Was hilft gegen Blasenentzündung?

Veröffentlicht am 13. September von Lieselotte Wever in Gesundheit

Dauernd zur Toilette zu müssen ist bereits verdächtig, Brennen oder sogar Schmerzen beim Wasserlassen erhärten den Verdacht auf eine Blasenentzündung. Was hilft gegen eine Blasenentzündung? Kann man einer Blasenentzündung vorbeugen? Hier erfährst Du Wissenswertes über das äußerst lästige Übel.

Was ist eine Blasenentzündung?

Bei einer Blasenentzündung ist entweder die die Blase innen auskleidende Schleimhaut entzündet oder die ganze Blasenwand. Im ersten Fall sprechen Ärzte von einer Urozystitis, im zweiten von einer Panzystitis. Gebräuchlich ist auch das Wort Blasenkatarrh, abgeleitet vom griechischen Begriff „Katarrh“ für Schleimhautentzündung. Gemeinsam mit der Harnröhrenentzündung zählt die Blasenentzündung zu den unteren Harnwegsinfekten.

Es gibt zwei Varianten der Blasenentzündung:

Unkomplizierte Zystitis

Sie betrifft Patienten ohne Risikofaktoren für eine Blasenentzündung.

Komplizierte Zystitis

An ihr erkrankten Patienten mit speziellen eine Blasenentzündung begünstigenden Risikofaktoren wie:

  • allgemeine Abwehrschwäche oder medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppression)
  • Zurückfließen von Urin aus der Harnblase in den Harnleiter
  • Harnstau und Einengung der Harnwege – beispielsweise bei Harnsteinen, Prostatavergrößerung, Harnröhrenverengung oder Tumoren
  • Blasensteine oder Nierensteine
  • Blasenfunktionsstörungen – zum Beispiel nervlich bedingt
  • Fehlbildungen der Harnröhre
  • immer wieder neu auftretende Harnwegsinfekte und Blasenentzündungen
  • Tragen eines (Dauer-)Katheters
  • seelische Belastungen

Welche Ursachen einer Blasenentzündung gibt es?

Ursache einer Blasenentzündung ist fast immer eine bakterielle Harnwegsinfektion. Selten sind Viren, Pilze oder Parasiten dafür verantwortlich. Die Verursacher geraten im Allgemeinen von außen durch die Harnröhre in Deine Harnblase, wo sie die Blasenwand entzünden.

1. Bakterien

Bei den eine Blasenentzündung auslösenden Bakterien handelt es sich in circa 80 % der Fälle um Escherichia-coli-Bakterien. Sie kommen ganz normal im Darm vor, haben jedoch in der Harnröhre und Blase überhaupt nichts zu suchen. Da bei Frauen die Ausgänge von Harnröhre und Darm dichter beieinander liegen als bei Männern und die weibliche Harnröhre mit rund 3-5 cm viel kürzer ist als die männliche mit rund 20-25 cm, sind Frauen wesentlich häufiger von einer Blasenentzündung betroffen als Männer. Viele Männer haben erst im fortgeschrittenen Alter mit einer Blasenentzündung zu tun, wenn sie unter einer vergrößerten Prostata mit Harnstau leiden. Der in der Blase verbleibende Restharn bietet Bakterien perfekte Bedingungen.

Als weitere bakterielle Erreger einer Blasenentzündung sind noch Proteus mirabilis, Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken, Chlamydien und Klebsiellen zu nennen.

2. Pilze

Unter den Pilzinfektionen sind es vor allem verschiedene Stämme von Candida-Pilzen, die zu einer Blasenentzündung führen. Als Nebenwirkung einer Antibiotika-Behandlung verändert sich das Milieu der unteren Harnwege und macht sie dabei anfälliger für eine Pilzbesiedlung. Unter anderem begünstigen Diabetes mellitus und der Einsatz von Harnkathetern ebenfalls eine durch Pilze verursachte Blasenentzündung.

3. Viren

Eine durch Viren ausgelöste Blasenentzündung ist sehr selten, da Viren kaum in der Lage sind, beim versuchten Eindringen in das Blaseninnere die Barriere körpereigener Schutzmechanismen zu überwinden. Meistens handelt es sich bei diesen Viren um Adenoviren, eine Erregergruppe, die außerhalb der Blase zum Beispiel Bindehautentzündungen, Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden auslöst.

4. Parasiten

Eine ebenfalls sehr seltene Ursache für Blasenentzündungen sind Parasiten. Dazu zählen Protozoen beziehungsweise Urtierchen – kleine Einzeller, die als erste tierartige Lebewesen angesehen werden. Ein im Urogenitaltrakt auftauchender bekannter Vertreter davon ist Trichomonas vaginalis, der durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch vor allem beim Sex übertragen wird.

Auch auf Reisen in die Tropen und Subtropen besteht ein Risiko, dass Du Dir eine durch Parasiten ausgelöste Blaseninfektion holst. Die als Bilharziose beziehungsweise Schistosomiasis bekannte Erkrankung verursachen die Larven der zu den Saugwürmern gehörenden Pärchenegel. Die Larven leben in warmen Binnengewässern, wo sie Schnecken als Zwischenwirte nutzen. In diesen Gewässern badende Menschen setzen sich der Gefahr aus, dass die Larven über die Haut in den Organismus gelangen, wo sie über Blut- und Lymphgefäße in die Leber gelangen. Dort entwickeln sie sich weiter, um sich anschließend außer in der Leber über die Venen insbesondere in die Harnblase sowie Darm, Lunge und Gehirn zu verbreiten.

 

Menschliche Harnblase in zeichnerischer Vereinfachung
Schematische Darstellung einer menschlichen Harnblase

 

Was begünstigt eine Blasenentzündung?

Neben einigen bereits unter „Ursachen“ erwähnten Risiken für eine Blasenentzündung begünstigt vor allem dies eine Blasenentzündung:

Hygienefehler

Mangelnde Hygiene im Urogenitalbereich erhöht das Erkrankungsrisiko. Hierunter ist neben allgemeiner Sauberkeit auch eine richtige Toilettenhygiene zu verstehen. Wie Du nun weißt, sind Kolibakterien (Escherichia coli) eine häufige Ursache für Blasenentzündungen. Aus diesem Grund ist es ganz wichtig, nach dem Stuhlgang beim Abputzen auf der Toilette immer von vorne nach hinten zu wischen, niemals in umgekehrter Richtung.

Regelmäßiges Händewaschen sollte ebenfalls selbstverständlich sein, und zwar nicht nur nach dem Toilettengang. So besteht nicht nur bei Durchfall, sondern unter anderem auch bei einer Erkältung oder Bindehautentzündung die Gefahr, dass die daran beteiligten Adenoviren über das Naseputzen oder Augenreiben über Deine Hände später den Weg zu den unteren Harnwegen und damit auch zur Blase nehmen. Selbst wenn Du nicht an einer Virenerkrankung leidest, kannst Du Dir Blasenentzündungen auslösende Viren über Dritte einfangen: Viren sowie Bakterien tummeln sich unter anderem auf Türklinken, Haltegriffen, Armaturen oder Toiletten – ein Grund mehr, sich öfter mal die Hände zu waschen.

Kälteeinwirkung

„Setze Dich nicht auf den kalten Stein, Du verkühlst Dich sonst!“ Millionenfach erging schon dieser mütterliche Rat an Kinder, die sich in der kalten Jahreszeit auf Mauern oder Treppen aus Stein niederließen. Auch bloße Beine oder Miniröcke bei winterlichen Temperaturen begünstigen eine Blasenentzündung und übrigens auch Nierenerkrankungen. Unterkühlung löst leicht eine bakterielle Blasenentzündung aus, denn Kälte setzt dem Immunsystem zu und bei geschwächten Abwehrkräften haben Bakterien leichtes Spiel. Ausgekühlte Beine beziehungsweise ein ausgekühlter Unterleib fördern diese Entwicklung.

Sex

Erst Liebeslust, dann Blasenfrust: Ein erhöhtes Risiko für eine Blasenentzündung tragen sexuell aktive Frauen. Da bei Frauen Harnröhre, Vagina und Darmausgang eng beieinanderliegen, gelangen beim Sex Darmbakterien und mögliche weitere schädliche Keime in die Harnröhre und können eine Blasenentzündung auslösen. Frauen, die um dieses Risiko wissen, reicht oft normales Waschen mit warmem Wasser und hautfreundlichen Reinigungsmitteln nicht aus und sie verwenden spezielle Intimwaschmittel. Damit tun sie sich jedoch keinen Gefallen, weil diese Mittel das natürliche Schleimhautmilieu verändern und die Erreger sie so erst recht besiedeln. Chemische Verhütungsmittel in Form von Gels, Salben oder Zäpfchen haben oft ebenfalls eine milieuverändernde, Blasenentzündungen begünstigende Wirkung.

Schwangerschaft

Bedingt durch hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft kommt es neben anderem zu einer Erweiterung der Harnwege, was Bakterien, Viren und anderen Erregern das Eindringen erleichtert.

Diabetes mellitus

Das Immunsystem von Diabetikern ist ohnehin schon beeinträchtigt. Hinzu kommt, dass der erhöhte Zuckergehalt im Urin einen idealen Nährstoff für Bakterien darstellt und ihrer Verbreitung Vorschub leistet.

Blasenspiegelungen und Blasenspülungen

Mechanische medizinische Eingriffe wie Blasenspiegelungen und Blasenspülungen können ebenfalls eine Blasenentzündung begünstigen.

Wie macht sich eine Blasenentzündung bemerkbar?

Typische Symptome einer Blasenentzündung sind:

  • häufiger Harndrang unter meist nur geringem Urinabgang
  • Brennen, Stechen oder Schmerzen beim Wasserlassen
  • dauerhafte Unterleibsschmerzen

Daneben können weitere Phänomene auftreten wie Fieber und ein Krankheitsgefühl sowie – allerdings mit bloßem Auge meistens nicht sichtbares – Blut im Urin, außerdem ein unangenehmer Geruch des Urins.

Blasenentzündung: Wann ist es Zeit für einen Arztbesuch?

Wenn die eben beschriebenen Anzeichen für eine Blasenentzündung bei Dir auftreten und sich nicht spätestens nach fünf Tagen gebessert haben, solltest Du unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch bei zunächst eigenen Behandlungsversuchen. Fieber oder Schüttelfrost sowie verfärbter Urin sind weitere Anlässe, unverzüglich einen Arzt zu konsultieren. Angehörige folgender Risikogruppen sollten bereits bei den ersten Anzeichen für eine Blasenentzündung zum Arzt:

  • Kinder unter 12 Jahren
  • Schwangere
  • Diabetiker
  • Personen mit bekannter Blasenfunktionsstörung
  • Personen mit spezieller Medikation zur Immunsuppression

Erster Ansprechpartner zur medizinischen Abklärung ist der Hausarzt, bei Männern außerdem der Urologe. Bei Frauen kann im weiteren Behandlungsverlauf ebenso ein Urologe hinzugezogen werden. Zu überlegen ist außerdem, ob weitere Fachärzte wie ein Nephrologe – Facharzt für Nierenerkrankungen – oder ein Chirurg die Behandlung unterstützen, Letzterer zur operativen Korrektur von Harnröhrenmissbildungen.

Wie wird eine Blasenentzündung diagnostiziert?

Bei seinem Verdacht auf eine Blasenentzündung wird der Arzt zunächst den Urin auf die Art des Erregers untersuchen. Zum Nachweis von Protozoen wird er einen aus der Vagina oder Harnröhre genommenen Abstrich mikroskopisch untersuchen. Aufschlussreiche Erkenntnisse liefern auch die Blutwerte: Sie informieren über das Entzündungsgeschehen, eine mögliche Mitbeteiligung der Nieren und können sogar bei besonders schweren Blasenentzündungen die Erreger nachweisen.

Wie wird eine Blasenentzündung behandelt?

Wegen des überdurchschnittlich hohen Anteils von Bakterien als Verursacher von Blaseninfektionen nehmen Antibiotika in der Therapie von Blasenentzündungen großen Raum ein. Wegen der inzwischen gewachsenen Resistenz von Erregern gegenüber Antibiotika ist gelegentlich zwar ein Präparatwechsel erforderlich, doch lassen sich so im Allgemeinen bakteriell bedingte Blasenentzündungen gut therapieren. Ergänzend verordnet der Arzt bei Bedarf krampf- und schmerzlindernde Medikamente. Wichtig bei der Behandlung mit einem Antibiotikum ist es, das Medikament bis zum vorgesehenen Ende einzunehmen, auch wenn sich der Zustand schon vorher deutlich verbessert. Ansonsten würden die jetzt zwar nur noch in kleinerer Zahl, aber immer noch im Organismus vorhandenen Erreger Resistenzen gegen das Antibiotikum entwickeln, sich weiterverbreiten und das Dilemma der Antibiotika-Resistenzen verschärfen.

Gegen parasitäre Blasenentzündungen verschreiben Ärzte ebenfalls Medikamente, darunter Nitroimidazole als Spezial-Antibiotika gegen Trichomonaden und gezielt angreifende Anthelminthika gegen Wurmbefall.

Gegen pilzbedingte Blasenentzündungen hat sich der Einsatz von Antimykotikapilztötenden Medikamenten – bewährt.

Schwieriger ist die Behandlung von durch Viren ausgelösten Blaseninfektionen. Antibiotika bleiben gegenüber Viren wirkungslos. Schonung und eine medikamentöse Symptomlinderung sollen helfen, die Selbstheilungskräfte des Betroffenen zu aktivieren. Viel trinken – am besten Wasser oder spezielle extra harntreibende Blasentees – mit entsprechend starkem Wasserlassen trägt dazu bei, möglichst viele der Erreger in kurzer Zeit aus der Blase zu spülen und so die Entzündung einzudämmen und schließlich zu beenden.

Helfen Naturheilmittel oder Hausmittel gegen Blasenentzündung?

Neben herkömmlichen schulmedizinischen Behandlungsmethoden sind auch einige Naturheilmittel und Hausmittel gut zum Auskurieren einer Blaseninfektion geeignet.

Tee

In Apotheken erhältliche Blasentees und Nierentees wirken unter anderem harntreibend und spülen mit diesem Durchströmungseffekt die Harnblase regelrecht aus. Die Tees enthalten als Mischungen Bestandteile wie Birkenblätter, Brennnesselblätter, Goldrutenkraut, Ackerschachtelhalm, Katzenbart (Orthosiphonblätter), Hauhechelwurzel, Queckenwurzelstock, Löwenzahnwurzel, Löwenzahnblätter und Wacholder.

Zu beachten ist bei solchen Tees allerdings, dass Du sie auf gar keinen Fall trinken darfst, wenn Du unter einer eingeschränkten Herz- oder Nierenfunktionen mit Wasseransammlungen beziehungsweise Ödemen leidest. Auch wirken diese Tees nicht direkt gegen die Entzündung, sondern helfen nur mittelbar über ihre die Erreger unterstützend ausspülende Wirkung.

Du kannst Dir leicht und schnell selbst einen Blasentee zubereiten, indem Du zwei Esslöffel Birkenblätter mit einer Tasse heißem Wasser übergießt, nach 15 Minuten durch ein Sieb oder einen Filter laufen lässt, bevor Du den Tee trinkst. Oder Du gibst drei Teelöffel Schachtelhalmkraut mit einer Tasse Wasser in einen Topf, bringst es zum Kochen, lässt es zwischen 5 und 10 Minuten weiter köcheln, um es anschließend noch 15 Minuten stehen zu lassen, bevor Du es vor dem Trinken ebenfalls durch ein Sieb oder einen Filter laufen lässt. Diese beiden einfachen Teerezepte gelingen Dir auch dann noch, wenn Du Dich nicht gut fühlst und kaum noch Energie hast. Du bekommst lose Birkenblätter und Schachtelhalmkraut wie die fertigen Teemischungen in Deiner Apotheke.

 

Blasentee aus Spezial-Kräutermischung
Ein Tässchen Blasentee kann helfen.

 

Viel trinken

Sofern Du nicht, wie im vorherigen Kapitel bereits erwähnt, an einer herz- oder nierenbedingten Wasseransammlung im Körper leidest, ist reichliches Trinken eine gute Methode zum Bekämpfen einer Blasenentzündung. Neben Tees solltest Du dabei Wasser den Vorzug geben und nicht Säften, Limonaden oder gar Alkohol. 2 bis 3 Liter täglich sind ein guter Behandlungsansatz.

Pflanzenextrakte

Extrakte aus Bärentraubenblättern enthaltende Filmtabletten sind als kurzzeitige Behandlungsunterstützung in Absprache mit dem Arzt eine weitere Empfehlung gegen eine entzündete Blase. Ihrem Inhaltsstoff Arbutin wird seit Langem eine die Harnwege desinfizierende Wirkung nachgesagt. Auch Trockenextrakte der in Blasentees enthaltenen Goldrute oder Birkenblättern haben sich in der Blasenentzündungsbehandlung bewährt.

Eibischwurzel kann der Entzündung der Blasenschleimhaut entgegenwirken. Ein Spezialextrakt aus Kapuzinerkresse und Meerrettich ist einen Versuch wert, falls Du vorerst kein Antibiotikum einnehmen möchtest und Dein Arzt dies befürwortet.

Ein viel gegebener Tipp gegen Blasenentzündungen ist auch Preiselbeersaft beziehungsweise der noch intensivere Preiselbeerenextrakt. Er soll die Ansiedlung sowie Ausbreitung der Bakterien eindämmen, ihr Ausscheiden fördern und darüber hinaus entzündungshemmend wirken. Wer schon häufiger von Blasenentzündungen heimgesucht wurde und offenbar dazu neigt, kann diese Preiselbeerprodukte täglich zur Vorbeugung einnehmen.

Wärme

Halte Deinen Blasenbereich warm, um so Deine Schmerzen zu mindern und die Blasenmuskulatur zu entspannen. Mit einer Wärmflasche sowie Sitzbädern in warmem Wasser oder feuchtwarmen Umschlägen setzt Du diese Behandlungsmethode ganz einfach um.

Warme Kleidung von Herbst bis Frühjahr einschließlich warmer Schuhe bewahren außerdem vor ungesunder Kälteeinwirkung auf den Unterleib.

Was tun bei widersprüchlichen Behandlungsempfehlungen?

Das Internet wimmelt von Gesundheitstipps und Therapieempfehlungen für leichte Befindlichkeitsstörungen bis zu lebensbedrohlichen Erkrankungen. Bloß weil etwas öffentlich einsehbar ist, muss es noch lange nicht stimmen. Unser Artikel soll Dir Orientierungshilfe im Meer der fundierten Informationen und bloßen Behauptungen geben. Wende nur Hausmittel und Naturarzneien an, die Deine Beschwerden lindern und eine sich ankündigende Blasenentzündung eventuell noch abwenden können. Gehe lieber zu früh als zu spät zum Arzt.

Wahrscheinlich ist Dir schon aufgefallen, dass manche der zahlreichen Behandlungstipps für Blasenentzündungsbeschwerden für einige Menschen nicht geeignet oder sogar gefährlich sind, wenn sie an weiteren Erkrankungen leiden – zum Beispiel das empfohlene viele Trinken von Wasser oder Blasentees, das mit entsprechend hoher Urinproduktion Deine Blase durchspült. Herz- oder nierenkranke Menschen dürfen diesem Rat jedoch nicht einfach so folgen. Bei Deiner Eigenmedikation darfst Du nie Deine Aufmerksamkeit nur auf ein spezielles Missempfinden oder einen bestimmten angestrebten Behandlungserfolg richten. Du musst dabei immer Deine Beschwerden mit Deiner gesamten Person einschließlich eventueller weiterer, teils chronischer Erkrankungen und Medikamenteneinnahmen im Zusammenhang betrachten. Eigenmedikation ist für medizinische Laien ein Wagnis. Nicht umsonst dauert ein Medizinstudium viele Jahre.

Zwei Beispiele für Blasenentzündungen vorbeugende Maßnahmen sollen Dir zeigen, wie widersprüchlich Behandlungsempfehlungen sein können, und doch ist jede für sich durchaus berechtigt. Es geht in diesem Beispiel um das Beeinflussen des pH-Wertes des Urins. Normalerweise liegt der pH-Wert von Urin zwischen 5 und 7. Die pH-Wert-Skala reicht von 0 für extrem sauer bis zu 14 für extrem basisch beziehungsweise alkalisch. Die neutrale Mitte hat den pH-Wert 7.

Saurer Harn hemmt das Wachstum von Blasenentzündungen auslösenden Erregern. Eine Ernährungsumstellung und ergänzende Präparate können den Harn saurer machen. Eine erhöhte Zufuhr von Vitamin C kann beispielsweise eine solche Veränderung des pH-Werts herbeiführen. Stelle Deine Ernährung entsprechend um oder nehme ergänzend ein Vitamin-C-Präparat ein. Eine beginnende Blasenentzündung kannst Du so eventuell stoppen. Bei einer Veranlagung zu Blasenentzündungen kann der Urin vorbeugend saurer eingestellt werden. Keine Angst vor einer möglichen Überdosierung des Vitamins C: Überflüssiges Vitamin C gibt Dein Körper über den Urin wieder ab.

Auch eine Änderung des Urin-pH-Wertes in den basischen Bereich kann sich positiv auf eine Blasenentzündung auswirken. Als Tee getrunkene Bärentraubenblätter oder in Wasser aufgelöstes und getrunkenes Natron oder Backpulver alkalisieren den Urin. Nebeneffekt: Der nun weniger saure Urin brennt beim Wasserlassen nicht mehr so stark in der Harnröhre. Diese Behandlungsmethode darf jedoch nur über wenige Tage laufen. Stets stärker basischer Urin fördert nicht nur das Bakterienwachstum, sondern greift außerdem die inneren Hautschichten der Harnwege an.

Du siehst, diese beiden zunächst so harmlos klingenden Hausmittel-Tipps solltest Du niemals eigenmächtig zur Bekämpfung Deiner Blasenentzündung anwenden, sondern nur in Absprache mit Deinem Arzt.

Wie kann man einer Blasenentzündung vorbeugen?

Zwar kann niemand damit rechnen, in seinem Leben von einer Blasenentzündung verschont zu bleiben. Es gibt aber gleich mehrere bewährte Vorbeugungsmaßnahmen. Einige sind Dir schon aus dem Kapitel über die begünstigenden Faktoren von Blasenentzündungen bekannt. Zur Erinnerung und besseren Übersicht erscheinen sie hier ebenfalls wieder:

  • Regelmäßiges Händewaschen, zum Beispiel nach dem Toilettengang, nach Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln, Händeschütteln oder vor dem Zubereiten von Mahlzeiten sowie vorm Essen, sollte für Dich selbstverständlich sein. Allein damit tust Du schon eine Menge zur Vorbeugung einer Blaseninfektion.
  • Suche die Toilette nicht erst dann auf, wenn Deine Blase bereits prall gefüllt ist. Es ist besser, sie schon bei leichterem Harndrang zu leeren, damit mögliche vorhandene Erreger schnell wieder ausgespült sind. Nach dem Stuhlgang wische Dich niemals von hinten nach vorne ab, damit Darmkeime wie Kolibakterien gar nicht erst näher in Richtung Harnröhre gelangen.
  • Benutze keine Intimwaschmittel, die das Schleimhautmilieu zugunsten von entzündlichen Erregern verändern.
  • Trinke regelmäßig über den Tag verteilt Wasser oder Tee. Das durchspült Deine Blase und sorgt so dafür, dass sich Entzündungskeime dort nur schwer halten können.
  • Setze Dich nicht auf kalte Oberflächen und vermeide kalte Füße.
  • Tausche nasse Badebekleidung nach dem Schwimmen sofort gegen trockene aus. Trockne Dich dabei außerdem gründlich ab. So beugst Du einer Unterkühlung vor.
  • Ziehe Dich in der kalten Jahreszeit warm genug an. Miniröcke oder bauchfreie Tops begünstigen bei winterlichen Temperaturen eine Blasenentzündung.
  • Gib Slips aus Bauwolle den Vorzug vor Slips aus Kunstfasern. Allenfalls noch tolerierbar sind Unterhosen aus einem Baumwoll-Kunstfaser-Gemisch mit einem möglichst hohen Baumwollanteil von mindestens 90 %. Zum einen kannst Du Baumwollunterwäsche bei 60 °C oder mehr waschen. Zum anderen sind Baumwolltextilien luftdurchlässiger, im Gegensatz zu Kunstfasertextilien, die das Ansiedeln beziehungsweise Vermehren von Keimen begünstigen. Slips, auch solche aus Baumwolle, sollten außerdem nicht zu eng sitzen.
  • Wechsele Deine Unterwäsche täglich, wenigstens Deine Unterhosen.
  • Kondome beim Sex beugen nicht nur einer Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten vor, sondern auch Blasenentzündungen.
  • Nach dem Sex solltest Du möglichst zügig die Toilette aufsuchen, um mögliche Entzündungserreger loszuwerden.
  • Neigst Du zu Blasenentzündungen, solltest Du mit Deinem Frauenarzt Dein Verhütungskonzept darauf abstimmen. Nicht alle Verhütungsmittel sind dann für Dich geeignet.
  • Bei einer Neigung zu Blasenentzündungen kann auch die vorbeugende Einnahme von Vitamin C sinnvoll sein.

 

Im Bikini am Strand
Alles gut, solange der Bikini noch trocken ist

 

Welche Folgen unzureichend behandelte Blaseninfektionen haben können

An einer Blaseninfektion solltest Du nicht lange vergebens selbst herumdoktern oder Dich groß „zusammenreißen“. Tritt nach spätestens fünf Tagen keine Besserung ein oder verschlechtert sich Dein Zustand sogar weiter, zögere den Arztbesuch nicht mehr hinaus. Das Gefährliche an einer Blasenentzündung ist das mögliche Aufsteigen vom unteren in den oberen Harntrakt: die Nieren beziehungsweise das Nierensystem. Eine Blasenentzündung kann eine Nierenbeckenentzündung zur Folge haben oder sogar die Nieren dauerhaft schädigen. Blaseninkontinenz kannt eine weitere Folge einer verschleppten Blaseninfektion sein.

Schwangere, Diabetiker, Nierenkranke oder Personen, die Medikamente zur Immunsuppression einnehmen, dürfen beim Verdacht auf eine Blasenentzündung überhaupt nicht zögern mit einem Arztbesuch und es nicht einfach erst mal so mit Hausmitteln versuchen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel soll Dich rund um das Thema Blasenentzündung informieren. Er ersetzt nicht den Rat oder Besuch Deines Arztes, Heilpraktikers oder Apothekers.

Die genannten Behandlungs- und Vorbeugungsempfehlungen können die medizinische Therapie in Absprache mit Deinem Behandler unterstützen oder ergänzen und Symptome lindern helfen. Auch können bewährte Hausmittel die Zeit bis zum Aufsuchen einer Praxis überbrücken, zum Beispiel über das Wochenende.

Kurz gesagt

Eine Blasenentzündung ist ein wirklich lästiges Übel, das überwiegend Frauen betrifft. Trotz existierender zahlreicher Tipps für die Selbstmedikation mit Hausmitteln sollten Betroffene spätestens nach fünf Tagen fortbestehender oder sogar verschlimmerter Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Andernfalls riskieren sie weitere Gesundheitsschäden wie Nierenerkrankungen. Manche Blasenentzündungen müssten gar nicht sein, denn es gibt wirksame und einfach anwendbare Maßnahmen zur Vorbeugung.

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