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Plastikmüll in den Ozeanen: Eine Gefahr für Mensch und Natur

von Thorben Grünewälder
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Kind am Strand und Plastikmüll einsammeln

Verendete Wale, erstickte Seevögel und in Verpackungen ertrunkene Schildkröten: Jedes Jahr gelangen rund 8 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere und Ozeane unseres Planeten. Ob in rund 11.000 Meter Tiefe im Pazifischen Ozean oder als riesige Felder an der Oberfläche: Müll verdreckt die Meere. Und auch vor den deutschen Küsten treiben tausende Tonnen Abfall im Wasser. Fische, Säugetiere und Vögel verenden an den kleineren Plastikteilchen und auch Pflanzen werden vergiftet. Selbst in Muscheln oder auch Fischlarven wurde bereits Plastik gefunden. Plastikmüll schädigt also das gesamte Ökosystem. Doch das muss nicht so bleiben. Forscher und Wissenschaftler aus vielen verschiedenen Nationen arbeiten an einer Lösung des Problems und einige Technologien sind sehr vielversprechend. Natürlich kannst auch Du selbst dazu beitragen, dass die Meere nicht weiter mit Plastik verschmutzt werden. Wie das genau funktioniert, erfährst Du in unserem Bericht.

Was ist eigentlich Plastik?

Plastik ist der umgangssprachliche Begriff für verschiedene Kunststoffe, die auf Basis von Erdöl, Kohle oder Erdgas synthetisch synthetisch hergestellt werden. Die aus diesen Grundstoffen erstellten Kohlenstoffverbindungen werden zu Kunststoffen verarbeitet, wobei verschiedenste Zusatzstoffe hinzugegeben werden – je nach den gewünschten Eigenschaften des Endprodukts. Viele Alltagsgegenstände bestehen zumindest zum Teil aus Plastik. Der am häufigsten verwendete Grundstoff ist Polyethylen. Die besondere Haltbarkeit und Formbarkeit des Plastikmaterials ist der Grund dafür, warum es so gerne genutzt und in so vielfältiger Form eingesetzt wird, bevor es, oft nach nur einmaliger Nutzung, zu Abfall wird. Plastik ist hoch resistent gegenüber der natürlichen Zersetzung, weshalb es an Land und im Meer immer mehr davon gibt. Nur sehr langsam zerbrechen große Plastikteile zu immer kleineren Partikeln.

Wie viel Plastik treibt in den Ozeanen?

Forscher haben kürzlich errechnet, dass im Jahr 2050 mehr Plastik in den Meeren schwimmen könnte als Fische. Rückstände von Plastik finden sich in allen Meeren, vom Nordpol bis zum Südpol, in Küstennähe und auf offenem Meer. Untersuchungen haben ergeben, dass jedes Jahr mindestens 8 Millionen Tonnen Plastik in den Meeren und Ozeanen landen. Eine unvorstellbare Menge also. Nur zum Vergleich: Jährlich werden etwa 5 Millionen Tonnen Thunfisch zum Verzehr aus dem Meeren gefischt. Doch das ist längst nicht alles. Im Laufe der Zeit werden größere Plastikteile stark zerkleinert. Sie sinken dann von der Oberfläche in die Tiefe der Meere ab. Bislang Bisher wird aber hauptsächlich die Menge des umhertreibenden Plastikmülls erfasst. Doch eine Menge Plastik findet sich auch auf dem Meeresboden und an den Stränden.

Was ist der Müllteppich?

Aus den Plastikmassen bilden sich durch die Meeresströmungen Inseln. Diese sogenannten „Plastic Islands“ bestehen aus großen und sehr kleinen Plastikteilen, die riesige Flächen der Ozeane einnehmen. Forscher sind im Atlantik auf riesige Flächen von Plastikmüll gestoßen. Die größte Dichte entdeckten sie oberhalb der karibischen Inseln. Dort schwammen bis zu 200.000 Plastikstücke je Quadratkilometer auf der Meeresoberfläche. Die meisten hatten nicht einmal einen Zentimeter Durchmesser. Der Plastikmüll verschmutzt als Treibgut die Strände, treibt im Meer und sammelt sich in Form riesiger Inseln an bestimmten Stellen an. Das passiert deshalb, weil der Ozean ein weltumspannendes System an Strömungen aufweist, die dem Wärmeaustausch zwischen den Ozeanregionen dienen. Diese Strömungen formen natürlicherweise an bestimmten Stellen riesige Oberflächenstrudel. Wenn das Plastik dort hinein gerät ist es im Strudel gefangen und bildet Plastikinseln.

Strand voller Plastikmüll
Plastikmüll ist an vielen Stränden der Welt ein Problem. Bildquelle: pixabay@hhach

Wie groß ist der Müllteppich?

Die genaue Größe dieser Plastikinseln lässt sich schwer abschätzen. Je näher man dem Zentrum der Inseln kommt, desto höher ist die Dichte an Plastikmüll und –partikeln. Weil viele der Plastikpartikel sehr klein sind und ein großer Anteil der Inseln unter der Wasseroberfläche treibt, sind sie unsichtbar für Flugzeuge oder Satteliten. Stattdessen lässt sich die ungefähre Größe durch die Entnahme von Proben abschätzen. Man geht davon aus, dass sich weltweit fünf dieser riesigen Plastikinseln geformt haben: Im Nord- und Südpazifik, im Nord- und Südatlantik und im Indischen Ozean. Drei dieser Plastikinseln sind bisher wissenschaftlich belegt: Im Nord- und Südpazifik und Nordatlantik.

Wie gelangt Plastik in das Meer und die Ozeane?

Insgesamt werden weltweit rund 300 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert. 120 Millionen Tonnen davon entfielen auf den Bevölkerungsanteil, der in maximal 50 Kilometer Entfernung von der Küste lebt. Von dort stammt also der größte Teil des Plastikabfalls in den Meeren. 35 Millionen Tonnen davon werden unsachgemäß entsorgt und schließlich über die Flüsse und Abwasserkanäle in die Meere gespült. Der Hauptgrund für die Verschmutzung ist also eine unsachgemäße Entsorgung des Abfalls. Die größten drei Produzenten von Plastikabfällen sind übrigens China, Indonesien und die Philippinen.

Wieso ist Plastik im Meer so gefährlich?

70 Prozent der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt. Während Promenaden und Touristen-Strände bewusst sauber gehalten werden, spitzt sich weit draußen die Lage zu. Denn in der Natur basiert alles auf Kreisläufen – auf Entstehen und Zersetzung. Natürliche Stoffe können im Nu von Mikroorganismen zersetzt und umgewandelt werden. Bei Plastik ist dies nicht so. Eine gewöhnliche Plastiktüte braucht mehr als 400 Jahre bis sie abgebaut ist. In der Zwischenzeit wird sie zur Gefahr für Mensch und Tier.

An den großen Plastikstücken können sich die Tiere verletzten. Sie können sich darin verschlingen oder scharfkantige Stücke verschlucken. Doch nicht nur größeres Plastik ist gefährlich. Mikroplastik sind kleinste Plastikteilchen, die kleiner als ein Millimeter sind. Sie bilden den Großteil der Meeresverschmutzung. Tiere nehmen dieses Plastik unfreiwillig zu sich. Dies führt dazu, dass ihre Mägen verstopfen und sie verhungern.

Plastik birgt für die Meeresbewohner nicht nur die Gefahr sich zu verletzten, es ist inzwischen Teil der Nahrungskette geworden. Plankton nimmt das Mikroplastik in sich auf und die Fische essen das Plankton. So landet das Plastik irgendwann auch auf unseren Tellern. Und das ist nicht gesund: Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften sind Kunststoffe ein wahrer Schadstoffmagnet. Zudem sind in ihnen bereits in der Produktion selbst Chemikalien verarbeitet.

Möve in Plastikmüll gefangen
Zahlreiche Vögel sind bereits am Plastikmüll verendet. Bildquelle: Pixabay@A_Different_Perspectice

Welche Lebewesen sind besonders durch Plastik gefährdet?

Jährlich verenden rund 100.000 Meeressäuger wie Wale und Delfine am Plastikmüll. Hinzu kommen noch einmal etwa eine Million Meeresvögel. Es wurde herausgefunden, dass Plastikteile einen Geruch absondern, der von Vögeln als Geruch von Nahrung wahrgenommen wird. So findet man immer häufiger Kadaver von Seevögeln mit Kunststoffteilen im Magen. Das Verwechseln mit Nahrung ist nicht das einzige Problem, das der Zivilisationsmüll in unseren Gewässern bedeutet. Häufig verfangen sich Tiere im Müll und verenden dann qualvoll.

Auch alle sieben Arten von Meeresschildkröten sind in Gefahr. Die Tiere fressen den Plastikmüll nicht nur oder verfangen sich darin, auch die Eiablage oder das Krabbeln des geschlüpften Nachwuchses ins Meer wird erheblich behindert. Wenn die Schildkröten Plastik fressen, kann das ihr Verdauungssystem blockieren, was zu Mangelernährung und in der Folge zu schlechter Gesundheit, verringertem Wachstum, weniger Nachwuchs und sogar zum Tod führen kann.

Ist der Plastikmüll auch für uns Menschen gefährlich?

Experten sind noch nicht sicher, wie schädlich das für die Menschen ist. Doch sie vermuten, dass der Plastikmüll irgendwann auch im menschlichen Körper ankommt – zum Beispiel, wenn wir Fisch essen, der mit Plastikmüll verschmutzt ist. Davon können wir sehr wahrscheinlich auch krank werden.

Wann zersetzt sich Plastik im Meer?

Das deutsche Bundesumweltamt geht davon aus, dass Mikroorganismen nicht in der Lage sind, Kunststoffe vollständig zu zersetzen. Bis zu 450 Jahre benötigen eine Kunststoffflasche oder eine Wegwerfwindel, bis sie sich zersetzt haben. Plastik ist biologisch sehr stabil und löslich, und daher auch kaum einer Mineralisation unterworfen. Das bedeutet, dass Mikroplastikpartikel zwar nach und nach kleiner, aber nicht vollständig abgebaut werden.

Welche Technologien können das Plastik aus den Meeren entfernen?

Obwohl klar ist, dass der Müll dem Leben in den Ozeanen massiv schadet, ist kein Ende der Verschmutzung in Sicht. Keine Regierung fühlt sich wirklich verantwortlich und die politischen Maßnahmen zur Eindämmung des Plastikmüllproblems sind zögerlich. Immerhin: Die EU plant Plastiktüten zu besteuern mit dem Ziel, dass bis 2025 nur noch 40 Tüten jährlich benutzt werden. Die genaue Umsetzung ist in Diskussion, eine wird eine verpflichtende und eine freiwillige Komponente geben. Andere Städte haben dies schon längst vorgemacht. San Franscisco und Los Angeles zum Beispiel.

Aber auch andere Länder zeigen wie es geht: In Irland wurde eine Abgabe je Plastiktüte von 44 Cent eingeführt. Seither sank der Pro-Kopf-Verbrauch von 328 auf 18 Tüten. Die Lösung des Problems ist dennoch Aufgabe der Verbraucher und engagierter Organisationen, die schon heute daran arbeiten, die Meere vom Müll zu säubern. Schwimmende Plattformen, groß wie Kreuzfahrtschiffe, riesige Netze oder extrem leistungsstarke Sauger: Ideen, wie das Plastik aus den Meeren entfernt werden könnte, gibt es viele. Richtig ausgereift ist bisher leider keine.

Wie kann ich Plastikmüll vermeiden?

Klar: Bioladen, Wochenmarkt oder Unverpackt-Laden sind die beste Wahl für den plastikfreien Einkauf. Die meisten von uns kaufen trotzdem im Supermarkt ein – und kommen mit einem Berg an Verpackungsmüll nach Hause. Dabei ist es gar nicht so schwer, Abfall zu reduzieren.

1. Lehne Plastiktüten ab
Das bedeutet, den Stoff-Beutel, Einkaufskorb oder Rucksack zum Einkaufen mitzubringen. Es ist eh viel ästhetischer unser Essen darin zu verstauen. Lehne eine angebotene Plastiktüte einfach ab. Auch kleine Netze oder Beutel aus Stoff für Zwiebeln, Kartoffeln oder anderes Obst, das abgewogen werden muss, sind eine gute Idee. Auf dem Wochenmarkt erhältst Du Obst und Gemüse häufig ohne zusätzliche Verpackung. Saft, Milch und Joghurt kann man in Pfandflaschen aus Glas kaufen. Ein Joghurtbecher benötigt fast 500 Jahre bis er zersetzt ist.

2. Nutze Papiertüten mehrfach
An erster Stelle sollten wir den Einweg-Konsum von Tüten deutlich reduzieren. Papiertüten gelten dann als bessere Wahl, aber auch diese werden aus Holz hergestellt – ein Rohstoff, der durch Wald-Rodungen schon sehr überstrapaziert ist. Auch Papiertüten sollten daher mehrfach genutzt werden.

3. Kaufe Mehrweg
Auf Einwegverpackungen, wie etwa bei Milchprodukten oder Getränken, sollte verzichtet werden. Stattdessen Mehrweg-/Glasbehältern bevorzugen. Für das Mitnehmen von Trinken eine Mehrwegweg-Flasche nutzen.

4. Meide Mikroplastik
Kaufe keine Kosmetikartikel, die Mikroplastik enthalten. Es gibt wesentlich umweltfreundlichere Alternativen.

5. Unterstütze Projekte gegen Plastikabfall
Es gibt aktuell zwei spannende Projekte: „The Ocean Cleanup“ von Boyan Slat und „One Earth – One Ocean“ von den zwei Deutschen Günther Bonin und Helmut Paulus. Du kannst die Projekte mit einer Spende unterstützen oder Dich direkt engagieren.

6. Helfe aktiv mit
Regelmäßig finden von Naturschutz-Organisationen, wie NABU, BUND, WWF oder Greenpeace, oder von regionalen Vereinen Müllsammelaktionen statt, an denen Du Dich beteiligen kannst.

Welche Organisationen kann ich unterstützen?

Zum Abschluss zeigen wir Dir hier eine kleine Auswahl an Organisationen, Unternehmen und Institutionen, die Du im Kampf gegen Plastikmüll unterstützen kannst:
Greenpeace Deutschland
OceanCare
NABU – Naturschutzbund Deutschland
One Earth One Ocean
Deutscher Marinebund

Die Menschheit schafft sich ab: Die Erde im Griff des Anthropozän
  • Lesch, Harald (Autor)
  • 528 Seiten - 01.03.2018 (Veröffentlichungsdatum) - Knaur TB (Herausgeber)

Kurz gesagt:

Plastikmüll in den Ozeanen und Meeren ist ein Thema, das uns alle angeht. Jeder von uns kann dazu beitragen, dass die Meere nicht weiter verdreckt werden. Oft reichen schon kleine Schritte aus. Verzichte auf Plastiktüten und unnötige, Verpackungen, verwende Kosmetikprodukte ohne Mikroplastik und kaufe Mehrwegflaschen. Du kannst Dich auch bei den genannten Organisationen engagieren und so ganz direkt helfen. Wenn wir alle mit anpacken, können auch unsere Kinder und Enkel in einem Meer schwimmen, das diesen Namen noch verdient hat.

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