Gluten und Glutenunverträglichkeit – was ist das?

Veröffentlicht am 13. Februar von Philipp Senge in Gesundheit

Alle reden von Gluten, Glutenunverträglichkeit und glutenfreier Ernährung. Ist das jetzt auch nur wieder so ein Ernährungstrend oder steckt da mehr dahinter? Was genau ist eigentlich Gluten und wer sollte sich glutenfrei ernähren? Wir erklären es Dir und geben Dir alle wichtigen Hintergrundinfos, damit Du wirklich Bescheid weißt.

Ein Korb voller geschnittenem Brot und Brötchen

Wieso hat alle Welt plötzlich Probleme mit Gluten?

Viele Menschen ernähren sich mit wenig oder sogar ganz ohne Kohlenhydrate, weil sie abnehmen, gesünder leben möchten oder sich damit einfach besser fühlen. Andere trinken ihren Cappuccino nur noch mit Sojamilch, weil sie sich laktosefrei ernähren. Seit einiger Zeit finden sich in den Regalen von Supermärkten immer häufiger auch Lebensmittel mit dem Hinweis „glutenfrei“. Hast Du Dich auch schon einmal gefragt, was Gluten eigentlich ist und warum sich plötzlich scheinbar alle Welt glutenfrei ernähren möchte?

Was genau ist Gluten eigentlich?

Gluten ist ein pflanzliches Eiweißgemisch. Es ist ein natürlicher von Bestandteil von bestimmten Getreidesorten und kommt vor allem vor in:

  • Weizen
  • Gerste
  • Roggen
  • Hafer
  • Dinkel

Je nach Getreideart unterscheidet sich das enthaltene Gluten in der genauen Zusammensetzung und in der Menge. Häufig wird Gluten mit dem Begriff Klebereiweiß umschrieben. Beim Backen mit Mehl aus glutenhaltigen Getreiden sorgt das Gluten dafür, dass der Teig elastisch wird. Es bindet Wasser und verleiht dem Teig eine gewisse gummiartige Konsistenz. Dadurch kann der Teig gut aufgehen und Brot oder Brötchen werden schön locker. Aber nicht nur in Brot und Brötchen ist Gluten enthalten. Es kommt in allen Lebensmitteln vor, die aus Getreide oder mit Mehl hergestellt werden. Zum Beispiel:

  • Brot
  • Brötchen
  • Kuchen
  • Kekse
  • Nudeln
  • Pizza
  • Bier
  • Viele Fertigprodukte und stark weiterverarbeitete Lebensmittel

Ist Gluten schädlich?

In den vergangenen Jahren kamen Thesen darüber auf, dass Gluten schädlich sein soll. Angeblich soll es dumm und krank machen. Geschürt wurden diese Ängste unter anderem durch verschiedene Ernährungs-Bestseller, die Gluten regelrecht verteufeln. Ob und inwiefern Gluten generell gesundheitsschädlich ist, wird schon seit rund 40 Jahren erforscht. Allerdings keineswegs mit einem so eindeutigen Ergebnis, wie es die Autoren der Ernährungsbücher glauben machen. Es ist damit also keineswegs erwiesen, dass Gluten gesunde Menschen dumm oder krank macht.

Schädlich ist Gluten jedoch für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit. Als die stärkste Form der Unverträglichkeit gilt die Zöliakie. Während bei gesunden Menschen das Gluten einfach verdaut wird, löst es bei Zöliakie-Betroffenen eine Autoimunreaktion aus. Durch diese Reaktion wird der Darm angegriffen und es kann zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen wie zum Beispiel Mangelerscheinungen kommen.

Welche Formen der Glutenunveträglichkeit gibt es?

Zöliakie gilt als die stärkste und eindeutigste Form der Glutenunverträglichkeit. Daneben gibt es noch andere Formen der Unverträglichkeit. In diesen Fällen spricht man von einer Glutenempfindlichkeit. Anders als bei einer Zöliakie schädigt hierbei das Gluten jedoch nicht den Darm.

Neben Zöliakie und Glutenempflichkeit gibt es außerdem noch andere Formen von Allergien gegen Getreide, wie eine Weizenallergie.

Wie finde ich heraus, ob ich eine Glutenunverträglichkeit habe?

Ob eine Glutenunverträglichkeit vorliegt und welche Art einer Unverträglichkeit vorliegt, ist nicht ganz einfach herauszufinden. Das liegt zum einen daran, dass die Symptome sich sehr stark ähneln. Typische Symptome einer Zöliakie oder einer Glutenempfindlichkeit sind zum Beispiel:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall oder Verstopfung

Erschwerend kommt hinzu, dass häufig Symptome auftreten, die auf den ersten Blick überhaupt nicht auf eine Lebensmittelunverträglichkeit schließen lassen:

  • Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Müdigkeit
  • Depressionen
  • Schlaflosigkeit
  • Unfruchtbarkeit

Für eine eindeutige Diagnose solltest Du Dich auf jeden Fall an einen Arzt wenden. Zöliakie und Glutenempfindlichkeit lassen sich ausschließlich über einen Bluttest eindeutig feststellen. Der Körper bildet in beiden Fällen Antikörper, die im Blut nachgewiesen können. Wurden in Deinem Blut Antikörper nachgewiesen, lässt sich nur mit einer Dünndarmbiopsie abklären, ob eine Zöliakie oder Glutenempfindlichkeit vorliegt. Eine Dünndarmbiopsie ist eine Gewebeentnahme aus dem Dünndarm. Anhand der Gewebeprobe lässt sich feststellen, ob das Gewebe geschädigt ist. Nur in diesem Fall liegt eine Zöliakie vor.

Eine Weizenallergie wird wie viele andere Allergien mithilfe eines Pricktests durchgeführt.

Wann sollte ich kein Gluten essen?

Definitv kein Gluten solltest Du essen, wenn bei Dir Zöliakie festgestellt wurde. Ein vollständiger Verzicht ist die einzige Möglichkeit beschwerdefrei zu leben. Auch bei einer Glutunverträglichkeit solltest Du Dich glutenfrei ernähren.

Bei einer Weizenallergie darfst Du insbesondere keine Weizenprodukte essen. Auch Dinkel und Grünkern solltest Du vermeiden. Andere Glutenhaltige Getreide wie zum Beispiel Gerste, Roggen oder Hafer stellen bei einer reinen Weizenallergie in der Regel kein Problem dar.

Ein vollständiger Verzicht ist also nur bei Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit zwingend notwendig und zu einem Teil bei einer Weizenallergie. Gesunde Menschen vertragen Gluten hingegen problemlos. Sie brauchen sich nicht einzuschränken. Ein Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel ist zwar nicht schädlich. Dennoch raten Experten davon ab.

Hast Du den Verdacht, dass bei Dir eine Form der Glutenunverträglichkeit vorliegt, solltest Du auf jeden Fall eine eindeutige Diagnose abwarten. Bis die vorliegt, solltest Du Dich ganz normal ernähren – also auch glutenhaltige Lebensmittel essen. So vermeidest Du, dass die Symptome verändert werden. Sie sind wichtig für eine eindeutige Diagnose.

Wie ernähre ich mich glutenfrei?

Eine strikte glutenfreie Ernährung bringt viele Einschränkungen mit sich. Du darfst in diesem Fall keine Lebensmittel essen, die glutenhaltiges Getreide enthalten. Bei Brot, Kuchen oder Teigwaren kannst Du auf glutenfreie Alternativen zurückgreifen. Sie werden auf der Basis von glutenfreien Mehlen hergestellt. Infrage kommen zum Beispiel:

  • Maismehl
  • Hirsemehl
  • Kartoffelmehl
  • Buchweizenmehl
  • Reismehl

Beim Einkaufen solltest genau darauf achten, ob ein Produkt als glutenfrei gekennzeichnet ist. Findest Du keinen Hinweis darauf, hilft nur ein Blick auf die Zutatenliste. Achte inbesondere auf Zutaten, die fettgedruckt oder großgeschrieben sind. Dabei handelt es sich um allergene Zutaten. Seit einigen Jahren müssen diese Zutaten besonders gekennzeichnet werden.

Möchtest Du in einem Restaurant, einer Kantine oder der Mensa essen, musst du ebenfalls auf entsprechende Hinweise achten. Findest du keine eindeutigen Hinweise, frage beim Personal nach. Sie können dir genaue Auskunft geben.

Weitere Informationen

Ausführliche und vor allem fundierte Informationen rund um das Thema Gluten, Glutenunverträglichkeit und glutenfreie Ernährung findest Du bei der Deutsche Zöliakie Gesellschaft e. V.

Kurz gesagt

Eine glutenfreie Ernährung ist nur dann wirklich notwendig, wenn eine entsprechende Form der Unverträglichkeit vorliegt. Wenn du den Verdacht hast, dass Du eine Unverträglichkeit haben könntest, solltest Du einen Arzt aufsuchen. Er kann die notwendigen Diagnosen durchführen. Ohne einen eindeutigen Befund solltest Du nicht im Selbstversuch auf Gluten verzichten. Insbesondere, wenn Du eine Lebensmittelunverträglichkeit vermutest.

Das wird dich auch interessieren…