Warum der Verlust eines Haustieres so traurig macht

Veröffentlicht am 07. November von Lieselotte Wever in Tiere

Der Verlust eines Haustiers löst bei seinem Besitzer oft tiefe Trauer aus. In seinem Umfeld findet der verlassene Haustierbesitzer dafür nicht immer Verständnis. Dabei ist so eine Reaktion völlig normal.

Haustiere sind Familienmitglieder

Für Tierhalter gibt es auf die Frage, ob Tiere eine Seele haben, eine klare Antwort: Ja! Wer mit Haustieren zusammenlebt, erkennt in ihnen tierische Verwandte mit vielen gleichen Bedürfnissen und ähnlichem Verhalten. Spielen, toben und kuscheln gefällt auch Bello oder Mieze. Haben sie etwas angestellt, ist ihnen oft genug hinterher das schlechte Gewissen anzusehen. Kannst Du dann Deinem zerknirschten Liebling überhaupt noch böse sein? Wie sehr freuen sich Hunde aufs Gassigehen und wie begeistert begrüßt Dich Dein Tier, wenn Du nach der Arbeit, vom Einkaufen oder von Besuchen wieder nach Hause zurückkehrst. Kinder vertrauen Haustieren ihren Kummer an. Für Erwachsene können Haustiere einen Kindersatz oder Partnerersatz darstellen. Manchen sind Tiere sogar lieber als Menschen. Haustiere akzeptieren ihren Menschen so, wie er ist.

Bei so viel gegenseitiger Liebe und Leben unter einem Dach nehmen Haustiere schon lange den Rang von Familienmitgliedern ein. Zumindest sind sie enge Freunde. Für Hunde sind ihre Menschen Angehöriger ihres Rudels. Sterben Haustiere eines Tages oder verlassen die Familie aus anderen Gründen, ist die Trauer um sie groß und unterscheidet sich in ihrer Intensität häufig kaum von der um einen Menschen.

Wie der Tod eines Haustieres eine schmerzliche Lücke hinterlässt

„Es war doch nur ein Tier.“ Vielleicht hast auch Du schon diesen Satz gesagt bekommen, als Du um Dein verstorbenes Haustier tief getrauert und tagelang geweint hast. Wie weh solche Worte tun! Wer so etwas sagt, kann nie selbst ein Haustier gehabt haben. Wenn jemand nicht nachvollziehen kann, wie sich Trauer um ein Haustier anfühlt, möge er doch einfach schweigen.

Der Verlust eines Tieres, das jahrelang gemeinsam mit Menschen in der Wohnung gelebt hat, hinterlässt durch seine Abwesenheit eine ständig spürbare, schmerzliche Lücke. Das gilt für Hunde, Katzen, Nager, Echsen, Vögel und noch viele mehr. Wer sich für ein bestimmtes Haustier entscheidet, baut eine Beziehung zu ihm auf und wird umgekehrt bei den meisten Arten zu einer Bezugsperson für das Tier. Sogar außerhalb der Wohnung lebende Pferde sind als Tierpersönlichkeiten eng in die Familie eingebunden. Sterben sie oder müssen sie aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen abgegeben werden, ist auch um sie die Trauer groß.

Fehlt das Haustier, wirkt die Wohnung deutlich leerer. Ist es Dir auch schon so ergangen, dass Du beim Heimkommen in Gedanken bist und aus Gewohnheit davon ausgehst, nach dem Aufschließen der Tür freudig in Deinem Tier begrüßt zu werden – und dann ist da nichts? Und Du weißt: Dein Liebling wird Dich nie wieder an der Tür erwarten. Was würdest Du darum geben, wenn Dein Wellensittich noch einmal die Tapete anknabbert oder Dein Hund auf Deinem Schuh kaut, nur, um sie wieder bei Dir zu haben. Diese Empfindungen und Gedanken sind es, die das Herz schwer machen.

Anders als viele Menschen lieben Haustiere ihre Besitzer bedingungslos. Wer jemals ein Haustier hatte, versteht, wie hart der Verlust seines Tieres einen Menschen treffen kann. Es gibt keinen Grund und ist sogar herzlos, einen um sein Tier trauernden Menschen nicht ernstzunehmen oder sich sogar darüber lustig zu machen.

 

Katze am Fenster
Schöne Momente als spätere Erinnerung

 

Trauer um Haustiere: die 4 Phasen der Trauerbewältigung

Die Schweizer Psychologin Verena Kast teilt den Trauerprozess um Verstorbene in 4 Phasen ein. Ihre ursprünglich für die Trauer um Menschen konzipierte Einteilung des Trauergeschehens lässt sich auch gut auf die Trauer um Tiere übertragen.

Für die Trauernden selbst sowie den Umgang anderer mit ihnen ist es hilfreich, über den Ablauf von Trauer mit ihren einzelnen Stufen Bescheid zu wissen. Außerdem ergeben sich daraus Erkenntnisse, wie jemand einem Trauernden in der jeweiligen Phase am besten mit Trost und Hilfe beistehen kann.

1. Trauerphase: nicht wahrhaben wollen

Der Tod des Tieres wirkt als Schock, selbst dann, wenn er aufgrund des Alters oder einer Erkrankung demnächst absehbar war. Ist der Moment eingetreten, ändert sich alles und hartnäckigste Hoffnungen zerschlagen sich endgültig. Nicht selten sind Tierhalter zuerst gar nicht in der Lage, den Tod ihres Tieres zu begreifen beziehungsweise zu akzeptieren. Sie fühlen sich hilflos und verzweifelt, wollen das Geschehene nicht glauben, leugnen es womöglich sogar. Sie wirken verstört oder apathisch, können sogar zusammenbrechen. Ihr Körper reagiert häufig mit erhöhtem Pulsschlag, Übelkeit bis Erbrechen und allgemeiner Unruhe.

Die 1. Trauerphase dauert bei Trauernden unterschiedlich lang: von ein paar Stunden bis zu mehreren Wochen.

Wie andere Familienangehörige und Freunde Trauernde jetzt unterstützen können

Andere Familienmitglieder und Freunde können Menschen, die um ihr Tier trauern, vor allem hiermit helfen:

  • einfach für sie da sein – erreichbar sein oder persönlich anwesend – ohne viel zu fragen oder sie gar in ihrer Trauer zu bevormunden
  • das Verhalten des Trauernden niemals kritisieren
  • Mitgefühl und Trost spenden
  • Verständnis zeigen
  • Hilfe im Alltag anbieten: zum Beispiel Einkaufen oder Putzen

2. Trauerphase: Aufbrechen von Emotionen

Nun löst sich der teilweise auch lähmende Schock. Intensive Gefühle wie Traurigkeit, Schmerz, Wut oder Angst brechen sich Bahn. Welche davon aufbrechen und in welcher Intensität hängt stark von der Charakterstruktur des Trauernden ab. Daneben kann es zu Selbstvorwürfen kommen. Hat der Tierbesitzer etwas Wichtiges versäumt, weshalb sein Tier sterben musste? Hätte er den Tod verhindern können? Auch wenn dem nicht so war oder sich solche Fragen gar nicht klären lassen, treten beim Grübeln darüber oft quälende Schuldgefühle auf. Der Trauernde sollte sie nicht verdrängen, sondern zulassen und so verarbeiten können. Unterdrückte negative Emotionen helfen nicht wirklich, sondern sind nur vorübergehend beiseitegeschoben und führen leicht später zu Depressionen.

Die Dauer der 2. Trauerphase ist im Voraus schwer einschätzbar. Sie wird einige Wochen dauern, möglicherweise mehrere Monate.

Was Trauernden in dieser Phase hilft

Um ihr Tier Trauernde können jetzt vor allem diese Hilfestellungen gut gebrauchen:

  • für den Trauernden da sein, ihm zuhören, nicht interpretieren und ihm keine eigenen Erlebnisse aufdrängen
  • sich gemeinsam mit ihm an Vergangenes erinnern
  • auf Gefühlsausbrüche verständnisvoll reagieren
  • anerkennen, dass negative Gefühle wie Niedergeschlagenheit oder Wut natürliche Bestandteile eines Trauerprozesses sind
  • nicht versuchen, von der Trauer abzulenken, da dies zur Verdrängung führt und den Trauerprozess verlängert
  • Schuldgefühle nicht bewerten, sondern in dieser Phase nur zur Kenntnis nehmen
  • zu Aktionen zur Trauerbewältigung im Alltag anregen, zum Beispiel spazierengehen, Musik hören, malen, Tagebuch schreiben und Entspannungsübungen

3. Trauerphase: suchen und sich trennen

Jetzt sucht der Trauernde nach gemeinsamen Erlebnissen mit seinem verstorbenen Tier. Wie war es damals, als es neu in den Haushalt kam? Wie wurde aus einem Welpen ein großer Hund? Welches waren seine liebsten Spazierwege und Spiele? Was war die Katze doch immer wählerisch bei ihrem Futter! Der Wellensittich konnte sogar seine Adresse aufsagen. Die schönen Erinnerungen sind ein wertvoller Schatz und helfen, über den Verlust hinwegzukommen. Der Trauernde hat dabei das Gefühl, seinem Tier nochmals zu begegnen. Die Gedanken an glückliche Zeiten gleichen Wehmut und Schmerz etwas aus. Allmählich löst sich der Trauernde aus seinem Kummer.

Gelegentlich gelingt dies jedoch nicht so leicht. Die Suche nach dem Schönen in der miteinander verbrachten Zeit kann auch zu Verzweiflung und einem Verharren in der Trauer führen, woraus sich der Trauernde nur langsam befreien kann. Nahm das Haustier gar gefühlsmäßig den Platz eines Kindes oder Lebenspartners ein, können vereinzelt sogar Selbstmordgedanken auftreten. In dem Fall sollte dringend psychotherapeutische Hilfe gesucht werden.

Wegen der individuell so unterschiedlichen Bewältigung der 3. Trauerphase kann diese sich über Wochen, Monate oder sogar Jahre hinziehen.

Womit Angehörige und Freunde nun am besten Beistand leisten

Auch in der 3. Trauerphase ist für von ihrem Haustier verlassene Halter menschliche Unterstützung weiterhin eine große Hilfe:

  • sich viel Zeit für den Trauernden nehmen
  • zuhören und Gefühle ernst nehmen, auch wenn diese inzwischen mehrfach zur Sprache kamen und
  • geduldig sein, wenn der Trauernde stets aufs Neue in seinen Erinnerungen an das Tier sucht
  • einfach zulassen, falls der Trauernde möglicherweise – wie schon in der 1. Trauerphase – erneut den Tod seines Tieres nicht wahrhaben will
  • nicht bedrängen, den Tod zu akzeptieren oder endlich den Trauerprozess abzuschließen
  • bei geäußerten Selbstmordgedanken professionelle Hilfe suchen, den Trauernden jetzt nicht allein lassen, sondern ihm extra beistehen
  • den Trauernden bei seinen Aktionen der Neuorientierung im Alltag und dem damit verbundenen Abschluss der Trauerbewältigung unterstützen

4. Trauerphase: neuer Selbst- und Weltbezug

In der letzten Trauerphase kommt der Trauernde endlich zur Ruhe. Er hat sich mit dem Verlust seines Tieres arrangiert und seinen Frieden gefunden. Das Tier trägt er jetzt in seinem Herzen und nimmt das Leben wieder an, wie es ist. Er erkennt seine Verantwortung für das eigene Leben und öffnet sich neuen Plänen. Darunter kann auch schon der Gedanke an die Anschaffung eines neuen Tieres sein.

Welche Hilfen jetzt noch gefragt sind

In der abschließenden 4. Trauerphase ist es einerseits gut, wenn nahestehende Personen weiterhin ihre Hilfe anbieten. Andererseits sollten sie sich dem Trauernden nicht aufdrängen, sondern vielmehr gutheißen, dass er ihre Hilfe nicht mehr benötigt. Manchmal fällt Personen, die einen Trauernden über längere Zeit begleitet haben, das Loslassen schwer. Dann sollten sie selbstkritisch hinterfragen, ob bei ihnen eventuell ein Helfersyndrom vorliegt – Ausdruck ihrer eigenen „Bedürftigkeit“, anderen zu helfen, um sich dadurch gebraucht zu fühlen.

Es genügt in der Schlussphase des Trauerns, dem Betroffenen für den denkbaren Rückfall in erneute starke Trauer Beistand anzubieten. Ansonsten sollte sich die Unterstützung jetzt darauf konzentrieren, Hilfe für die Neuordnung des Alltags und die Bewältigung der Folgen möglicher eingetretener Veränderungen im Beziehungskreis anzubieten. Die Akzeptanz, kaum noch gebraucht zu werden und die Trauerbegleitung allmählich zu beenden, sollte im Vordergrund stehen.

 

Labrador auf Wiese
Ein treuer Gefährte – hoffentlich noch viele Jahre …

 

Haustierverlust durch Entlaufen, Fortfliegen oder Diebstahl

Der Verlust eines Haustieres geschieht nicht nur durch seinen Tod. Gelegentlich entlaufen Tieren oder fliegen fort. Über Suchaktionen oder den Tieren implantierte Chips können Halter und Haustier gelegentlich wieder vereint werden. Leider bleiben solche Erfolge häufig aus. Das dann ungeklärte Schicksal des Tieres belastet seine Besitzer meistens mehr als es eine immerhin endgültige Todesnachricht täte.

Quälend ist auch der Diebstahl eines Haustieres. Vor Geschäften angeleinte Hunde oder in einem unachtsamen Moment entwendete Tiere sind klassische Beispiele. Sogar von der Koppel entwendete Pferde machen gelegentlich Schlagzeilen. Auch hier ist es neben dem Verlust des Tieres die Ungewissheit über sein weiteres Ergehen, die Frauchen oder Herrchen beinahe um den Verstand bringt.

Egoistisch und gemein ist außerdem das Wegnehmen eines Haustieres, wozu es immer wieder bei zerbrechenden Partnerschaften kommt. Im Streit versucht ein Partner den anderen genau dort zu treffen, wo es besonders wehtut. Was eignet sich besser, als ein geliebtes Haustier zu entführen? Zumindest im Auge des Ex-Partners: Blind vor Wut nimmt der Rachsüchtige es einfach an sich. Das Tier ist nur noch Mittel zum Zweck. Nicht selten landen solche Fälle vor Gericht. Schwacher Trost: Hier weiß der ehemalige Besitzer meistens, wo sein Haustier abgeblieben ist. Es ist allerdings schon passiert, dass der Ex-Partner das gestohlene Tier weitergegeben hat und nicht sagt, wohin.

Haustier einschläfern: Gibt es dafür überhaupt den richtigen Zeitpunkt?

Eine enorme Herausforderung für Haustierbesitzer bedeutet der Moment, in dem es sinnvoll erscheint, sein Tier einschläfern zu lassen. Hast Du selbst schon vor dieser Entscheidung gestanden? Dann weißt Du, wie schwer das ist. Dein Tier ist krank, es leidet, aber dennoch hast Du Sorge, es könnte zu früh dafür sein. Denke daran, dass es sich beim Einschläfern um eine Erlösung Deines Lieblings von starken Schmerzen und womöglich weiteren Qualen handelt. Versuche auf keinen Fall, lediglich den Zeitpunkt des letztendlich doch absehbaren Todes Deines Tieres hinauszuschieben. Das wäre egoistisch und unfair Deinem Tier gegenüber. Besprich Dich mit Deinem Tierarzt. Er wird Dich beraten, ob Du Dein Tier von seinem Leiden erlösen lassen solltest oder ob noch Hoffnung zur Besserung besteht.

Ein neues Haustier: Verrat?

Wenn die Trauer allmählich leichter wird und den schönen Erinnerungen Platz macht, denkst Du vielleicht an ein neues Haustier. Ist das jetzt Verrat Deinem verstorbenen Liebling gegenüber? Lasse Dir so etwas nicht einreden. Wichtig ist, dass Du den Tod Deines Tieres innerlich verarbeitet hast. Manche Menschen sind schon nach einem Monat wieder bereit für ein neues Haustier, andere vielleicht erst nach einem Jahr. Dabei solltest Du kein Tier wählen, das dem verstorbenen möglichst ähnlich sieht. Du würdest es ständig mit seinem Vorgänger vergleichen. Das täte Dir nicht gut und wäre auch unaufrichtig Deinem neuen Hausgenossen gegenüber. So wirst Du mit einem neuen Tier wieder glücklich sein und das alte in liebevoller Erinnerung behalten.

Kurz gesagt

Der Verlust eines Haustieres tut weh. Es war nicht einfach nur ein Tier, sondern mindestens so etwas wie ein lebendiges Kuscheltier und ein lieber Spielkamerad. Oft gilt ein Haustier sogar als Familienmitglied. Stirbt ein Tier, löst das große Trauer aus. Sehr belastend ist auch der Verlust eines Tieres durch Entlaufen oder Diebstahl. Hier bleibt sein weiteres Schicksal häufig ungeklärt, was neben der Trauer zusätzlich ängstigt. Um ihr Haustier Trauernden sollte mit Respekt und Mitgefühl begegnet werden.

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