Mama liebt jetzt eine Frau

Veröffentlicht am 26. September von Lieselotte Wever in Familie

Mama hat sich verliebt, aber nicht in einen Mann, sondern in eine Frau. Darauf reagieren Kinder unterschiedlich. Alter, Persönlichkeit, familiäres Umfeld, eigene Freunde und viele weitere Aspekte sind maßgeblich daran beteiligt, wie Kinder damit umgehen, dass ihre Mutter jetzt eine Frau liebt.

Warum liebt Mama auf einmal eine Frau?

Es kann während einer traditionellen Ehe geschehen oder in einer gelebten heterosexuellen Partnerschaft ohne behördlichen Pakt: Auf einmal liebt Mama eine Frau. Bei einigen alleinerziehenden Frauen mit Partnerwunsch entpuppt sich der vermeintliche neue Freund als Freundin. Eine Geschiedene oder eine Witwe entdeckt verführerische Reize an einer Frau. Warum?

Für das Warum gibt es vor allem drei Erklärungen:

  1. Eine Frau ist schon immer lesbisch gewesen, ist aber unter dem Druck sozialer Erwartungen eine herkömmliche Ehe eingegangen. Früher haben sich Frauen oft mit der Situation halbherzig arrangiert. Heute sind Frauen eher dazu bereit, aus einer Ehe, die sich für sie falsch anfühlt, auszubrechen, um endlich nach ihren wahren Gefühlen zu leben.
  2. Eine Frau ist bisexuell und hat aus voller Überzeugung und aufrichtiger Liebe zu einem Mann diesen geheiratet. Später verliebte sie sich neu, diesmal in eine Frau. Wie bei vielen konventionellen Ehen, bei denen sich die Frau in einen anderen Mann oder der Mann in eine andere Frau verliebt hat, kam es zur Scheidung und häufig einer Ehe mit dem neuen Partner – hier einer Frau statt einem Mann.
  3. Eine Frau merkt erst nach einiger Zeit, dass sie im Grunde oder außerdem auf Frauen steht. Auch hier können ein konservatives Elternhaus und soziale Erwartungen dazu geführt haben, dass sie sich entsprechende Verhaltensmuster zu Eigen gemacht hat. Widersprechende Gefühle hat sie automatisch verdrängt, ebenso eine mögliche Bisexualität. Anders als im erstgenannten Beispiel ging diese Frau nicht von vornherein wider besseres Wissen eine Ehe oder Partnerschaft zu einem Mann ein. Ihr Verdrängungsmechanismus funktionierte so erfolgreich, dass sie ihren Schritt gar nicht erst hinterfragt hatte.

Betrug, Heimlichkeiten, Gewissensbisse

In einer irrtümlichen oder bewusst auf Schein aufgebauten Beziehung wird es eines Tages knirschen. Entweder wird es Frauen schließlich unerträglich, ihr „falsches Leben“ fortzusetzen. Oder sie gehen ein heimliches Beziehungsverhältnis ein, wie sie es sich wirklich wünschen. Die Frau betrügt ihren Mann mit einer Frau. Ihre heimlichen Treffen, die weder Mann noch Kinder bemerken sollen, sind eine anstrengende Herausforderung. Hinzu kommt das schlechte Gewissen gegenüber dem Mann, einem meist fürsorglichen Familienvater, der seine Frau und Kinder liebt und verwöhnt – und der einfach nur das falsche Geschlecht hat.

Aufbruch in das wahre Leben

Heute harren Frauen kaum noch in einer herkömmlichen Beziehung aus, wenn sie ihre wahre Liebe in Gestalt einer Frau gefunden haben. Da halten auch nicht mehr die Kinder als Grund für das Festhalten an einer Ehe her. Die Reaktionen der verlassenen Partner fallen sehr unterschiedlich aus. Neben erwartbaren Konflikten kann es hier zu hochemotionalem bis aggressivem oder beleidigendem Verhalten des Ex-Partners kommen. Es kann aber auch gelingen, der bisherigen Beziehung eine neue Qualität zu geben: als Freund und weiterhin eingebundener Vater der Kinder. Auch rechtliche Aspekte wie Umgangsrecht, Unterhaltszahlungen und gemeinsam zu treffende Entscheidungen beim Kind werden ebenso noch künftig eine Rolle spielen.

 

Regenbogenherz
Liebe fragt nicht – Liebe ist.

 

Mama liebt eine Frau: Wie geht es den Kindern damit?

Wie die Kinder mit Mamas neuer Liebe umgehen, hängt auch wesentlich vom Alter, dem individuellen Charakter und der jeweiligen kindlichen Lebenserfahrung ab. Es kann zu einem Loyalitätskonflikt kommen wie bei anderen Scheidungen mit ebenfalls davon betroffenen Kindern. Für manche Kinder kann es außerdem einen Schock bedeuten, dass ihre Mutter plötzlich eine Frau liebt, vor allem, wenn ihnen bisher nicht bekannt war, dass so etwas möglich ist. Oder sie fühlen sich durch die neue Lebensform ihrer Mutter einer intensiveren Aufmerksamkeit ausgesetzt, eventuell sogar Hänseleien. Aus Enttäuschung oder Verunsicherung heraus geschieht es nicht nur bei heterosexuellen Neubeziehungen, dass Kinder den neuen Partner ihres Elternteils ablehnen.

Umgekehrt können Kinder es aber auch spannend oder cool finden, dass ihre Mutter nun mit einer Frau zusammen ist. Die neue Partnerin betrachten sie einfach als zweite Mutter. Gehässigen Bemerkungen treten sie dann auch solidarischer und selbstbewusster entgegen.

Kinder mit Gesprächen und Begegnungen unterstützen

Ausführliche und einfühlsame Gespräche der Mütter mit den Kindern und gemeinsame Unternehmungen festigen das neue Beziehungsgeflecht. Sind Kinder erst noch misstrauisch oder ablehnend, bestehen gute Chancen, dass sie so die neue Partnerin ihrer Mutter akzeptieren.

Helfen kann auch der Kontakt zu anderen Regenbogenfamilien, wie diese Familienform genannt wird.

Besonders wichtig ist es, den Kindern zu vermitteln, dass in der Liebe der Mensch entscheidend ist, nicht das Geschlecht. Auch wenn die meisten Frauen Männer lieben und Männer fast immer Frauen, ist es nicht falsch, sich in einen Menschen desselben Geschlechts zu verlieben. Entscheidend ist, dass man sich mag und aufeinander verlassen kann.

Kindern den Rücken stärken in Kita und Schule

Von Erziehern und Lehrern kann ein professioneller Umgang mit Frauenpaaren als Eltern erwartet werden. Womöglich befinden sie sich selbst in dieser Situation. Während Kita-Kindern die Familienverhältnisse noch egal sein dürften, muss bei Mitschülern mit Hänseleien oder Aggressionen gerechnet werden – teilweise aus Unsicherheit heraus, teilweise von ihren Eltern mit ablehnender Haltung beeinflusst. Wirkt das eigene Kind bedrückt, ist nach dem Grund zu fragen. Hat es mit der mütterlichen neuen Partnerschaft zu tun, ist es Zeit für ein neues Gespräch. Beklagt sich ein Kind von selbst über abfällige Sprüche oder Handlungen seiner Mitschüler, ist auch dies Anlass für ein näheres Gespräch.

Wichtig ist, dem Kind den Rücken zu stärken, damit es vor anderen selbstbewusst zu seiner Familie stehen kann. Das ist leider leichter gesagt als getan. Hilfreich sind dabei Rollenspiele. Vom Kind geschilderte typische unangenehme Vorkommnisse nehmen beide Frauen mit ihm wie in einer kleinen Schauspielszene auf. Sie üben Antworten und Verhalten ein. Die Frauen zeigen sich in ihren Rollen als verhöhnende oder angriffslustige Mitschüler. In der gespielten Auseinandersetzung mit ihnen trainiert das Kind, passend zu antworten und sie mit seinem Verhalten in die Schranken zu weisen. Da Vorurteile und abfällige Äußerungen gegenüber Homosexuellen selten Neues bieten, sondern überwiegend altbekannte Klischees aufnehmen, ist die Vorbereitung darauf entsprechend einfach: Eine der Frauen ist angeblich der Mann in der Beziehung. Ein Frauenpaar zu sein ist unnatürlich. Frauen mit einer Liebesbeziehung untereinander kommen in die Hölle.

Regenbogenfamilie in der Schule vorstellen

Statt ängstlich abzuwarten oder auf Konfrontationskurs zu gehen, können zwei Frauen mit ihren Kindern auch einfach auf die Mitschüler zu gehen. Das ist nicht nur im Sinne der Familie, sondern auch der Schule. Das offenere Ausleben von unterschiedlichen Beziehungsformen einschließlich Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern nimmt zu. Die gesellschaftliche Toleranz bleibt dahinter oft zurück. Wenn sich eine Regenbogenfamilie gemeinsam der Klasse und am besten auch noch den Eltern der Schüler vorstellt, kann dies einige Vorteile abstellen helfen, vielleicht sogar Sympathien wecken, auf jeden Fall die Atmosphäre verbessern.

Kurz gesagt

Wenn Mama einen neuen Partner hat, sind auch ihre Kinder davon betroffen. Ist dieser Partner dann eine Frau, bedeutet das für ihre Kinder eine weitere Umstellung. Auch von Verwandten, Freunden oder Mitschülern werden sehr unterschiedliche Reaktionen kommen – von Sympathie bis Ablehnung. Mütter sollten mit ihren Kindern ausführlich über ihr neues Familienleben sprechen. Kinder lernen dabei außerdem einiges über Toleranz: bei anderen im Blick auf ihre Familie, aber auch bei sich selbst gegenüber anderen.

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