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Tierquälerei, die Dir vielleicht nicht bewusst ist

von Lieselotte Wever
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Schaf auf der Weide

„Tiere quälen geht gar nicht!“ Darüber bist Du Dir wahrscheinlich mit vielen Gleichgesinnten einig. Danach gefragt, was für Dich Tierquälerei ist, fallen Dir sofort eine Menge Beispiele ein. Du bist Dir auch sicher, dass ein Tierquäler genau weiß, was er tut. Und natürlich würdest Du selbst niemals Tiere quälen. Das könntest Du gar nicht, selbst wenn Dir jemand dafür eine Belohnung versprechen würde. Völlig pervers! Niemals! Dabei hast Du es womöglich gerade erst gestern getan und wirst es demnächst wieder tun. Wie viele andere Menschen auch.

Tierquälerei: Wo fängt sie an? Wo hört sie auf?

Fast alle Menschen haben eine klare Vorstellung von Tierquälerei. Ebenso wissen sie um gewisse Grauzonen, bei denen es strittig ist, ob etwas schon Tierquälerei ist oder einem Tier noch zumutbar. Schließlich ist in einem Menschenleben auch nicht immer alles Zuckerschlecken.

Tierquälerei bedeutet nicht nur Schläge, Futterentzug oder ein schmutziger Käfig. Viele Menschen haben erkannt, dass Fleisch aus Massentierhaltung und zahlreiche Pelzerzeugnisse von gequälten Tieren stammen. Trotzdem achten immer noch zu viele Menschen mehr auf den Preis als auf die Herkunft, die Umstände der Haltung oder die Verarbeitung. Auch dabei handelt es sich noch nicht um unbewusste Tierquälerei, sondern vielmehr um ihre durchaus bewusste Inkaufnahme.

Streiten kann man auch darüber, ob Tiere in Zoos und Zirkussen tatsächlich gequält werden, zumindest, wenn es sich dabei um gut geführte Unternehmen handelt: Zoos, die sich um großzügige und abwechslungsreich gestaltete Tierlandschaften mit Beschäftigungsmöglichkeiten kümmern sowie Zirkusse, die ihren Tieren nicht nur in der Manege Platz zur Bewegung geben, sondern auch außerhalb von Vorstellung und Training, und die zudem auf Attraktionen wie motorradfahrende Bären oder Schimpansen oder Bälle jonglierende Seelöwen verzichten.

Dem Schäferhund aus dem vierten Stock im Haus ohne Fahrstuhl fällt das Treppenlaufen schwer, mit jedem Lebensjahr mehr. Zum Tragen wiegt er allerdings zu viel. Seine Familie liebt ihn innig und würde ihn nie hergeben, findet dennoch einen Umzug in eine niedriger gelegene Wohnung übertrieben. Ist das nun schon Tierquälerei? Und was ist mit dem Meerschweinchen, das ein einsames Dasein in seinem Käfig fristet, und seine Besitzer sind tagsüber aus dem Haus? Artgerecht wäre hier die Haltung mehrerer Meerschweinchen in einer Gruppe. Nicht optimal oder schon Tierquälerei?

Warum unbewusste Tierquälerei weit verbreitet ist

Oft ist nur wenigen Menschen bekannt, was sich wirklich hinter der Herstellung von Produkten im Zusammenhang mit Tieren verbirgt. Hinzu kommt, dass viele sich umfassend aufgeklärt glauben, wenn sie wissen, wie Enten und Gänse für das angebliche Feinschmeckerlebensmittel Stopfleber – Foie gras – leiden müssen. Oder dass in Kleinanzeigen oder gar aus dem Kofferraum angebotene süße Hundewelpen zum Mini-Preis wie am Fließband in osteuropäischen Vermehrungsanstalten von ausgelaugten Hundemüttern geworfen und ihnen viel zu früh weggenommen wurden. Richtig handelt, wer dann einem Kauf widersteht, auch wenn ihm die armen Hunde noch so leidtun. Jeder Kauf bestätigt die Tiervermehrer in ihrem schäbigen Handeln. Der Sumpf lässt sich nur austrocknen, indem Hundeinteressenten einen seriösen Züchter aufsuchen oder sich einen Hund aus dem Tierheim holen und so profitgierigen Tierproduzenten ohne Herz das Geschäft verderben.

Tierschutz ist doch im Grunde recht einfach, wenn man die Augen offenhält, Dinge hinterfragt und bereit ist, seine Komfortzone zu verlassen – den Tieren zuliebe. Oder?

Mit dieser Einstellung ist im Tierschutz schon einiges gewonnen. Wenn Du so denkst und handelst, trägst Du zum Tierwohl bei. Dennoch kann es sein, dass auch Du gelegentlich Tiere quälst, allerdings unbewusst.

Wohinter sich Tierleid verbirgt

Manches Tierleid bleibt sogar aufmerksamen Tierfreunden verborgen. Mal liegt es daran, dass bei einem Angebot oder einer Situation ein Verdacht auf mögliche Tierqual fernliegt. Mal werden aber auch bestimmte Sachverhalte verschwiegen und erfolgreich dem öffentlichen Bewusstsein vorenthalten. Sag ehrlich, welche der nun folgenden Beispiele waren Dir bereits bekannt?

Schafe auf der Weide

Nein zu Mulesing bei Schafen

Wegen ihrer wärmenden Funktion ist Kleidung aus Wolle bei kühler Witterung beliebt. Sofern sie nicht als Veganer grundsätzlich alle Erzeugnisse tierischer Herkunft ablehnen, haben Tierfreunde bei Wolle selten Bedenken. Ob gewebt oder verstrickt, deckt Wolle ein weites Textilspektrum von Haute Couture bis zum Strickhobby ab. Bei Herstellern ökologischer Kleidung sind Stücke aus Wolle fast immer dabei. Unter den Beschreibungen der ökologischen Herstellungsbedingungen taucht gelegentlich der Begriff „mulesingfrei“ auf. Auch Anbieter von Wollgarnen stellen „mulesingfrei“ manchmal als besonderes Qualitätsmerkmal heraus, gern in Verbindung mit einem skizzierten lächelnden Schaf. Nicht jeder weiß etwas damit anzufangen und nimmt es einfach zur Kenntnis, ohne näher zu prüfen, was dahinter steckt. Schließlich wird „mulesingfrei“ bei Ökotextilien schon nichts Schlimmes bedeuten. Fehlt der Begriff, werden ihn diejenigen gar nicht erst vermissen, die ihn sowieso nicht kennen.

Was ist Mulesing?

Mulesing wird vor allem bei Schafherden in Australien und Neuseeland praktiziert. Auslöser für diese Behandlungsmethode ist eine aus Südafrika wahrscheinlich im 19. Jahrhundert eingeschleppte und für Schafe gefährliche Fliegenart. Besonders heikel ist der Befall mit Maden dieser Fliegen bei den extrem wollreichen Merinoschafen. Darum geht es: Die Fliegen der Art „Lucilia cuprina“ legen ihre Eier bevorzugt im Analbereich von Schafen ab. Dort – direkt unterm Schafsschwanz, in schlecht gelüfteten Hautfalten und von Schafwolle geschützt – ist es warm, feucht und schmutzig: das ideale Wohlfühlambiente für Fliegen und Maden. Das ist unappetitlich, aber noch kein Grund für Mulesing. Ein von diesen Fliegenmaden besetztes Schaf befindet sich nämlich in Lebensgefahr. Der Fliegenbefall wird als Fliegenmadenkrankheit beziehungsweise Myasis bezeichnet. Die Maden siedeln und fressen sich in Haut und Unterhaut, wo sie schwere und sogar tödliche Entzündungen verursachen können. Je heißer es draußen ist, desto prächtiger gedeihen die Maden und umso schneller verläuft der gefährliche Prozess. Bestimmt leuchtet Dir ein, dass kein Eigentümer einer Schafherde bereit ist, sich damit abzufinden.

Als effektive Verhinderungsmethode des Madenbefalls hat sich das Mulesing erwiesen. Wie einige Erfindungen und Methoden beruht auch das nach seinem Entdecker John W. H. Mules benannte Verfahren auf einem zufälligen Ereignis. Früher war es üblich, Schafen den kritischen Bereich für Madenbefall einfach zu scheren. Mr. Mules rutschte dabei eines Tages mit seinem Schermesser ab und entfernte dabei ein Hautstück. Dies vernarbte und blieb künftig frei von Schafwolle. Es siedelten sich kaum noch Maden an. In den 1930er Jahren wurde die Mulesing-Methode in Australien immer populärer, später auch in Neuseeland. Sie wird bis heute angewandt.

Warum ist Mulesing so schlimm?

Was ist so übel an Mulesing? Es bewahrt doch die Schafe vor großem Leid durch den Madenbefall. Die Tierquälerei beim Mulesing ist, dass es sich dabei um einen chirurgischen Eingriff ohne Betäubung handelt. Das Schaf wird dafür praktisch bewegungsunfähig fixiert und anschließend mit einem speziellen Schnitt ein bestimmtes Hautstück zwischen After und Schwanz herausgeschnitten und dabei auch der Schwanz zum großen Teil entfernt. Immerhin nehmen den Eingriff zumindest in Australien eigens dafür ausgebildete Personen vor. Trotzdem braucht es nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, wie schmerzhaft und beängstigend für das Schaf diese Prozedur ist. Dabei hat Mulesing durchaus einen nachvollziehbaren Grund. Warum aber muss es ohne Betäubung vorgenommen werden? Dahinter kann nur Kostenersparnis stecken und die ist in diesem Fall verwerflich.

Unternimmt denn niemand etwas gegen Mulesing?

In Australien machten sich im Jahr 2004 Angehörige der australischen Wollindustrie dafür stark, Mulesing bis Ende 2010 zu beenden. Doch wurde der anberaumte Termin abgesagt und kein neuer festgesetzt. Immerhin sollen inzwischen einige Schafherdenbesitzer bei den Eingriffen freiwillig örtliche Betäubungen vornehmen. In Neuseeland wurde Ende 2010 ein sogenanntes freiwilliges Mulesing-Verbot vereinbart, bei dem jedoch nicht alle mitziehen.

Erfolgreiche Maßnahmen anstelle des chirurgischen Eingriffs sind im Gespräch, vor allem:

  • Züchtung von Schaftypen mit schwächerem Wollwachstum im Schwanz- und Analbereich
  • Fliegenbekämpfung: biologisch oder mit Insektiziden
  • spezielle Plastikclips für den kritischen Hautbereich

Über ohne Betäubung vorgenommene Amputationen von Ringelschwänzen oder Kastrationen bei Ferkeln sowie das Kappen von Schnabelspitzen bei Hühnern empören sich Tierfreunde regelmäßig. Das ist auch richtig so! Über das Leid von Schafen durch Mulesing dringt jedoch kaum etwas nach außen.

Was kannst Du gegen Mulesing tun?

Erzähle anderen vom Mulesing und trage mit dazu bei, dass Mulesing durch eine andere Methode ersetzt oder ansonsten zumindest nur noch schmerzfrei ausgeführt wird.

Achte beim Kauf von Wollgarnen und Wollkleidung auf eine entsprechende Angabe für eine mulesingfreie Produktion. Fehlt diese, wurde sie mit Sicherheit nicht vergessen, sondern es gibt dafür einen traurigen Grund. Wecke das allgemeine Bewusstsein für dieses Problem und frage in Geschäften gezielt nach mulesingfreier Ware. Verzichte gegebenenfalls auf einen Kauf. Die Produzenten von Mulesing-Ware müssen dort getroffen werden, wo es ihnen weh tut: beim Geld.

 

Leid der Hochzeitstauben beenden

Tauben symbolisieren Frieden und Romantik. Sie sind einander ein Leben lang treu. Damit sind sie als Omen für eine glückliche Ehe die perfekten Darsteller. Auf Bildern sind Friedenstauben fast immer weiß. Weiße Tauben haben von Natur aus ein festliches Aussehen und passen damit optisch bestens auf eine Hochzeitsfeier. Ihr Auftritt ist spektakulär. Sie werden in blumengeschmückten Boxen angeliefert, aus denen heraus es raschelt und gurrt. Die Tauben lassen sich oft anfassen und in die Hand nehmen. Eine besonders schöne und gern fotografierte oder gefilmte Szene ist, wenn Braut und Bräutigam jeder eine Taube auf die Hand nehmen, sich dabei verliebt in die Augen schauen und dann mit Schwung die Tauben fliegen lassen. Ein weiteres Highlight ist das Aufliegen des übrigen Taubenschwarms.

Symbolisierte Romantik unter Qualen

Zugegeben: Das Ritual hat etwas. Als Programmpunkt einer Hochzeit ist es von bestechender Ausdruckskraft. Da wundert es nicht, dass Hochzeitstauben so gefragt sind. Hochzeitspaare buchen sie oder lassen sie sich zur Hochzeit schenken. Braut, Bräutigam und Gäste ahnen nicht, dass der Einsatz von Hochzeitstauben in Wahrheit Tierquälerei ist. Darauf aufmerksam gemacht, würden sie es wohl erst einmal nicht glauben. Was ist schon dabei, wenn an Menschen gewöhnte Tiere mal ein Weilchen in einer Box ausharren müssen? Sie werden schließlich bald freigelassen. Hochzeitstauben sind außerdem an ihren Job gewöhnt. Alles gut.

Nein, daran ist überhaupt nichts gut. Hochzeitstauben leiden enorm. Niemals solltest Du sie auf Deiner eigenen Hochzeit einsetzen und auch nicht anderen Paaren zur Hochzeit schenken. Stattdessen solltest Du mit dafür sorgen, dass sich das Leid der Hochzeitstauben herumspricht. Da gibt es noch großen Aufklärungsbedarf, nämlich:

Hochzeitstauben sind bei ihrem Auftritt riesigem Stress ausgesetzt. Tauben sind standorttreu, also am liebsten in ihrer vertrauten Umgebung. Diese Eigenschaft wird außer bei Hochzeitstauben auch bei Brieftauben genutzt. Die Tiere haben den Drang, von einem anderen Ort möglichst schnell wieder in ihren heimischen Taubenschlag zurückzukehren.

Hochzeitstauben fühlen sich also auf einer Hochzeit an entferntem Ort nicht wohl. Bereits in der Box sind sie mit fremden Eindrücken konfrontiert. Zwar haben sie meistens schon mehrere Einsätze hinter sich und kennen den Ablauf. Dennoch haben sie puren Stress. Sie mögen das ganze Spektakel mit den vielen fremden Menschen nicht. Wenn diese Personen dann noch einige der Tauben zwar gut gemeint streicheln und in die Hand nehmen, verschlimmert dies das Unbehagen der Tiere zusätzlich.

Hochzeitstauben in Gefahr

Fliegen die Tauben am Schluss davon, wird es für sie sogar lebensgefährlich. Der Orientierungssinn von Tauben gilt als legendär, wird jedoch überschätzt. Längst nicht alle von ihnen finden wieder an den Ursprungsort zurück. Für Hochzeitstauben gilt dies noch mehr als für Brieftauben, die einen guten Orientierungssinn haben. Es wird vermutet, dass sich unter den Stadttauben etliche verirrte Hochzeitstauben befinden. Vielleicht sind auch Dir schon einmal in städtischen Taubenschwärmen ein paar weiße Tauben aufgefallen. Trotzdem schließen sich nicht alle verwirrten Tauben einer Taubengruppe an. Zu viele von ihnen landen einsam, desorientiert und entkräftet im Irgendwo, wo sie jämmerlich verhungern. Als in Gefangenschaft lebende Zuchttiere haben diese Tauben nie gelernt, draußen zu überleben. Hinzu kommt, dass ihr prachtvolles Gefieder Hochzeitstauben beim Laufen und in der Sicht behindert. Das erhöht die Unfallgefahr, zum Beispiel im Straßenverkehr.

Häufig werden Hochzeitstauben auch Opfer von Raubvögeln. Mit ihrem weißen Gefieder fallen sie sowieso auf. Sind sie außerdem geschwächt, werden sie schon deshalb zur leichten Beute. Für eine Hochzeitstaube kann also jeder Einsatz das baldige Ende ihres Lebens bedeuten. Hat sie Glück im Unglück, wird sie gerade noch rechtzeitig von Tierschützern entdeckt und gerettet.

Ganz schön krass, findest Du nicht? Und das war noch nicht alles zu diesem Thema. Da behaupten Anbieter von ihren Hochzeitstauben, dass diese aus lauter Liebe wieder zu ihnen zurückkehren würden. Dabei weißt Du ja inzwischen, dass die standorttreuen Tauben dabei in der Hauptsache ihrem Instinkt folgen. Wer seine Tauben wirklich liebt, vermietet sie nicht als Hochzeitstauben. Ein Geschmäckle hat bei derartigen Behauptungen auch die von Hochzeitstaubenanbietern gern praktizierte „Witwermethode“ . Hierbei werden die stets monogamen Taubenpaare voneinander getrennt, damit das einzelne Tier zusätzlich bestrebt ist, möglichst zügig zu seinem Partner im heimischen Schlag zurückzukehren. Stell Dir das einmal vor: Ausgerechnet ein gewaltsam voneinander getrenntes Taubenpaar soll auf einer Hochzeit Glück bringen! Das ist Zynismus und außerdem erst recht Tierquälerei.

Welche Alternativen zu Hochzeitstauben gibt es?

Unterstütze nicht das Leid und die Ausbeutung von lebenden Hochzeitstauben. Was Du stattdessen auf Deiner oder der Hochzeit von anderen tun kannst: Du dekorierst mit weißen Tauben in Form von Figuren oder verschenkst sie an das Hochzeitspaar. Du kannst die Tauben selber basteln oder auch kaufen. Außerdem kannst Du dem Paar eine geschmückte Box mit Zetteln voller guter Wünsche überreichen.  Luftballons wiederum sind keine gute Idee – warum nicht, erfährst du hier.  Mach mit und kläre Hochzeitspaare, Hochzeitsausrichter und Hochzeitsfotografen darüber auf, weshalb Hochzeitstauben und Luftballons tierquälerisch und umweltschädlich sind.

 

Büffel auf der Weide

Das grausige Geheimnis hinter italienischem Büffelmozzarella

Wenn Du Veganer bist, kommt Dir Büffelmozzarella ohnehin nicht auf den Teller. Wenn Du Vegetarier oder theoretisch Allesesser bist, schließt Du womöglich Molkereiprodukte für Deine Ernährung aus, weil auch sie für Dich mit Tierleid verbunden sind. Du weißt, dass Kühe regelmäßig Kälber gebären müssen, um weiter Milch zugeben. Diese Kälber werden ihren Müttern früh weggenommen. Sie erhalten dann Ersatzmilch, damit die Milch ihrer Mütter möglichst bald wieder dem Verkauf zur Verfügung steht. Weibliche Kälber der Milchkühe werden eines Tages ebenfalls als Milchkuh in den Produktionskreislauf integriert werden. Der Wert männlicher Kälber bemisst sich in ihrem Fleisch. Sie werden fast immer nach wenigen Monaten geschlachtet. Das ist traurig genug, doch noch nicht alles an Schlimmem.

Büffelmozzarella: eine höchst fragwürdige Delikatesse

Hinter der Erzeugung von italienischem Büffelmozzarella versteckt sich eine Tiertragödie, die auch abgehärtete Feinschmecker ins Grübeln bringen muss. Ebenso ist es schwer begreifbar, wie Menschen mit solchen Methoden arbeiten und nachts noch gut schlafen können.

Bei der Milchproduktion für Büffelmozzarella müssen Büffelkühe ebenfalls kontinuierlich Nachwuchs haben, um regelmäßig Milch zu geben. Doch viele italienische Milchbauern haben den Produktionsprozess stark gestrafft und gehen dabei im Wortsinne über Leichen. Original Büffelmozzarella aus Italien ist in Italien und im Ausland begehrt. Mit Büffelmozzarella lässt sich also viel Geld verdienen.

Es liegt weniger am Aufwand, den das Aufziehen der für die Milcherzeugung nutzlosen männlichen Büffelkälber bedeutet. Nach ihrem wildähnlich schmeckenden Fleisch besteht bisher kaum Nachfrage. Es scheint, dass die meisten Menschen entweder Fleisch von traditionellen Wildarten essen möchten oder eben Rindfleisch ohne Wildnote. Daher machen sich viele der Erzeuger nicht die Mühe, Büffelkalbfleisch zu vermarkten. Es gehen nur geringe Mengen des Fleisches in den Verkauf, wenn nicht für Menschen, dann gelegentlich noch als Hundefutter. Ein Großteil der Bauern geht sozusagen den ganz kurzen Dienstweg und entsorgt die kleinen Bullen direkt.

Solltest Du jetzt noch glauben, dass die sozusagen überflüssigen männlichen Büffelkälber wenigstens „anständig“ getötet werden, irrst Du leider gewaltig. Wirf einen Blick auf die Überschrift dieses Kapitels, die das grausige Geheimnis in der Büffelmozzarellaerzeugung erwähnt. Herzloser geht es einfach nicht mehr. Dabei wenden die Bauern verschiedene Methoden an. Einige von ihnen füttern die frischgeborenen Kälber vor ihrem geplanten baldigen Tod gar nicht erst. Jeder Tropfen Muttermilch oder Ersatzmilch ist für sie ökonomischer Unsinn. Sie lassen ihre Kälber einfach verhungern, wohl wissend, dass es nicht lange dauern wird. Wird das Gebrüll der hungrigen kleinen Bullen zu laut, binden die Bauern ihnen kurzerhand die Mäuler zu.

Die verendeten Tiere landen anschließend kaum in der Tierkörperbeseitigung. Neben Kostengründen dürfte dies vor allem auch am Vertuschen der Taten liegen, die trotz ihrer weiten Verbreitung illegal sind. Die Todesursache der ausgemergelten, verhungerten Tiere wäre offensichtlich. Die toten Körper werden daher oft im Gebüsch abgelegener Gegenden entsorgt. Gelegentlich werden sie dort von Außenstehenden gefunden, oft in bereits stark verwestem Zustand. In Italien laufen solche makabren Fundorte unter dem Begriff „Büffelfriedhöfe“. Manche Bauern machen auch kurzen Prozess und ertränken die unerwünschten Büffelkälber im Güllebehälter. Neben der Grausamkeit dieser beiden Tötungsarten erscheint eine weitere Methode, nämlich die kleinen Büffel einfach zu erschlagen, beinahe schon human.

Das Leid der Büffel in Italien ist gewaltig, auch weil in Italien circa 400.000 Büffel zur Milcherzeugung gehalten werden. Die Kühe kalben jedes Jahr einmal. Da nun mal ungefähr die Hälfte aller Kälber männlich sind, kannst Du Dir vorstellen welches Ausmaß diese Tragödie hat. Dabei ist jedes totgequälte Büffelkalb eines zu viel.

Die Haltungsbedingungen der Milch gebenden Büffelkühe sind ebenfalls oft eine Katastrophe. Sie werden als reine Wirtschaftsobjekte betrachtet. Zusammengepfercht in riesigen Stallanlagen verbringen sie ihr trauriges Leben in Schmutz und Hitze. Tierwohl ist hier ein absolutes Fremdwort. Weil Büffel weniger Schweißdrüsen haben als klassische Milchkühe, setzt ihnen warmes, feuchtes Stallklima besonders zu, vor allem unter den klimatischen Bedingungen von Südeuropa. Wasserspritzanlagen oder sogar Schlammbäder, wie sie in den Betrieben angeboten werden, die ihre Tiere als Werte sehen, bleiben den Mozzarella-Büffeln versagt. Einen Gang auf die Weide kennen sie nicht. Stattdessen stehen sie in ihren Exkrementen. Wunden werden kaum versorgt und Klauenpflege unterbleibt. Auch sauberes Trinkwasser steht nicht immer zur Verfügung. Unter solchen katastrophalen Haltungsbedingungen können sich Krankheiten leichter ausbreiten. So bleibt es nicht aus, dass einige der kranken und geschwächten Tiere sterben. Es kann mehrere Tage dauern, bis sie entfernt werden. Solange befinden sich die toten Büffel unter ihren noch lebenden Artgenossen. Das ist kaltherzig, unhygienisch und gesundheitlich äußerst bedenklich.

Trügerisches Marketing

In ihren Betriebsbroschüren präsentieren solche Mozzarella-Erzeuger eine verlogene heile Büffelwelt. Sie haben keine Skrupel, ihre Tiere in einer Idylle auf einer saftig grünen Wiese und in Flüssen badend abzubilden, wie diese es nie erleben. Aber es scheint sich allmählich herumzusprechen, dass Büffel-Mozzarella unmittelbar mit Tierleid zu tun hat.

Büffel-Mozzarella: Achte hierauf

Was Du tun kannst: Kaufe keinen Büffel-Mozzarella – mozzarella di bufala – mehr, es sei denn, er stammt aus ökologischer Landwirtschaft. Solche Betriebe gibt es außer in Italien auch in Deutschland. Dort leben die Tiere in hygienischen Ställen bei gesunden Futter und immer genug Trinkwasser. Außerdem haben sie genug Bewegungsfreiheit und Auslauf. Gut ein halbes Jahr verbringen sie sogar auf der Weide, oft mit schattenspendenden Bäumen. Der männliche Nachwuchs der Büffelkühe wird außerdem nicht als vermeintlich wertlos unmittelbar nach der Geburt getötet, sondern aufgezogen und zur ht oder Mast verwendet. Regelmäßige Kontrollen sichern Tierwohl und Qualität.

Mozzarella bekommst Du auch aus herkömmlicher Kuhmilch. Der schmeckt auch und ist außerdem wesentlich preiswerter als der stets teuer vermarktete Büffel-Mozzarella. Hier stimmt leider die Behauptung, dass ein hoher Preis allein noch keine Garantie für ein hochwertiges und unter verantwortungsvollen Bedingungen hergestelltes Erzeugnis ist. Eher ist es zynisch, wie ein derart nachlässig und unhygienisch hergestelltes Produkt so teuer verkauft wird.

Wie auch bei anderen Tierquälereien solltest Du andere über die schlimmen Hintergründe der Büffel-Mozzarella-Produktion vieler Betriebe informieren. Einige Tierschutzorganisationen engagieren sich für bessere Bedingungen in der Büffelhaltung und Büffel-Mozzarella-Herstellung. Sie freuen sich immer über Unterstützer.

 

Gänse auf der Wiese

Brutal: Lebendrupf für Gänsedaunen

Kopfkissen und Bettdecken mit einer Füllung aus Daunen haben in Deutschland Tradition. Gut möglich, dass auch Du Dich nachts in daunenweiches Bettzeug kuschelst. Als Füllmaterial für Jacken, Mäntel und Schlafsäcke sind Daunen ebenfalls beliebt. Bei den Daunen handelt es sich meistens um Enten- und Gänsedaunen. Viele Käufer gehen davon aus, dass die Federn von Schlachttieren stammen. Das trifft für Enten zu, jedoch für Gänse nur zum Teil.

Die traurige Wahrheit hinter Gänsedaunen

Gänse werden oft lebend gerupft, schließlich sind bei lebenden Tieren die Federn innerhalb sechs Wochen nachgewachsen. In einem Gänseleben ist so ein drei- bis viermaliger Rupf möglich, gelegentlich auch häufiger. Zwar ist Lebendrupf strafbar in Deutschland und der übrigen EU, doch halten sich nicht immer alle Betriebe daran. Außerdem stammen viele Daunen aus Importen von Ländern, wo das Rupfen lebender Gänze gesetzlich erlaubt ist, darunter China sowie trotz Verbot auch EU-Staaten wie Polen und Ungarn, welche sich wiederum nicht schämen, für ihre Tierhaltung Subventionen von der EU einzustreichen.

Die Gänse werden von Hand gerupft oder von speziellen Rupfmaschinen, obwohl Letztere für das Rupfen bereits geschlachteter Gänse gedacht sind. Bloß: Wo kein Kläger ist, ist kein Richter. Du kannst Dir bestimmt vorstellen, dass eine mechanisch arbeitende Gänserupfmaschine eine Gans wie die andere behandelt. Aber auch beim Handrupf geht es kaum zartfühlender zu. Die Tiere werden quasi im Akkord gerupft. Dabei sind vor allem die Brustfedern von Interesse. Die Arbeiter gehen dabei nicht zimperlich vor: Oft klemmen sie sich die Gänse zwischen die Knie, um ihnen die Federn mit möglichst wenig Gegenwehr büschelweise hastig und brutal herauszureißen. Kollateralschäden wie gebrochene Flügel und Hautverletzungen nehmen die Rupfer dabei erbarmungslos in Kauf. Größere mehrere Zentimeter lange Verletzungen werden anschließend – ohne Desinfektion und Betäubung! – genäht. Gänse mit weniger „Glück“ werden in einigen Betrieben aber auch mit ihren Verletzungen sich selbst überlassen, was ihren Tod bedeuten kann.

Die klugen Gänse vergessen die Qualen des Lebendrupfs natürlich nicht. Ist es mal wieder so weit, versuchen sie panisch unter lautem Geschrei zu flüchten. Vergebens. Ist die qualvolle Prozedur vorüber, hocken oder liegen die Tiere verstört da, mit kahler, tief geröteter, teilweise blutiger Brust.

Einzige Ausnahme für die Lebendentnahme der Daunen bei Gänsen innerhalb der EU bildet die Zeit der Mauser. Das Entfernen der Federn während der Mauser wird als Raufen bezeichnet. Bei diesem natürlichen Gefiederwechsel werden Federn und Daunen abgestoßen, was sie leichter entnehmbar macht. Anders als beim Rupfen sind sie nicht mehr so fest in der Haut verankert. Dadurch ist die Prozedur weniger schmerzhaft. Die Gänse leiden aber auch hierbei, weil sie auch das Raufen stark stresst und sie dabei ebenfalls grob angepackt werden. Zudem hat jede Gans ihren individuellen Mauserrhythmus. Bei großen Gänseherden mit um die 1000 Tieren ist es praktisch unmöglich, jede Gans zum passenden Mauserzeitpunkt herauszusuchen. Der optimale Zeitpunkt für das Raufen der Federn und Daunen während der Mauser ist daher zufallsbedingt. Statt Raufen kommt es dabei dann trotzdem zum Rupfen. Eine entsprechende Sortierung der Gänse nach ihren Mauserzeitpunkten ist vielen Gänsehaltern außerdem zu aufwendig – sprich: zu teuer. Lebendrupf und Lebendrauf sind daher in jedem Fall abzulehnen.

Woran erkennt man Gänsedaunen aus Lebendrupf?

Leider ist es Gänsedaunen nicht anzusehen, ob sie von lebenden oder bereits toten Tieren stammen. Selbst Fachleute sind hier überfragt. Nach dem Rumpf werden die Gänsedaunen gewaschen. Es ist ihnen dann nicht mehr anzusehen, ob sie von lebenden oder toten Tieren stammen. Ein spezielles Daunen-Zertifikat existiert nicht. Dadurch gibt es auch keine Kontrollen oder Möglichkeiten für das Verhängen von Sanktionen oder Bußgeldern.

Ein weiteres Problem ist die mangelnde Transparenz in der Produktion und Vermarktung der Gänsefedern. Oft machen Daunenproduzenten und Händler wider besseres Wissen ihren Abnehmern weis, es handelte sich bei ihrer Ware selbstverständlich um keinen Lebendrupf. Zuverlässige Kontrollmechanismen der Betriebe fehlen, was auch die Entwicklung von Gütesiegeln nach verbindlichen Normen erschwert.

Hier sind die Verbraucher in starkem Maße gefordert, sich intensiv mit der Herkunft ihrer Daunenware auseinander zusetzen. Dass Interesse an tierleidfreier Qualität da ist, zeigt sich, wenn TV-Reportagen oder Zeitungsberichte – selten genug – über das Drama des Lebendrupfes informieren. Proteste und Boykottaufrufe der Zuschauer und Leser kommen dann fast automatisch. Bleibt zu hoffen, dass auch Bettwarenhändler ihr Sortiment entsprechend kritisch zusammenstellen.

Was kannst Du tun?

Es gibt ein einfaches Indiz, dass es sich bei mit Gänsedaunen gefüllten Kissen, Decken, Schlafsäcken, Jacken und Mänteln mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Federn aus Lebendrupf handelt: ein allzu niedriger Preis.

Entscheide Dich beim Daunenkauf für Produkte mit dem Downpass-Etikett für nach ethisch vertretbaren Kriterien beschaffte Daunen und Federn inklusive einer Qualitätsprüfung, außerdem für Erzeugnisse nach den Standards Global Traceable Down Standard (TDS) oder Responsible Down Standard (RDS). Diese drei Siegel schließen nicht nur den Lebendrupf und Lebendrauf aus, sondern obendrein das qualvolle Stopfen beziehungsweise Zwangsfüttern von Gänsen und Enten zur Stopfleberproduktion. Hier bleibt es nicht bei Versprechungen, sondern das Einhalten der Richtlinien wird regelmäßig überprüft. Verstöße werden geahndet und können bis zum Entzug des Siegels führen.

Natürlich kannst Du auch in Geschäften nachfragen. Doch kannst Du sicher sein, dass sich der Verkäufer hier wirklich auskennt? Ist er sich überhaupt der Dramatik des Themas bewusst? Vielleicht erzählt er Dir irgendetwas oder bagatellisiert den Lebendrupf. Recherchiere für Deinen Kauf lieber selbst. Dennoch kannst Du ruhig den Verkäufern im Fachhandel ein wenig mit Deinen tiefgründigen Fragen auf den Wecker gehen. Warum? Du weckst so ihr Bewusstsein für Tierquälerei im Zusammenhang mit den Produkten, die sie verkaufen.

Muss es überhaupt Kleidung und Bettzeug aus Gänsedaunen sein? Längst gibt es alternative Materialien. Die synthetischen Stoffe PrimaLoft, Thinsulate und Thermolite wärmen ebenfalls und sind Gänsedaunen sogar in einigen Punkten noch überlegen: Werden sie nass, behalten sie ihr Dämmvermögen – im Gegensatz zu natürlichen Daunen. PrimaLoft ist zudem antimikrobiell ausgestattet und schützt damit vor Schimmel und Moder sowie vor Allergieauslösern.

Sollen es unbedingt echte Daunen sein, greife zu Entendaunen. Hier kannst Du davon ausgehen, dass es sich dabei um die Federn von Schlachttieren handelt. Mit Enten verhält es sich umgekehrt wie mit Gänsen: Da aus der Entenschlachtung mehr Federn und Daunen anfallen, als nachgefragt werden, lohnt sich hier ein Lebendrupf nicht. Die Nachfrage nach Gänsedaunen jedoch übersteigt das Angebot der Ware von Schlachttieren. Dabei bieten auch Entendaunen eine ausgezeichnete Qualität.

Wie schon bei den anderen Beispielen für unbewusstes Quälen von Tieren gilt auch hier: Informiere möglichst viele Menschen in Deinem Umfeld darüber. Noch immer haben viele keine Ahnung von diesem Skandal. Es wird wirklich höchste Zeit für strengere EU-Richtlinien und den Einsatz hart durchgreifender Kontrollinstanzen.

Angorakaninchen

Die Leiden der Angorakaninchen

Über 90 % der weltweit produzierten und gehandelten Angorawolle stammen aus chinesischer Produktion. In China existiert kein Tierschutzgesetz. Mit steigendem Wohlstand entdecken allerdings mehr und mehr Chinesen ihre Liebe zu Tieren. Privat gehaltene Tiere werden geliebt und verwöhnt. Allmählich entwickelt sich ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Tierschutz. Ins Leben gerufene Tierschutzorganisationen erhalten mittlerweile gute Resonanz. Ein ganz anderes Bild zeigt sich in chinesischen Betrieben, die Tiere halten und deren Produkte verarbeiten und verkaufen. Dort müssen ungezählte Tiere für maximalen Profit ungeheures Leid erdulden.

Hunde in engen Käfigen auf der Warteliste für den Kochtopf und unsäglich erschütternde Zustände in der Pelzindustrie schlagen in Europa Wellen der Empörung. Womöglich tragen allerdings manche der zu Recht aufgebrachten Tierfreunde kuschelige Angorapullis, nicht ahnend, wie viel Tierleid sich hinter Angorawolle verbirgt.

Die Qual der Angorakaninchen ähnelt jener der Gänse für die Daunengewinnung. Zur „Ernte“ der Angorawolle gibt es zwei Methoden: den Rupf und die Schur – beides am lebendigen Kaninchen. Zum Ausrupfen der weichen Wolle werden die Kaninchen mit Vorder- und Hinterläufen an eine Art Streckbank gefesselt. Beim Ausreißen der Fellbüschel per Hand schreien die Kaninchen jämmerlich vor Schmerzen und Angst. Ihr ganzer Rumpf sowie die Beine werden kahl gerupft, nur Kopf und Füße bleiben verschont. Hautverletzungen sind bei dieser Aktion normal. Das Scheren ihrer Wolle stresst Angorakaninchen ebenfalls. Auch hier werden sie auf ein Brett geschnallt und bekommen Panik. Wenn sie dabei zappeln, holen sie sich oft genug blutende Verletzungen. Das Rupfen oder Scheren der Angorakaninchen geschieht circa alle drei Monate.

Nicht nur das grobe Entfernen des Fells bedeutet eine Tortur für die Kaninchen, die anschließend erschöpft und apathisch in ihren kleinen Käfigen liegen. Hinzu kommt, dass Kaninchen Fluchttiere sind. Das gewaltsame Festgehalten traumatisiert die Tiere zusätzlich. Manche Kaninchen sterben vor Aufregung an einem Herzanfall oder holen sich in ihrem nackten Zustand nach der Fellentfernung eine tödliche Lungenentzündung.

Die Kaninchen vegetieren in engen Einzelkäfigen dahin, was für die sozialen Tiere psychische Folter ist. Der Käfigboden besteht häufig aus Maschendraht, eine Folter für die sensiblen Fußsohlen der Tiere, an denen sich dadurch sogar Geschwüre bilden können.

Das Leben der Angorakaninchen endet beim Schlachten nach ungefähr zwei bis fünf Jahren. Männliche Angorakaninchen erbringen nur rund 75 % bis 80 % der durchschnittlichen Wollmenge weiblicher Kaninchen. Aus diesem Grund werden in vielen Betrieben Kaninchenböcke unmittelbar nach ihrer Geburt getötet.

Gibt es hier noch Hoffnung?

Wo 90 % der Angorawolle weltweit von chinesischen Erzeugern kommen, besteht da überhaupt eine Chance, auf Alternativen auszuweichen oder sich für bessere Bedingungen der Tiere einzusetzen? Wie steht es um angeblich artgerecht produzierende Kaninchenfarmen? Überzeugende Nachweise einer solchen artgerechten Produktion fehlen leider. Es gibt nur Behauptungen, keine glaubwürdigen Zertifikate. Ein Besuch mehrerer angeblich artgerechter Angorafarmen durch die Tierrechtorganisation PETA offenbarte nur erneut weitere Missstände.

Außer der Hoffnung, dass chinesische Tierschutzorganisationen Druck auf diese Unternehmen ausüben und es endlich, und das möglichst bald, Tierschutzgesetze mit entsprechenden Sanktionsmöglichkeiten gibt, bleibt Dir nur eins: der Verzicht auf Kleidung aus Angorawolle. Studiere dafür gründlich die Etiketten von Kleidungsstücken. Schließlich geht es nicht nur um Material aus 100 % Angorawolle. Ebenso kann es sich um ein Gemisch mit beispielsweise 10 % oder 50 % Angoraanteil handeln. Willst Du ganz sicher gehen, Dich tierleidfrei zu kleiden, greife zu Textilien aus pflanzlichen Naturfasern, wozu übrigens auch Viskose zählt.

Was Du sonst noch tun kannst – oder besser tun musst: Kläre Verwandte, Freunde und Bekannte über die schrecklichen Umstände der Erzeugung von Angorawolle auf. Hier gibt es noch ganz viel Informationsbedarf. Stell Dir vor, es gibt Leute, die meinen, Angorawolle komme von Angorakatzen! Anderen fällt gar kein Tier dazu ein. Von so viel mangelndem Grundwissen ist es ein besonders weiter Schritt zum Hintergrundwissen über Tierquälerei.

Wie Tierquälerei aus Gedankenlosigkeit passiert

Gedankenlosigkeit und außerdem Verdrängung sind wesentliche Ursachen für die Mitbeteiligung von Verbrauchern an Tierquälerei. Das ist bei allgemein bekannten Missständen wie der Massentierhaltung zur Fleischproduktion, Legebatterien der Eierproduzenten oder Schleppnetzfischerei offensichtlich. Wider besseres Wissen kaufen viele weiterhin Erzeugnisse von Unternehmen, in denen Tierschutz kleingeschrieben wird. „Was kann ich allein schon dagegen tun?“, ist ein oft vorgebrachtes Argument. Dabei gibt es für die fortgesetzte Bequemlichkeit keinen Grund. Auch die Behauptung, sich teurere Ökoprodukte nicht leisten zu können, ist oft nur eine Ausrede.

Mit ein paar Änderungen von Gewohnheiten lässt sich bereits viel erreichen. Klar, dazu braucht es ein wenig Überwindung, denn Gewohnheiten erscheinen einem oft unverzichtbar. Aber statt zum Beispiel mehrmals in der Woche teure Fertiggerichte oder Fastfood zu essen, die häufig Zutaten aus Massenproduktion enthalten und vor allem der Zeitersparnis dienen, kommst Du mit Produkten aus dem Bioladen kaum teurer weg. Das Zubereiten dauert vielleicht ein paar Minuten länger, doch das sollte Dir der Tierschutz wert sein.

Was den Kauf Deiner Kleidung anbelangt: Brauchst Du überhaupt so viel? Wie oft trägst Du Teile wirklich, bevor Du sie entsorgst? Gönne Dir lieber seltener und dann etwas wirklich Gutes zu einem angemessenen Preis aus ökologischer Herstellung. Bei Billigkleidung ist außerdem der extrem günstige Preis außer mit Tierleid oft mit der Ausbeutung von Menschen verbunden. Es heißt, dass es ungefähr drei Wochen braucht, Gewohnheiten zu ändern.

Gedankenlosigkeit besteht aber auch bei den Mitarbeitern der Tierquälerei produzierenden Unternehmen. Macht es Dich nicht auch fassungslos, wie Menschen überhaupt solche Tätigkeiten ausführen können? Das können doch nicht alles Sadisten sein? Oder gab es keine anderen Jobs? Nur: Wie kann jemand nachts noch schlafen, wenn er tagsüber an solchen Gräueln beteiligt ist? Es macht nachdenklich, wie so etwas möglich ist. Mit einem Boykott der Waren solcher Betriebe kannst Du mit dazu beitragen, solche miesen Arbeitsplätze überflüssig zu machen. Du bist nur ein einzelner Mensch, aber wenn Du einer von vielen bist, habt ihr durchaus große Macht.

Kurz gesagt

Viele Menschen betrachten sich als Tierschützer, ohne zu ahnen, dass sie unwissentlich an Tierquälerei beteiligt sind. Es muss noch viel Aufklärung erfolgen, um auf fragwürdige Produkte hinzuweisen, bei denen der Gedanke an mögliche Tierquälerei eher fern liegt beziehungsweise sich noch nicht herumgesprochen hat. Jeder, der darüber Bescheid weiß, sollte andere darüber informieren. Stichwort: Schneeballsystem – in diesem Fall eine gute Variante davon.

2 Kommentare

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2 Kommentare

N. B. 12. Mai 2018 - 10:32

Statt Tauben Luftballons? Damit quält man genauso unbewusst Tiere! Meerrsschildkröten können die geplatzten Ballons für Quallen halten, Wild- und Haustiere sind ebenfalls in Gefahr wenn sie die Überreste fressen. Von der Umweltverschmutzung gar nicht erst zu sprechen. Und das Märchen vom biologisch abbaubaren Ballon ist genau das: ein Märchen.
Viele Grüße

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Lieselotte Wever 12. Mai 2018 - 14:18

Vielen Dank für den Hinweis. Das war mir nun selbst nicht bewusst. Ein weiteres Beispiel dafür, wie leicht es geschehen kann, Tieren ungewollt Leid zuzufügen. Ich habe den Artikel entsprechend angepasst.

Viele Grüße zurück! 🙂

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