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Random Acts of Kindness erklärt

von Ursula Martens
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Vielleicht hast du schon mal jemanden mit einem Schild gesehen, auf dem „Free hugs“ steht. Oder du kennst einen Coffee-Shop, bei dem man einen Kaffee trinkt, aber zwei zahlt, damit den zweiten später jemand trinken kann, der ihn sich nicht leisten kann. In Hauseingängen sieht man Obst oder Bücher zum Mitnehmen und an Bahnhöfen liegen noch gültige Tagestickets in den Automaten.

Das sind alles Beispiele für Nettigkeiten, die nicht lange geplant werden und irgendjemandem zu Gute kommen, den man gar nicht kennt. Für die einen ist das die Sparversion von Güte in einer Welt, die immer anonymer wird, für die anderen ein dringend benötigter Ausgleich zu den schlimmen Dingen, die täglich passieren. Diese und ähnliche Nettigkeiten werden als Random Acts of Kindness (zufällige Akte der Freundlichkeit) bezeichnet. Was sie auslösen, nennt man den Samariter-Effekt.

Einfach nur nett sein

Wahrscheinlich seit Beginn der Menschheitsgeschichte waren Freigiebigkeit, Güte und Nächstenliebe Werte, die zu einem guten Leben mit dazugehören. In vielen Kulturen wurden und werden noch immer Opfer dargebracht. Die guten Taten und Gaben kamen durch Spenden und Opfer in der Regel einer bestimmten Personengruppe (zum Beispiel den Armen) zu Gute oder gar keinem (zum Beispiel, wenn ein Opfer für die Götter verbrannt wurde). Darüber, wie gerecht das ist, dass manche aus welchen Gründen auch immer nie etwas bekommen, kann man streiten.

Im Gegensatz dazu ist ein ungelenkter Altruismus, der jeden erreichen kann, ein relativ neues Konzept.

Puppen in einem Koffer

Ein Gefallen, den niemand ablehnen kann

Wie bei allen neuen Konzepten hat sich auch bei den Random Acts of Kindness sofort die Wissenschaft darauf gestürzt. Bei einem Experiment, das die Motivationstrainerin Vera F. Birkenbiehl in folgendem Video zusammenfasst, konnte die Hilfsbereitschaft von Menschen um bis zu 400 % gesteigert werden, einfach indem sie scheinbar zufällig ein Geldstück finden.


Random Acts of Kindness befreien dich von gesellschaftlichen Regeln

In jeder Gesellschaft gibt es mehr oder weniger komplizierte Verhaltensregeln, wenn man jemanden um einen Gefallen bittet oder ein Geschenk bekommt. In der Regel kann der Schenkende eine angemessene Gegenleistung erwarten. Mit einem Random Act of Kindness wird die Hemmschwelle, die dadurch entsteht, ausgehebelt. Man ist dadurch frei, Gutes zu tun und einen Gefallen anzunehmen.

Der Schneeball-Effekt

Eine Daumenregel besagt, dass etwas als normal angesehen wird, wenn es sich mindestens zu 5-10 % in der Bevölkerung durchgesetzt hat. So sind zum Beispiel Schätzungen zufolge nur etwas mehr als 6 % der Deutschen Vegetarier – und in fast allen Restaurants werden für sie fleischlose Gerichte angeboten.

Die positiven Effekte auf das Verhalten von Menschen, die zufälligerweise eine Nettigkeit erleben, sind erwiesen. Man nennt das auch den Samariter-Effekt. Leider hat die Wirkung nur eine relativ kurze Halbwertszeit. Aber wenn genügend Menschen bewusst gute Laune verbreiten, kann sie sich fortpflanzen und allgemein verbreiten. Denk nur daran, wie fröhlich alle waren, als in Deutschland die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen wurde!

Liebe deine Feinde …

Zufällige Nettigkeiten sind aber auch für dich selbst gut. Untersuchungen zeigen, dass man mehr davon haben kann, jemand anderen auf einen Kaffee einzuladen, als sich selbst einen Kaffee zu kaufen. Und wahrscheinlich kennt jeder, der etwas spenden will, den Zwang, sorgfältig abzuwägen, ob sein Geld besser bei der Hungerhilfe, dem Umweltschutz oder der Bildung aufgehoben ist. Da tut es gut, einfach mal nur nett zu sein. Zum Beispiel, indem man kleine Münzen in Automaten und auf Parkbänken deponiert oder den Besuch im Museum für den nächsten Besucher gleich mitbezahlt. Auf diese Weise muss man nicht abwägen, wer es mehr verdient, etwas geschenkt zu bekommen.

Zufällige Akte der Freundlichkeit vs. effektiver Altruismus

Das Gegenstück zu den Random Acts of Kindness ist der effektive Altruismus, der nach belastbaren Kriterien beurteilt, wo man helfen sollte. Zum Beispiel auf https://www.givewell.org/ werden Hilfsorganisationen vorgestellt, die nachweislich besonders viel mit dem eingesetzten Geld bewirken. Die eine Art, die Welt zu verbessern, schließt die andere nicht aus. In einer globalen Welt muss zufällige Freundlichkeit auch nicht auf den näheren Umkreis beschränkt sein. Wenn du willst, kannst du auch jemanden am anderen Ende der Welt zu einem Kaffee einladen.

In unserem zweiten Artikel über Random Acts of Kindness bekommst du ein paar Anregungen, wie du mit eigenen Random Acts of Kindness beginnen kannst. Ansonsten sei einfach spontan. Überlege, was dir Freude macht. Und sorge dafür, dass es andere auch erleben dürfen.

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Random Acts of Kindness: Ideen - Liebe und Familie 3. März 2019 - 20:14

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