Kampfsport für Kinder: Das musst Du beachten

Veröffentlicht am 18. April von Thorben Grünewälder in Familie

Vin Diesel, Chuck Norris oder die Klitschko-Brüder: Kampfsportler sind längst berühmte Stars, die auch nach ihrer aktiven Karriere erfolgreich sind. Das bleibt auch vielen Kindern nicht verborgen, die keine Lust auf Fußball oder Tennis haben. Kampfsport kann eine gute Alternative sein. Doch häufig haben Eltern Angst, dass ihr Nachwuchs zu brutalen Schlägern ausgebildet wird, oder sich verletzt. Wir zeigen Dir, was Du beachten solltest.

Welche Kampfsportart passt zu meinem Kind?

Diese Frage, stellst Du am besten Deinem Kind. Du möchtest, dass Deine Tochter Judo lernt, obwohl sie lieber boxen möchte? Dann stelle Dich darauf ein, dass sich die Motivation Deines Kindes in Grenzen hält. Besuche mit Deinem Nachwuchs Trainings in verschiedenen Vereinen, sprich mit den Trainern und mache Dir ein Bild vom Verein und Trainingsalltag. Die meisten Vereine bieten spezielle Probetrainings oder Schnuppertage an. Denke auch nicht in Klischees, sondern bleibe offen für die Wünsche Deines Kindes.

Boxhandschuhe
Kampfsport formt den Charakter.

Ist Dein Kind hyperaktiv oder eher schüchtern?

Dein Kind muss sich jeden Tag richtig austoben und hat Energie ohne Ende? Dann sind Sportarten wie Boxen, Kickboxen oder Karate genau das Richtige. Wenn Dein Kind eher schüchtern oder zurückhaltend ist, empfehlen wir Judo oder Taekwondo. Natürlich wird nicht jede Kampfsportart überall angeboten. In großen Städten hast Du natürlich die Auswahl, auf dem Land sieht es schon da schon anders aus. Achte darauf, dass der Weg zum Training nicht zu lange dauert. Sonst kostet das Dein Kind und Dich nur unnötig Zeit und Nerven.

Woran erkenne ich einen guten Verein?

Ein guter Verein ist selten ein Hochglanzstudio. Vor allem zwei Dinge sind wichtig: Erfahrene Trainer, deren Schützlinge bereits einige (regionale) Titel gewonnen haben und motivierte Trainingspartner. Dann kann das Training auch gerne in einem verschwitzten Keller stattfinden. Gerade beim Boxen ist es üblich, dass die Trainer Anfänger nicht übermäßig bemuttern und auch zu Beginn gerne etwas links liegen lassen. Das hat aber nichts mit mangelndem Respekt zu tun. Die Trainer erleben einfach, wie viele Teilnehmer schon nach wenigen Trainingseinheiten das Handtuch werfen und testen, wer wirklich am Ball bleiben möchte. Dennoch ist eine intensive Betreuung wichtig. Solltest Du sehen, dass Anfänger als Punchingball für erfahrene Kampfsportler herhalten müssen, ist der Verein leider unbrauchbar.

Wie teuer ist Kampfsport für Kinder?

Kampfsport, egal welcher Art, ist im Vergleich zu anderen Sportarten wie Tennis, Eishockey oder Fußball sehr günstig. Meist reichen ein paar alte Sportschuhe, normale Sportbekleidung, ein paar Handschuhe, Bandagen für die Handgelenke und ein Mundschutz. Auch die Gebühren für die Vereine sind häufig extrem günstig und liegen teilweise bei unter zehn Euro pro Monat. Natürlich gibt es auch kommerzielle Anbieter und Kampfsportclubs, die wesentlich teurer sind. Diese richten sich allerdings eher an ein erwachsenes Publikum und sind für Kinder nicht geeignet.

Ab welchem Alter darf mein Kind Kampfsport betreiben?

Eine Regel gibt es hier nicht. In vielen Vereinen trainieren die Kleinen schon mit vier oder fünf Jahren. Natürlich ohne hartes Sparring. Frage einfach beim Verein Deiner Wahl nach, ob dort bereits Kinder im Alter Deines Nachwuchses trainieren oder ob es eine spezielle Anfängergruppe für Kinder gibt. Übrigens: Auch nach oben hin gibt es keine Altersgrenze. Auch 60-jährige können noch locker mit einer Kampfsportart anfangen und profitieren von dem Training.

Kampfsport bildet den Charakter

Grundsätzlich profitiert jedes Kind von Kampfsport. Das anstrengende Training hält die Kleinen fit, hilft Ihnen überschüssige Energie abzubauen und vermittelt Ihnen Selbstbewusstsein und Fairness. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, sind Kampfsportvereine Orte, an denen den Trainierenden Werte wie Respekt, Rücksichtnahme und Ehrgeiz vermittelt wird. Schläger, oder solche die es werden wollen, werden schnell aussortiert.

Fairness und Respekt sind im Kampfsport wichtige Werte.

Kampfsport ist mehr als Kämpfen

Viele Kampfsportarten schulen neben dem Körper auch den Geist. Besonders asiatische Stile wie Wing Tsun integrieren meditative Aspekte in das Training und fördern so die Ausgeglichenheit der Sportler. Die Kinder lernen, wie wichtig Zuhören und der Respekt vor dem Lehrer beziehungsweise Trainer ist. Kampfsport ist außerdem Partnerarbeit. Kinder lernen, auf den Gegner einzugehen und mit ihm zu arbeiten. Dies ist vor allem beim Einüben der Techniken der Fall.

Wie läuft das Training in der Regel ab?

Das hängt natürlich stark von der jeweiligen Sportart ab. Oft beginnt das Training mit Aufwärmen, leichten Dehnübungen und Laufrunden. Beim Boxen kommt hier gerne das berühmt-berüchtigte Springseil zum Einsatz. Später werden die Bewegungsabläufe und Techniken der Schläge, Tritte oder Würfe eingeübt. Sind die Kinder schon etwas älter, kann ein Sparring oder das Üben am Boxsack das Training abschließen. Natürlich wird auf eine angemessene Schutzkleidung Wert gelegt. Gute Trainer wissen, was sie ihren Schützlingen zumuten können und was nicht. In der Regel ist das Training sehr anstrengend und anspruchsvoll. Es formt Muskeln, fördert die Koordination und ist außerdem ein sehr gutes Ausdauertraining.

Kampfsport ist die beste Gewaltprävention

Wer sich und andere verteidigen kann, geht selbstbewusster und mutiger durchs Leben. Kinder lernen, dass Gewalt Konsequenzen hat, welche Schläge gefährlich sind und das Ausweichen und die Ruhe bewahren im Zweifelsfall die besten Lösungen sind. Die Kinder erfahren, wie es sich anfühlt Aggressionen kontrolliert auszuleben und auch am eigenen Leib zu spüren. Sie können ihre Kraft viel besser einschätzen und verlieren weniger häufig die Selbstbeherrschung. Die Vermittlung von Selbstdisziplin steht damit im Kampfsport stark im Fokus.

Kurz gesagt:

Gute Kampfsportvereine bilden keine hirnlosen Schläger aus. Im Gegenteil: Sie vermitteln den Kindern das nötige Rüstzeug für ein selbstbestimmtes, sportlich aktives und gesundes Leben. Nutze die Angebote für ein Probetraining und besuche sie gemeinsam mit Deinem Kind. So findet Ihr schnell heraus, welcher Kampfsport zu Deinem Nachwuchs passt. Überlasse aber Deinem Kind die Entscheidung. Schließlich soll das Training Spaß machen und langfristig motivieren.

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