Du zwar nur begrenzten Platz zur Verfügung. Das schränkt dich aber fast nur in der Menge ein, die Du anbauen kannst. Bei den Gemüsearten und -sorten bist Du kaum eingeschränkt. Den Mangel an Platz kannst Du aber teilweise ausgleichen, indem Du Gemüsearten auswählst, die Du öfter beernten kannst.

Neben Gemüse kannst Du sogar einige Obstsorten auf Deinem Balkon anbauen. Wir stellen Dir die wichtigsten Gemüsearten und einige Obstsorten für Deinen Balkon vor und erklären Dir, worauf Du speziell beim Balkonanbau achten musst.

Handbuch Bio-Balkongarten. Gemüse, Obst und Kräuter auf kleiner Fläche ernten
  • Andrea Heistinger, Arche Noah
  • Löwenzahn Verlag
  • Auflage Nr. 4., zahlreiche Farbfotos und Zeichnungen (21.05.2013)
  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten

Bohnen

Bei Bohnen gibt es viele verschiedene Sorten. Feuerbohnen können bis zu vier Meter hoch ranken. Für den Balkon nicht die beste Wahl. Buschbohnen bleiben jedoch niedrig. Du kannst sie gut in Blumenkästen pflanzen. Bohnen kannst Du über einen längeren Zeitraum regelmäßig beernten. Dann bilden sich immer wieder neue Bohnen.

Chili/Peperoni

Chili oder Peperoni werden hierzulande zwar nur selten als Gemüse gegessen, sie gehören aber am ehesten in diese Gruppe. Peperoni kannst Du wie Tomaten gut in einem größeren Blumentopf oder Pflanzenkübel anbauen. Er sollte etwa 10 bis 20 Liter Volumen haben. Das richtet sich vor allem nach der Art, die Du wählst. Ähnlich wie bei Tomaten gibt es nämlich auch bei Chili unglaublich viele verschiedene Sorten. Je nachdem wie groß Deine Sorte wird, solltest Du sie später an einem Stab festbinden, um sie zu stützen. Chilipflanzen benötigen viel Sonne und reichlich Nährstoffe.

Erdbeeren

Erdbeeren sind ein super Obst für den Balkon. Sie brauchen nur relativ wenig Platz und passen gut in Blumenkästen. Du kannst sie auch in eine Blumenampel pflanzen und aufhängen. Dafür gibt es sogar extra hängende Sorten. Erdbeeren sind mehrjährig. Beim Pflanzen solltest Du zwischen den Pflanzen 30 bis 35 Zentimeter Abstand lassen.

Erbsen/Zuckerschoten

Erbsen auf dem Balkon? Klar, das geht. Insbesondere Zuckererbsen, lohnen sich. Du kannst sie in Blumenkästen oder in einen Kübel säen. Wenn Du Blumenkästen nimmst, kannst Du sie auf den Boden stellen und Dein Balkongitter als Rankhilfe nutzen. Wenn Du kein Balkongitter hast oder die Erbsen in einen Kübel pflanzt, musst Du eine andere Rankhilfe bauen. Zum Beispiel aus alten Zweigen. Wenn die ersten Zuckerschoten reif sind, solltest Du regelmäßig ernten. Dann bilden sich über mehrere Wochen immer wieder neue Schoten.

Feldsalat

Feldsalat kannst Du säen, wenn alles andere bereits abgeerntet ist. Im Frühjahr würdest Du mit Feldsalat wertvollen Platz verschenken. Er wächst im Herbst und kann noch geerntet werden, wenn alles andere schon nicht mehr wächst. Allerdings lohnt sich Feldsalat nur, wenn Du ihn in mehrere Kästen oder Kübel säst.

Gurke

Gurken sind ein Grenzfall auf dem Balkon. Du solltest Dich erst mit etwas Erfahrung an sie wagen. Gurken brauchen auf jeden Fall ein Gitter, an dem sie hochwachsen können. Sie brauchen viele Nährstoffe und sind sehr empfindlich, wenn sie falsch gegossen werden. Richtig gießen bedeutet bei Gurken regelmäßig und vor allem mit warmem Wasser. Sonst können die Früchte bitter werden.

Kartoffeln

Kartoffeln solltest Du in jedem Fall in einem hohen Gefäß anbauen. Wichtig ist, dass Wasser gut abfließen kann. Das Gefäß füllst du nur wenig mit Erde und pflanzt vorgekeimte Kartoffeln hinein. Sobald die Pflanzen ein Stück gewachsen sind, füllst Du Erde nach. Das machst Du so oft, bis der Eimer voll ist. Wenn das Laub zu welken beginnt, kannst du ernten. Dazu kippst Du den ganzen Eimer einfach aus und sammelst alle Kartoffeln ein.

(Kopf-)salat

Sommerzeit ist Salatzeit. Und Salat lässt sich sehr gut im Blumenkasten anbauen. Klassisch wird Salat als Kopfsalat angebaut. Das kannst Du auch machen. Für den Balkon ist aber Pflücksalat sehr gut geeignet. Bei dem erntest Du nämlich nicht den kompletten Kopf, sondern nur die großen äußeren Blätter. Die Pflanze kann immer weiter wachsen und ständig Salat liefern. Wenn Du Salat pflanzt, solltest Du je nach Sorte zwischen den Pflanzen 20 bis 30 Zentimeter Platz lassen.

Kürbis

Zugegeben, die berühmt berüchtigten Zwei-Zentner-Exemplare kommen für den Anbau auf dem Balkon nicht Frage. Zum Glück neigen aber bei weitem nicht alle Kürbisarten zum Gigantismus. Einige Sorten bleiben klein. Das gilt auf jeden Fall für die Früchte. Kürbispflanzen bilden nämlich lange Ranken. Die kannst Du auf dem Boden am Rand entlang leiten. Alles in allem braucht eine Kürbispflanze immer eine Menge Platz und einen großen Pflanzkübel. Selbst wenn es eine kleine Sorte ist.

Mangold

Man könnte den Mangold durchaus als den großen Bruder vom Spinat bezeichnen. Mangold ist nicht nur sehr lecker, er kann auch richtig gut aussehen. Es gibt Sorten mit leuchtend gelben oder roten Stielen. Mangold kannst Du ebenfalls immer wieder beernten. Dazu erntest Du wie beim Pflücksalat immer nur die äußersten Blätter ab. Mangold solltest Du wie Salat mit einem Abstand von etwa 30 Zentimetern pflanzen.

Möhren

Weißt Du, was der Unterschied zwischen Möhren und Karotten ist? Karotten sind nur kurz und eher rundlich. Möhren sind lang und spitz. Wenn Du Möhren auf dem Balkon anbauen möchtest, brauchst Du hohe Pflanzgefäße. 40 Zentimeter sollten es gut und gerne sein. Die Erde sollte gleichmäßig feucht und locker sein. Karotten kannst Du auch in flachere Gefäße säen. Möhren und Karotten brauchen von der Saat bis zur Ernte viel Zeit.

Obstbäume

Natürlich ist Obst kein Gemüse. Wenn Du aber so richtig im Balkon-Garten-Fieber bist, wirst Du vielleicht auch noch ein bisschen Obst anbauen wollen. Ja, das geht! Es gibt spezielle Obstsorten, die besonders klein bleiben und im Kübel wachsen. Sie brauchen allerdings relativ viel Pflege. Passende Obstbäumchen findest Du vor allem für Äpfel, Birnen, Pfirsiche oder Weinreben. Klassiker für den Kübel sind auch Zitrusfrüchte wie Zitronen oder Limetten. Alle Obstbäumchen im Kübel solltest Du im Winter in die Wohnung holen.

Radieschen

Deutlich einfacher und vor allem schneller als Möhren wachsen Radieschen auf dem Balkon. Sie bleiben klein und können schon nach wenigen Wochen geerntet werden. Sie eignen sich hervorragend für Blumenkästen.

Tomaten

Tomaten sind ein echter Balkonklassiker. Du kannst sie im Grunde ähnlich pflanzen wie Chilis. Am Besten setzt Du jeweils eine Pflanze in einen Topf oder Kübel mit einem Volumen von 20 bis 40 Litern. Wenn die Pflanze größer ist, solltest Du sie auf jeden Fall hochbinden, damit sie nicht abknickt. Eine wichtige Pflegemaßnahme bei Tomaten ist das Ausgeizen. In den Blattachseln, dem Ansatz der Blätter am Stamm, wachsen immer wieder neue Triebe. Die können sich zu Ästen entwickeln. Diese Triebe solltest du regelmäßig rausbrechen. Sie kosten die Pflanze wertvolle Kraft, die für die saftigen Früchte verloren geht. Tomaten brauchen reichlich Nährstoffe und Sonne.

Zucchini

Einen reichlichen Quadratmeter Platz benötigt eine Zucchini-Pflanze. Auf dem Balkon ist das eine große Fläche. Allerdings lohnt es sich, ihr diesen Platz zu reservieren. Beginnt die Pflanze erst Früchte zu tragen, beginnt die legendäre Zucchini-Schwemme. Je früher Du die Früchte erntest, desto zarter sind sie. Wie Bohnen bilden Zucchini bei regelmäßiger Ernte außerdem immer wieder neue Früchte. Auch die Blüten sind essbar. Zucchini benötigen einen Kübel mit etwa 60 Litern Volumen, viel Wasser, Sonne und Nährstoffe.

Kurz gesagt

Gemüse lässt sich auf der kleinsten Fläche anbauen. Für einen Blumenkasten mit Radieschen ist überall Platz. Für Deinen Balkon solltest Du Gemüsesorten auswählen, die Du gerne magst und die Deinem Platzangebot entsprechen. Es lohnt sich auf jeden Fall, Sorten zu wählen, die Du immer wieder beernten kannst. Mit ein bisschen Erfahrung stellst Du die Sorten so zusammen, dass Du auf deinem Balkon immer etwas ernten kannst. Kräuter und Obst vervollständigen deine kleine Oase.

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