Im Interview: YouTuberin Jasmine alias littlebeautyguru

Veröffentlicht am 13. Oktober von Philipp Senge in Lifestyle

Jasmine ist die Betreiberin des YouTube-Channels littlebeautyguru. In ihren Videos berichtet sie über Make-up, gibt Schminktipps, empfiehlt Produkte oder nimmt ihre Zuschauerinnen auch schon einmal mit zum Shoppen. Dabei geht es ihr keineswegs darum, gängige Schönheitsideale zu bedienen. Was ihr wirklich wichtig ist, hat sie uns im Interview verraten.

„Wenn Du anfängst, Dich selbst so zu lieben, wie Du bist, dann kann Dir keiner etwas“

Die ältesten Videos auf Deinem YouTube-Channel sind jetzt etwa dreieinhalb Jahre alt. Dort verweist Du auch noch auf einen Blog, den es inzwischen nicht mehr gibt. Das Thema scheint Dich also schon länger zu interessieren. Seit wann genau und wie bist Du dazu gekommen?

Bereits seit mehr als dreieinhalb Jahren betreibt Jasmine ihren YouTube-Channel littlebeautyguru.

Das Thema Make-up und Beauty begleitet mich schon sehr lange. Wie bei ganz vielen Mädchen und Frauen würde ich sagen, dass ich mich schon seit meiner Jugend dafür interessiere und damit auseinandersetze. Je älter ich wurde, desto stärker konnte ich mich dafür begeistern.

Meinen Beauty-Blog habe ich damals im Studium angefangen, weil wir als Studenten das Medium kennenlernen sollten. Das Studium selbst hatte lustigerweise rein gar nichts mit Kosmetik zu tun. Das Thema konnten wir damals frei wählen und als Beauty-Liebhaberin war für mich völlig klar, dass Eyeliner, Make-up, Looks und Co. mein Thema sein sollten! Das war quasi die Geburtsstunde meines Beauty-Blogs und die Brücke zu YouTube. Ich hatte einfach Lust, mein Interesse mit anderen Frauen und Mädchen da draußen zu teilen, wollte aber mehr Menschen erreichen und mich noch kreativer austoben, weshalb ich dann irgendwann spontan mein erstes Video für YouTube drehte.

Mit welcher Intensität betreibst Du Deinen Kanal? Hast Du einen festen Rhythmus für neue Videos?

 

Einen festen Rhythmus habe ich für meinen Channel nicht. Das ist nämlich neben Beruf und Studium gar nicht so einfach alles unter einen Hut zu bekommen. Außerdem ist es mir wichtig, dass ich nicht irgendwelche halbherzigen Videos und Content hochlade. Ich nehme mir wirklich Zeit für das, was ich mache, damit ich für meine Zuschauer und Zuschauerinnen interessante und unterhaltsame Videos gestalten kann. Ich glaube, ich selbst bin mein größter Kritiker und deshalb lade ich nur Videos hoch, hinter denen ich zu 100 Prozent stehe, statt Videos en masse.

In Deinen Videos gibst Du Schminktipps, Produktempfehlung und nimmst Deine Zuschauerinnen mit zum Shoppen. Daneben berichtest Du aber auch von Fotoshootings oder einem Model-Casting bei dem Du selber teilgenommen hast. Ist das ein Traum von Dir, möchtest Du das gerne einmal professionell betreiben?

 

Es wäre natürlich eine unheimlich tolle Sache als Model professionell durchzustarten, ganz klar! Warum ich aber speziell diese Videos, also Castings und Shootings, drehe ist eigentlich der Grund, dass ich mich selbst immer wieder herausfordere, Neues ausprobiere und gerne andere Frauen damit inspirieren möchte, sich selbst zu verwirklichen. Ich kenne das ganz gut von mir selbst und stand mir in der Vergangenheit oft selbst im Weg. Ich habe mich Dinge aufgrund meiner Figur nicht getraut und Angst vor Ablehnung gehabt, anstatt einfach das zu machen, worauf ich Lust hatte. Ich glaube, vielen Frauen geht es ähnlich. Das macht mich traurig und deshalb möchte ich das ändern.

Bei dem erwähnten Model-Casting handelte es sich nicht um irgendein Casting, sondern um ein Casting für die Plus Size Fashion Days. Das Thema Plus Size spielt in Deinen Videos eine große Rolle. Wie sind die Reaktionen auf diesen Schwerpunkt?

 

Mein Plus Size Content wird sehr gut angenommen. Ich schätze das liegt daran, dass es anderen Frauen und Männern mit ähnlichen Gedanken, Erfahrungen oder Sorgen hilft, wenn es Menschen gibt, die genau damit einfach in die Öffentlichkeit gehen und quasi dem gängigen Schönheitsideal „die Stirn bieten“ – in welcher Form auch immer. Realistischerweise gefällt nicht jedem das Thema Plus Size oder auch einfach Bodypositivity. Ich habe aber erkannt, dass das ein wichtiges Thema nicht nur für mich selbst ist. Deshalb werde ich daran auf jeden Fall weiterhin festhalten.

Insgesamt ist von dem Thema Plus Size öfter zu lesen und zu hören. Wie schätzt Du das ein? Siehst Du Veränderungen bei Schönheitsidealen?

 

Das ist eine schwierige Frage. Ich würde behaupten, dass es einen Positivtrend gibt, was Schönheitsideale angeht. Der ist aber noch zu sehr idealisiert. Mir ist aufgefallen, dass das Thema Plus Size im speziellen zwar in aller Munde ist und kurvige Frauen verstärkt in Szene gesetzt werden. Aber selbst hier ist ein gewisser Standard zu finden oder die Frauen werden digital so stark bearbeitet, dass sie eigentlich der Realität nicht mehr entsprechen.

Kurz gesagt: Es fehlt mir persönlich an Vielfalt, Realness und all dem, was dazugehört. Unterschiedliche Typen, Figuren, Dehnungsstreifen, Cellulite und all das, was Frauen häufig begleitet und gleichzeitig verunsichert. Uns wird ständig vorgegaukelt, dass diese Dinge unseres Körpers nicht existieren! Das muss sich meiner Meinung nach definitiv noch sehr verändern!

Du ermutigst Frauen immer wieder zu einem selbstbewussten Umgang mit ihrem Aussehen oder ihrem Körper, unabhängig von ihrer Figur. Warum ist das so wichtig? Denkst Du, dass sich viele Frauen zu stark davon beeinflussen lassen, was andere über sie denken?

 

Für Jasmine ein wichtiges Anliegen: Ihre Zuschauerinnen und Zuschauer ermutigen, sich selbst zu akzeptieren wie sie sind. Das stärkt das Selbstbewusstsein – unabhängig von Schönheitsidealen.

Einen selbstbewussten Umgang mit dem eigenen Körper halte ich für extrem wichtig. Nur dann kann man eigentlich so richtig das Leben leben, das man leben möchte und kann der Mensch sein, der man sein möchte. Du bist als Mensch einfach freier.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es viele Frauen gibt, die stark von vorhandenen Schönheitsidealen und der Meinung anderer beeinflusst werden und stets unter einem Druck stehen. Ich selbst muss mich damit ja auch immer wieder aufs Neue beschäftigen und reflektieren, was um mich herum passiert und wie mich das Ganze beeinflusst.

Man muss sich eigentlich immer wieder vor Augen halten, dass gängige Schönheitsideale nicht der Realität entsprechen und es völlig in Ordnung ist, dem nicht zu entsprechen. Die Perfektion des Körpers ist letztendlich nicht real aber auch nicht unbedingt erstrebenswert. Wenn man das für sich realisieren und anerkennen kann, fällt es einem meiner Meinung nach leichter, einfach zu sich selbst zu stehen. Das bedeutet wiederum Ausstrahlung. Und Ausstrahlung macht bekanntlich ja attraktiv und sexy! 😉

Ich hatte bei der Recherche zu meinem Artikel „Die 10 besten Beauty-BloggerInnen und YouTuberInnen“ das Gefühl, dass viele dieser Blogs und Channels eigentlich genau das tun: Sie manifestieren häufig die gängigen Schönheitsideale. Auf diese Weise üben sie einen starken Einfluss auf die oft noch sehr jungen Zuschauerinnen aus. Wie siehst Du das?

 

Ich glaube, wenn man sich mit dem Thema Beauty, Make-up oder auch Fashion beschäftigt, dann begibt man sich auf einer Plattform wie YouTube schnell in einen Zwiespalt, was das Bedienen von Schönheitsidealen angeht. Zumindest wenn man es ganz kritisch sieht. Auch ich habe festgestellt, dass es viele Bloggerinnen und YouTuberinnen gibt, die vorhandene Schönheitsideale zu repräsentieren versuchen und deshalb für mich an Authentizität verlieren.

Es gibt dennoch genug andere Bloggerinnen und YouTuberinnen, die einen guten Weg gefunden haben, dies genau nicht zu tun. Gerade für die jüngeren Zuschauerinnen ist das meiner Meinung nach sehr wichtig. So können sie Alternativen zu Standard-Schönheitsidealen kennenlernen und für sich herausfinden, wer sie eigentlich wirklich sein wollen.

In Deinen Videos trittst Du selber sehr selbstbewusst auf und strahlst vor allem ein sehr positives Lebensgefühl aus. Das ist toll. Wie gelingt Dir das?

 

Erstmal vielen Dank! Ich glaube, es liegt ein Stückweit in meiner Natur. Ich war noch nie ein Mensch von wirklicher Traurigkeit. Die Menschen, die mich so lieben, akzeptieren und unterstützen, wie ich bin, helfen mir dabei, einfach unbeschwerter durch das Leben zu gehen und mich selbst zu verwirklichen. Außerdem versuche ich, den negativen Dingen im Leben immer etwas Positives abzugewinnen, stelle mich gerne neuen Herausforderungen und nehme mich selbst nicht immer allzu ernst. Ein Patentrezept gibt es wahrscheinlich nicht. Aber ich glaube, dass:

  • Menschen, die Dich wertschätzen,
  • Mut,
  • Optimismus,
  • Selbstliebe und
  • Dinge, die Dir Spaß machen,

dazu beitragen, das Leben positiv und mit einem Lächeln auf den Lippen zu gestalten.

In dem Casting-Video bleibt offen, wie es ausgegangen ist. Kannst Du uns inzwischen mehr dazu sagen?

 

Aus dem Modeljob für die Plus Size Fashion Days 2017 in Hamburg ist leider nichts geworden. Natürlich wäre es eine großartige Chance für mich gewesen aber ich gönne es allen Powerfrauen und -männern, die es geschafft haben und freue mich sehr für sie! Die Plus Size Fashion Days, die von Kurvenrausch ins Lebens gerufen wurden, finde ich nach wie vor Weltklasse und einfach nur inspirierend! Für mich bedeutet das also, dass ich mein Glück nächstes Jahr definitiv erneut versuchen werde, denn es war eine tolle Erfahrung. Unabhängig davon, was dabei herauskam und wer weiß: Vielleicht sieht man mich ja dann nächstes Jahr auf dem Catwalk der Plus Size Fashion Days 2018!

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Danke, Jasmine, dass Du unsere Fragen beantwortet hast. Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg mit Deinem Channel und bei Deinen persönlichen Plänen.

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