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„Rettet die Bienen!“ – Volksbegehren Artenvielfalt: Jetzt einschreiben!

von Lieselotte Wever
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Biene auf eine Sonnenblume

Artenschutz-Aktion in Bayern: Mitmachen können alle, die zur Landtagswahl in Bayern wahlberechtigt sind. Du gehörst dazu? Dann hast du jetzt die Gelegenheit, dich wirksam in den Erhalt der Artenvielfalt einzubringen. Die Aktion läuft noch bis einschließlich 13. Februar 2019.

Das allmähliche Verschwinden der Arten

Früher galten sie oft als Plage, heute führt ihr Mangel zu Bestürzung: Insekten. Das Bienensterben ist Gesprächsthema Nummer eins, wenn es um die Abnahme der Artenvielfalt geht. Dabei sind es nicht allein die Bienen, die als Insekten verschwinden. Bienen eignen sich als Sympathieträger allerdings ausgezeichnet dazu, den Rückgang vieler Arten der Allgemeinheit ins Bewusstsein zu bringen. Was schleichend begann, ist inzwischen unübersehbar.

Waren früher nach längeren Autofahrten die Windschutzscheiben von aufgeprallten Fluginsekten verschmutzt, kleben dort heute nach einer Fahrt kaum noch welche. Die damals nach Ankunft obligatorische sofortige Scheibenreinigung darf erstmal warten. Allgemein krabbelt und summt es weniger um uns herum. Wann hast du zuletzt einen Mückenschwarm gesehen?

Menschen ab mittlerem Lebensalter werden sich erinnern, wie noch vor über 20 Jahren die Luft von erheblich mehr Vogelgezwitscher erfüllt war – selbst in Großstädten. Zu bestimmten Jahreszeiten war es normal, morgens von einem Vogelkonzert geweckt zu werden. Ist das heute selten geworden, liegt das keineswegs an den inzwischen üblichen Doppelglasfenstern, sondern am ebenfalls eingetretenen Rückgang der Singvogelpopulationen. Da Insekten eine wichtige Nahrungsquelle für Singvögel sind, folgen ihrem Schwund entsprechende Lücken im Singvogelbestand.

Dieses einfache Beispiel ist nur eine Facette davon, wie in der Natur alles miteinander zusammenhängt.

Stare im Frühling beim füttern der Jungvögel
Volksbegehren Artenvielfalt

Ist das Verschwinden einiger Arten wirklich so schlimm?

Alle Arten haben spezielle und wichtige Aufgaben, auch jene, die auf den ersten Blick überflüssig oder sogar lästig erscheinen, wie es bei manchen Insekten der Fall ist. Doch die Natur verschwendet nichts. Gerät ihr komplexes System aus der Balance, wird es für uns alle ungemütlich.

Das betrifft auch die Pflanzen. Auf konventionell bewirtschafteten Äckern befinden sich kaum Blühstreifen am Rand, die Insekten Aufenthalt und Nahrung bieten. Auch auf vielen Wiesen werden Blumen eher als Unkraut betrachtet und nicht geduldet. Büsche und Hecken sowie naturbelassene kleine Tümpel sind größtenteils aus landwirtschaftlich genutzten Bereichen verschwunden. Landflächen werden intensivst genutzt im Sinne eines maximalen Profits, scheinbar brachliegende Flächen als Verschwendung angesehen. Dabei tun konventionell arbeitende Landwirte der Natur und damit sich und der Gesellschaft auf Dauer keinen Gefallen mit extensiver Monokultur. Eine komplette Erörterung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Kurz nur so viel: Ein paar Alibi-Blümchen am Feldrand und selbst ein ausgedehntes blühendes Rapsfeld reißen hier noch lange nichts. Das reicht einfach nicht aus zum Erhalt der Artenvielfalt einschließlich Bienen.

„Rettet die Bienen!“ ist zudem mehr als der Slogan vom Volksbegehren Artenvielfalt. Bienen produzieren schließlich nicht nur den begehrten Honig. Sie tragen bekanntlich mit ihrer Blütenbestäubung zur Erzeugung zahlreicher weiterer Lebensmittel bei. Wenn die Bienen ausfallen, wird unser Tisch künftig nicht mehr so reich gedeckt sein. Zwar können auch Menschen die Bestäubungsarbeit von Hand vornehmen, doch würde das zu Preissteigerungen im Nahrungsmittelsektor führen. Neben den domestizierten Bienen der Imker sind übrigens die Wildbienen bedroht, die ebenfalls wichtige Bestäubungsaufgaben ausüben.

Volksbegehren Artenvielfalt: Worum es geht

Mit seinem Volksbegehren Artenvielfalt möchte Bayern dem Insektensterben und Singvogelschwund entgegenwirken. In der Landwirtschaft soll sich der Ökoanbau bis 2025 auf mindestens 20 % erhöhen und auf mindestens 30 % bis zum Jahr 2030. Aktuell liegt der Ökoanbau nicht einmal bei 10 %.

Das ist noch nicht alles. Das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ schlägt noch mehr Änderungen vor, darunter den erweiterten Schutz von Uferstreifen und das Eindämmen von Lichtverschmutzung. Einen guten Überblick findest du in diesem Zeitungsartikel vom Münchner Merkur. Bayern hat mit „Rettet die Bienen!“ als erstes deutsches Bundesland eine derartige Aktion gestartet. Das Volksbegehren nimmt einen direkten Weg. Das bedeutet, dass zur Umsetzung nicht erst noch auf eine EU-Entscheidung aus Brüssel gewartet werden muss. Es kann also bald losgehen mit weiteren Schritten für den Erhalt der Artenvielfalt. Ein Volksbegehren wie in Bayern sollte am besten in den übrigen Bundesländern folgen.

Volksbegehren Artenvielfalt: Pro und Contra

Das bayerische Volksbegehren reagiert auf besorgniserregende Entwicklungen, die uns alle betreffen. Obwohl erste Anzeichen dafür schon vor Jahrzehnten erkennbar waren, wurde nicht energisch genug gegengesteuert. Engagierte Ökobauern haben es schwer, neben Bauern mit konventioneller Landwirtschaft zu bestehen. Das liegt nicht allein an aufwendigeren Arbeitsprozessen, sondern auch an Gesetzen, die herkömmliche Landwirtschaft bevorzugen. Wen wundert es da, dass die meisten Bauern so weitermachen wie bisher?  Freiwillige Selbstkontrolle funktioniert nur minimal. Das mag bei einigen mit Bequemlichkeit zu tun haben. Andere sehen aber auch mit einer Umstellung auf ökologische Landwirtschaft ihre berufliche Existenz gefährdet. Höchste Zeit also, Veränderungen endlich einzuleiten. Entsprechende neue Gesetze und dieselben Bedingungen für alle Bauern sind nur fair und überfällig, denn sie entzerren den Wettbewerb zugunsten der Umwelt. Das Volksbegehren zum Erhalt der Artenvielfalt hat neben Befürwortern auch Gegner.

Rettet die Bienen
Volksbegehren zum Erhalt der Artenvielfalt in Bayern

Bei der CSU sind die Meinungen geteilt. Während Ministerpräsident Markus Söder den Volksbegehren skeptisch gegenübersteht, sind andere CSU-Mitglieder wie Josef Göppel dafür.

Wie die Teilnahme funktioniert

Aktuell – Stand vom 6. Februar 2019 – haben sich schon 500.000 Menschen für das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ eingeschrieben. So einfach machst auch du mit:

  • Voraussetzung: Du bist in Bayern wahlberechtigt für die Landtagswahl. Damit sind andere EU-Bürger leider von der Teilnahme ausgeschlossen.
  • Am einfachsten unterschreibst Du an deinem Wohnort im Rathaus oder in anderen offiziellen Eintragungsstellen für das Volksbegehren. Die Rathäuser haben hierfür Sonderöffnungszeiten eingerichtet. Der Rathausfinder zeigt dir dein zuständiges Rathaus an. Dort findest du außerdem weitere Informationen zum Thema. Möchtest du an einem anderen Ort als deinem Wohnort unterschreiben, musst du vorher bei deiner Gemeinde einen Eintragungsschein anfordern, mit dem du anschließend in allen bayerischen Eintragungsorten unterschreiben kannst. Eine Online-Teilnahme ist nicht möglich.
  • Ganz wichtig: Nimm unbedingt deinen noch gültigen Personalausweis mit.
  • Teilnahmeschluss ist der 13. Februar 2019.

Sei dabei und nutze diese großartige Chance! Erzähle bitte auch anderen davon und teile diesen Artikel. Es ist so wichtig zu handeln, statt nur zu diskutieren.

Fazit

Das bayerische Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ bezieht sich außer auf den Bienenschutz auf Maßnahmen gegen das Insektensterben allgemein und den damit zusammenhängenden Rückgang der Singvogelpopulation. Der Zeitraum zum Einschreiben beträgt nur zwei Wochen. Umso wichtiger ist es, das Anliegen und die Möglichkeit zur persönlichen Unterstützung intensiv zu verbreiten. Bisher ist die Resonanz überwältigend. Zur Halbzeit haben bereits rund eine halbe Million Menschen mitgemacht.

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