Fleischfressende Pflanzen richtig pflegen

Veröffentlicht am 17. November von Philipp Senge in Familie und Wohnen

Sie sehen faszinierend aus und sind immer ein bisschen unheimlich: fleischfressende Pflanzen. Wer sein Glück mit diesen besonderen Pflanzen schon einmal versucht hat, ist vermutlich enttäuscht worden. Nach kurzer Zeit fangen die Pflanzen bei den meisten Pflanzenfreunden an zu kränkeln. Oft gehen sie bald völlig ein. Dabei ist die Pflege von fleischfressenden Pflanzen recht einfach, wenn Du ein paar Regeln beachtest. Wir verraten Dir, welche das sind und welche Pflanzen für Anfänger geeignet sind.

Klappfallen der Venusfliegenfalle
Die Klappfallen der wohl bekanntesten fleischfressenden Pflanze, der Venusfliegenfalle

So gedeihen Deine fleischfressenden Pflanzen prächtig

Fleischfressende Pflanzen sind schaurig schön. Sie sehen bizarr aus und fressen wie Raubtiere Insekten. Inzwischen kannst Du fleischfressende Pflanzen in fast jedem Gartencenter oder der Garten-Abteilung im Baumarkt kaufen. Selbst im Discounter um die Ecke findest Du Sie, wenn es eine Sonderaktion gibt. Möchtest Du Dir fleischfressende Pflanzen anschaffen, solltest Du ein paar Dinge bei der Pflege beachten.

Besonderheiten von fleischfressenden Pflanzen

Fleischfressende Pflanzen werden auch als Karnivoren oder Insektivoren bezeichnet. Im Vergleich zu „normalen“ Pflanzen haben Sie eine besondere Eigenschaft: Sie können Insekten fangen. Dazu haben sie je nach Art sehr unterschiedliche Fangmechanismen:

  • Schlauch- oder Kannenfallen, in die Insekten hineinfallen und nicht wieder herauskommen
  • Klebefallen mit Fangtentakel, auf denen Insekten kleben bleiben
  • Klappfallen, die bei Berührung zuschnappen

Ihre Fangmechnismen haben fleischfressende Pflanzen entwickelt, weil sie auf extrem nährstoffarmen Böden wachsen. Häufig wachsen Karnivoren auf Mooren oder auf sandigen Böden. Diese Böden liefern praktisch keine Nährstoffe. Die Pflanzen haben sich daran angepasst und versorgen sich gewissermaßen mit Nährstoffen aus der Luft. Die gefangenen Insekten verdauen sie regelrecht mithilfe von Enzymen und gelangen so an die Nährstoffe.

Fangtentakel eines Sonnentaus
Klebefallen bilden an den Blättern zahlreiche kleine Tentakel mit klebrigen Tautropfen

Karnivoren gibt es in vielen verschiedenen Klimazonen in unterschiedlichen Teilen der Welt. Selbst in Deutschland sind einige Arten heimisch. Aus den verschiedenen Herkunftsgebieten ergeben sich zum Teil sehr unterschiedliche Ansprüche der Pflanzen an Ihre Lebensumgebung. Es gibt jedoch Gemeinsamkeiten, die für alle fleischfressenden Pflanzen gelten. Sie benötigen:

  • Ständig feuchte Erde
  • Hohe bis sehr hohe Luftfeuchtigkeit
  • Viel Licht
  • Extrem nährstoffarme Böden
  • Bei manchen Arten eine Überwinterung bei niedrigen Temperaturen

Typische Anfängerfehler, die zum Tod Deiner fleischfressenden Pflanze führen

Leider machen die meisten Menschen mit ihrer ersten fleischfressenden Pflanze schlechte Erfahrungen und schon nach kurzer Zeit geht die Pflanze ein. Das hat verschiedene Gründe. Ein ungünstiger Standort und falsches Gießen sind die häufigsten Ursachen. Speziell die beliebte „Venusfliegenfalle“ wird oft kaputt gespielt.

Das richtige Wasser entscheidet über Leben und Tod Deiner Pflanze

Der natürliche Standort vieler fleischfressender Pflanzen sind Moore oder andere ständig feuchte Umgebungen. Deine Pflanze solltest Du daher immer gut feucht halten. Am besten stellst Du sie auf einen Untersetzer. In diesen Untersetzer gießt etwas Wasser nach, sobald das Wasser aufgebraucht ist. So hat die Pflanze immer „nasse Füße“.

Noch wichtiger als die ständige Feuchtigkeit ist das richtige Wasser. Gieße Deine fleischfressenden Pflanzen niemals mit Leistungswaser! Den Kalk und die anderen Mineralstoffe im Wasser vertragen die Pflanzen nicht. Gieße Deine fleischfressende Pflanze deshalb mit Regenwasser. Wenn Du kein Regenwasser hast, kannst Du auch destilliertes Wasser verwenden.

Während andere Pflanzen regelmäßig Pflanzendünger benötigen, solltest Du bei fleischfressenden Pflanzen vollständig darauf verzichten. Da schon Leitungswasser zu viel Mineralstoffe enthält vertragen die Pflanzen Dünger überhaupt nicht.

Welche Erde für fleischfressende Pflanzen?

Karnivoren benötigen einen sauren, nährstoffarmen Boden. Deshalb darfst Du eine fleischfressende Pflanze niemals in herkömmliche Blumenerde pflanzen. Auch Sie enthält ähnlich wie Leitungswasser einfach zu viele Nährstoffe für die Pflanzen. Verwende deshalb ausschließlich spezielle Karnivoren-Erde. Sie besteht größtenteils aus nährstoffarmem Torf und weiteren Stoffen, die die Bodenstruktur verbessern.

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Die richtige Luftfeuchtigkeit für Deine Karnivoren

Über feuchtem Boden herrscht naturgemäß eine hohe Luftfeuchtigkeit. Deshalb benötigen viele fleischfressende Pflanzen eine Umgebung mit erhöhter Luftfeuchtigkeit. Wie hoch die Feuchtigkeit sein sollte und wie empfindlich eine Pflanze auf zu trockene Luft reagiert, hängt von der Art ab.

Eine erhöhte Luftfeuchtigkeit erreichst Du dadurch, dass Du die Pflanze in ein großes offenes Glas stellst. Wenn Du das Glas teilweise oder sogar ganz verschließt, steigt die Luftfeuchtigkeit noch weiter an. Damit solltest Du jedoch vorsichtig sein. In einem vollständig geschlossenen Glas, kommt es im Sommer schnell zum Hitzestau.

Hast Du mehrere fleischfressende Pflanzen, kannst Du Dir ein Terrarium für Deine Pflanzen einrichten.

Möglichst viel Licht

Neben viel Wasser benötigen fleischfressende Pflanzen außerdem viel Licht. In einem Nordfenster haben nur wenige Arten eine Überlebenschance. Deutlich besser geeignet ist ein Standort am Südfenster. Hier solltest Du jedoch einen Schutz vor der Mittagssonne bieten. Karnivoren benötigen zwar viel Licht, aber keine direkte Sonneneinstrahlung. Das hängt allerdings auch wieder von der jeweiligen Art ab.

Die richtige Beleuchtung ist neben der Luftfeuchtigkeit für viele Pflanzenfreunde ein weiterer Grund, Ihre Pflanzen in einem Terrarium zu halten. So können Sie mit künstlicher Beleuchtung die optimalen Lichtverhältnisse schaffen. Wirklich notwendig ist das nur bei besonders anspruchsvollen Arten. Für die meisten Pflanzen reicht ein helles Südfenster aus.

Fleischfressende Pflanzen füttern?

Insekten stellen für fleischfressende Pflanzen gewissermaßen eine Zusatznahrung dar. Sie sind nicht zwingend darauf angewiesen. Deshalb musst Du Deine fleischfressende Pflanze auch nicht füttern. Außerdem solltest du keine großen Erwartungen an die Menge der gefangenen Insekten haben. In Deiner Wohnung wird auch in Zukunft das eine oder andere Insekt herumfliegen.

Möchtest Du den Fangmechnismus einer Karnivore beobachten, kannst Du Deine Pflanze selbstverständlich füttern. Dazu solltest Du jedoch ausschließlich lebende Insekten verwenden. Die meisten Fallen und die anschließende Zersetzung der gefangenen Insekten funktionieren nur bei ausreichenden Bewegungsreizen durch das gefangene Insekt. Tote Insekten werden nicht verdaut. Oft beginnen Sie dann zu schimmeln.

Fliege von Sonnentau gefangen
Insekten dienen den fleischfressenden Pflanzen als zusätzliche Nährstoffquelle. Zwingen darauf angewiesen sind sie nicht.

Fleischfressende Pflanzen richtig überwintern

Fleischfressende Pflanzen können aus den unterschiedlichsten Klimazonen stammen. Zum Beispiel aus den Tropen, wo das ganze Jahr durchgehend die gleiche Temperatur herrscht. Andere Arten stammen aus gemäßigten Klimazonen mit einem deutlichen Temperaturunterschied zwischen Sommer und Winter. Für diese Arten ist es nicht gut, wenn sie das ganze Jahr über bei gleicher Temperatur auf der Fensterbank stehen. Dort fehlt ihnen die natürliche Winterpause. Aus diesem Grund solltest du einige Arten bei niedrigeren Temperaturen überwintern.

Fleischfressende Pflanzen für Anfänger

Es gibt viele verschiedene Arten von fleischfressenden Pflanzen. einige sind recht anspruchslos und eignen sich für Anfänger. Andere haben sehr hohe Ansprüche und kommen für Anfänger nicht in Frage. Bevor Du Dir eine Pflanze kaufst, solltest Du Dich im Vorfeld informieren, welche Ansprüche eine Pflanze hat. Überlege, ob du diese Ansprüche erfüllen kannst. So ersparst Du Dir Enttäuschungen.

Fleischfressende Pflanzen: Mit Mein schöner Garten Profi-Tipps
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  • Auflage Nr. 1 (07.04.2005)

Die folgenden drei Arten sind für Anfänger gut geeignet:

1. Sonnentau

Der Sonnentau bildet lange Blätter, die mit kleinen Tentakeln besetzt sind. An jedem dieser Tentakel bilden kleine Tröpfchen einer klebrigen Flüssigkeit, die in der Sonne verlockend glitzern. Die angelockten Insekten bleiben daran kleben und das Blatt beginnt, sich langsam um das gefangene Insekt zu wickeln.
Sonnentauarten, die Du in Gartencenter oder Baumarkt findest, sind in der Regel sehr robust. Sie benötigen einen hellen Standort. Bei Bedarf solltest Du den Sonnentau in ein großes Glas oder einen kleinen Glaskasten stellen, um eine höhere Luftfeuchtigkeit zu bieten. Ob das notwendig ist, kannst du gut an den Tentakeln erkennen: Bildet die Pflanze trotz guter Wasserversorgung keine Tautröpchen, ist die Luftfeuchtigkeit zu gering.
Der Sonnentau benötigt keine Winterruhe.

2. Fettkraut

Das Fettkraut bildet große Blätter, die rosettenförmig angeordnet sind. Auf der ganzen Blattoberfläche befinden sich winzige Tröpfchen einer klebrigen Flüssigkeit, an der vor allem kleine Insekten wie Fruchtfliegen hängen bleiben.

Im Gegensatz zu anderen Karnivorenarten kommt das Fettkraut auch mit relativ wenig Licht an einem West- oder sogar an einem Nordfenster zurecht.

Fettkraut - Pinguicula - 9cm Topf
  • Fettkraut - Pinguicula - 9cm Topf
  • Ein natürlicher Fliegenfänger für Fruchtfliegen etc. Fettkräuter befreien insbesondere Ihre Küche von diesen lästigen Viechern.
  • Deutscher Name: Fettkraut - Botanischer Name: Pinguicula

3. Schlauchpflanze

Schlauchpflanzen bilden senkrecht stehende trompetenförmige Blätter mit einer glatten Innenseite. Im Inneren der Blätter befindet sich eine Flüssigkeit. Gefangene Insekten finden an den glatten Innenseite keinen Halt und rutschen in die Flüssigkeit.

Schlauchpflanzen gelten als gute Anfängerpflanzen. Da die Pflanzen aus gemäßigten Klimazonen stammen, benötigen die meisten Arten im Winter einen kühlen, hellen Standort mit Temperaturen von etwa fünf bis 15 Grad Celsius.

Schlauchpflanze - Sarracenia - 9cm Topf
  • Fleischfressende Pflanze
  • Schlauchpflanze - Sarracenia
  • im 9cm Topf

Noch ein Wort zur Venusfliegenfalle

In der Aufzählung der Anfängerpflanzen vermisst Du vielleicht die wohl bekannteste fleischfressende Pflanze, die Venusfliegenfalle. Das liegt ganz einfach daran, dass diese Pflanzen nicht die besten Anfängerpflanzen sind – auch wenn sie sehr häufig angeboten werden. Die Venusfliegenfalle benötigt sehr viel Licht und eine ausgeprägte Winterruhe.

Hast du mit den genannten Anfängerpflanzen erste Erfahrungen gesammelt, kannst Du Dich an die Venusfliegenfalle wagen. Erliege dabei aber nicht der Versuchung, die Fallen zu oft zu reizen. Nach etwa sieben Fangversuchen sterben die Blätter ab. Neue Blätter zu bilden kostet die Pflanze viel Kraft. Das ist der Grund, weshalb viele Anfänger und vor allem Kinder eine Venusfliegenfalle oft einfach „kaputt spielen“.

Venusfliegenfalle - Dionaea muscipula - 12cm Topf
  • Fleischfressende Pflanze
  • Venusfliegenfalle - Dionaea muscipula - 12cm Topf
  • Diese beliebte Pflanze hat ihre Blätter zu einer Klappfalle umgebildet

Fazit

Fleischfressende Pflanzen sind sehr faszinierend. Bei allen Unterschieden zwischen den verschiedenen Arten gibt es einige Gemeinsamkeiten, die Du auf jeden Fall beachten solltest. Wenn Du diese „regeln“ beachtest und Dich im Vorfeld über die Bedürfnisse einer Pflanze informierst, wirst Du viel Freude an diesen besonderen pflanzen haben. Für den Einstieg solltest Du pflegeleichte Arten wählen, die einen Pflegefehler verzeihen. Nach und nach kannst Du Dich dann an anspruchsvoller Pflanzen wagen und vielleicht sogar ein Pflanzenterrarium einrichten.

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