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Mit Oma und Opa unter einem Dach wohnen: Vorteile und Nachteile

von Lieselotte Wever
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Eine ganze Generation Familie steht im Garten und lächelt

Es klingt zunächst praktisch: mit Oma und Opa zusammenziehen. Dann ist immer jemand da, der auf die Kinder aufpasst, Päckchen annimmt oder mal im Haushalt oder Garten mithilft. Außerdem sind Oma und Opa ins Familienleben eingebunden. Einsame Senioren gibt es schließlich genug.

Gemeinsames Wohnen mit Oma und Opa: wirklich eine gute Idee?

Umgekehrt liegt bei Großeltern, die an ein Zusammenleben mit Kindern und Enkeln denken, der Gedanke nahe, dass ihnen beschwerliche Hausarbeiten abgenommen werden und sie im Bedarfsfall von ihren Kindern gepflegt werden.

Gefällt Euch die Idee, mit Oma und Opa unter einem Dach zu wohnen, jetzt immer noch gut? Wenn beide Seiten – junge und alte Generationen – überwiegend Erwartungen aneinander stellen, bedeutet das allerdings keine guten Voraussetzungen für ein gemeinsames Wohnen. Insgesamt gibt es weitaus mehr zu bedenken für das Zusammenleben unterschiedlicher Generationen. Dabei zeigt sich, dass das gemeinsame Wohnen von Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln durchaus gelingen kann. Neben Respekt und Toleranz füreinander gilt es bei der Entscheidung für diese Wohnform Vorteile und Nachteile gegeneinander abzuwägen

Mit den Großeltern unter einem Dach – auf dem Lande Tradition

Das gemeinsame Wohnen mehrerer Generationen unter einem Dach ist nicht neu. In Bauernfamilien auf dem Lande ist es bei einer Hofübergabe Tradition, dass die Alt-Bauern weiterhin auf dem Hof leben. Bis heute ist dies in vielen bäuerlichen Familien üblich. Bauernhäuser sind im Allgemeinen groß genug, um Bauern im Ruhestand ihren eigenen Wohnbereich zur Verfügung zu stellen. So sind die alten Bauern einerseits weiterhin nahe und können bei Bedarf im landwirtschaftlichen Betrieb mit Rat und Tat aushelfen. Andererseits leben sie nun ihren eigenen Alltag.

In den meisten Fällen funktioniert diese Art des Zusammenlebens mehrerer Generationen gut. Mitentscheidend für das Gelingen ist dabei ausreichend Raum. Es ist wichtig, dass sich Menschen gelegentlich aus dem Weg gehen können. Schließlich braucht jeder auch bei bestem Einvernehmen seine Privatsphäre. Beim Zusammenleben mehrerer Generationen auf engem Raum wird es sonst über kurz oder lang zu Konflikten kommen.

Rentner heute: unternehmungslustig und mobil

Heutige Rentner entsprechen längst nicht mehr dem Klischee von einst. Häufig bleiben sie länger fit als früher. Ihre nach dem aktiven Arbeitsleben verfügbare freie Zeit nutzen viele von ihnen heutzutage ausgiebig für eigene Aktionen wie Reisen, Wandern oder lange vernachlässigte Hobbys. Sie treffen sich wieder öfter mit ihren Freunden, treiben mehr Sport und manche von ihnen engagieren sich in einem Ehrenamt.

Denkt also nicht, dass Ihr beim Zusammenleben mit Oma und Opa automatisch zu jeder Zeit helfende Hände in Reichweite habt. Großeltern unterstützen Euch bestimmt gern. Ihr solltet sie nur nach Möglichkeit rechtzeitig im Voraus darauf ansprechen. Ein Rentner brachte es einmal scherzhaft auf den Punkt: „Ich weiß gar nicht, wie ich früher überhaupt Zeit hatte, arbeiten zu gehen.“

Zusammenleben mit mehreren Generationen gut vorbereiten

Wenn Ihr an ein gemeinsames Wohnen mit Kindern und Großeltern denkst, solltet Ihr gründlich planen und mit allen Beteiligten intensive Gespräche führen. Dabei werden sich bereits die ersten möglichen Anlässe für späteren Streit offenbaren. Auch wenn Ihr eine Familie seid, handelt es sich bei Euch doch um verschiedene Menschen mit eigenen Persönlichkeiten, Temperamenten, Ansichten und Interessen. Aufgrund der unterschiedlichen Altersgruppen bringt jeder seine eigenen Lebenserfahrungen mit. Hier darf niemand erwarten, dass sich Personen anderen bedingungslos unterordnen.

Absprachen treffen beim Zusammenleben mit Oma und Opa

Ihr solltet schon im Vorfeld klare Absprachen über Euer künftiges Zusammenleben treffen. Vor allem diese Punkte sollen beim Zusammenziehen geklärt sein:

  • Wer übernimmt welche Haushaltsaufgaben, darunter Kochen, Abwasch, Wäsche, Fenster putzen, Einkaufen und Reparaturen?
  • Wie kümmern wir uns umeinander, insbesondere hinsichtlich Enkelbetreuung, Pflege bei Krankheit und im Alter?
  • Was erwarten wir sonst voneinander?
  • Wie viel Freiraum und Rückzugsmöglichkeiten braucht jeder von uns?

Toleranz im Zusammenleben mit Großeltern unter einem Dach

Wo unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, ist Konfliktpotenzial vorhanden – Familien eingeschlossen. Leben mehrere Generationen unter einem Dach, spielen nicht nur unterschiedliche Persönlichkeiten eine Rolle, sondern ebenso die mit den jeweiligen Altersstufen verknüpften Ansichten und Erfahrungen.

Unterschiedlichen Meinungen und Auffassungen solltet Ihr daher grundsätzlich mit Verständnis begegnen. Versetzt Euch in den anderen und nehmt ihn ernst. Akzeptiert Euch so, wie Ihr seid. Sprecht miteinander und nicht übereinander. Äußert offen Eure eigene Meinung, statt heimlich zu grollen. Denkt daran, dass Meinungsverschiedenheiten auch inspirieren. Toleriert, dass es verschiedene Wege zu einem Ziel gibt. Das Ergebnis zählt. Seid großzügig bei Fehlern anderer. Ebenso dürft Ihr Nachsicht für Eure Fehler erwarten. 

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Loslassen können beim gemeinsamen Wohnen mit Senioren

Macht Euch das Leben leichter und lasst auch mal los. Das gilt für Eltern wie für Großeltern. Eltern dürfen nicht eifersüchtig reagieren, wenn Kinder mal häufiger bei den Großeltern sind. Vorausgesetzt natürlich, dass die Eltern wissen, wo Ihre Kinder sind, und dass die Großeltern gerade Zeit für ihre Enkel haben. Großeltern wiederum müssen über die Erziehungsprinzipien der Eltern Bescheid wissen und diese respektieren. Sie dürfen den Eltern nicht in den Rücken fallen, indem sie zum Beispiel ihre Enkelkinder mit Süßigkeiten verwöhnen oder stundenlang fernsehen lassen, obwohl die Eltern das nicht schätzen. Loslassen bedeutet auch, dass Großeltern sich nicht in die Erziehung der Eltern einmischen. In ihrer Kindheit ist vieles anders gewesen, gefühlt vielleicht auch besser, trotzdem sollten sie den stattgefundenen Wandel in der Kindheit hinnehmen, wie er ist. Erzählen können sie ja dennoch gern von früher.

Mit den Großeltern unter einem Dach: auch mal Danke sagen

Leben mehrere Generationen harmonisch miteinander zusammen, empfinden sie diesen glücklichen Umstand schließlich als normal. Da erscheinen gegenseitige Hilfen rasch als selbstverständlich. Warum aber solltet Ihr nicht den Großeltern fürs Babysitten mit einem kleinen Extra danken? Statt Geld zu geben wie einem herkömmlichen Babysitter ladet Ihr die Großeltern zum Essengehen oder ins Kino ein. Sie haben sich natürlich gern um ihre Enkel gekümmert, freuen sich womöglich schon aufs nächste Mal, selbstverständlich ist ihre Hilfe jedoch nicht. Das solltet Ihr ihnen nicht nur dankbar sagen, sondern auch zeigen.

Vorteile und Nachteile beim Wohnen von Jung und Alt unter einem Dach

Beim Gegenüberstellen der Vorteile und Nachteile des gemeinsamen Wohnens mehrerer Generationen unter einem Dach ergibt sich eine relativ ausgewogene Balance. Ganz ohne Kompromisse werdet Ihr nicht auskommen. Wenn Ihr Euch aber im Voraus die einzelnen Vorteile und Nachteile bewusst macht und besprecht, wie Ihr damit umgehen wollt, schafft Ihr gute Voraussetzungen für Euer Zusammenleben.
Im Wesentlichen geht es um diese Vorteile und Nachteile:

Vorteile

  • einander helfen
  • Zeit sparen bei der Hausarbeit
  • durch Arbeitsunterstützung mehr Zeit für private Interessen
  • Hilfe bei der Betreuung der Kinder
  • engere und vielseitigere familiäre Kontakte
  • ständiger direkter Austausch unter den Generationen
  • Senioren mit Aufgaben fühlen sich gebraucht
  • Großeltern bleiben im engen Kontakt mit Enkeln geistig länger jung
  • Vermeiden von Einsamkeit im Alter
  • bei Pflegebedürftigkeit Verhindern oder Hinauszögern eines Heimaufenthalts durch häusliche Betreuung

Nachteile

  • räumliche Enge
  • verstärkt Rücksicht nehmen und Zurückstellen eigener Interessen
  • mehr Kompromisse
  • soziale Kontrolle und weniger Privatsphäre
  • Empfinden von Verpflichtungen als Belastung
  • unerbetene Ratschläge
  • unerwünschtes Einmischen in Erziehungsfragen
  • Konkurrenzdenken
  • Eifersucht
  • Manipulationsversuche oder Familienmitglieder gegeneinander ausspielen

Kurz gesagt

Bei der Vorstellung, als große Familie einschließlich Großeltern zusammenzuziehen, kommen zunächst lauter Vorteile in den Sinn. Erst allmählich gesellen sich eventuelle Nachteile dazu. Ein Grund, von so einem Vorhaben wieder Abstand zu nehmen, ist dies aber nicht. Vielmehr zeigen diese Gedanken, wie wichtig ein ausgiebiger Austausch mit allen Beteiligten im Voraus ist. Aus Erwartungen, Wünschen, Talenten, Einsatzbereitschaft, verfügbarer Zeit, privaten Verpflichtungen und Vorschlägen für das Zusammenleben entstehen erste Pläne und Absprachen. Zahlreiche funktionierende Mehrgenerationen-Wohnprojekte beweisen, dass es gelingen kann.

 

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